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Richard-Siegmann-Medaille 2017 für „Fischkutter Jugend- und Begegnungsstätte e.V.“

29.11.2017 – Zum dreizehnten Mal verleiht die Richard-Siegmann-Stiftung am 28. November 2017 die Richard-Siegmann-Medaille an engagierte Bürger und Netzwerke der Stadt Rostock. 2017 wurden Unternehmen, Institutionen, Vereine, Netzwerke oder Personen gesucht, die sich gegen „Kinderarmut“ in der Stadtgesellschaft engagieren. Den meisten Kindern in Rostock geht es gut – sie werden umsorgt und gefördert. Von Chancengleichheit aller Kinder kann dennoch nicht die Rede sein, denn über Entwicklungs- und Bildungschancen entscheiden oftmals Herkunft und Geldbeutel der Eltern.  Die Richard-Siegmann-Medaille 2017 erhält der „Fischkutter: Jugend- und Begegnungsstätte e.V.“. Die soziale Benachteiligung von Kindern war bereits 1996 Anlass zur Gründung des Vereins mit Sitz in Rostock-Toitenwinkel. Seitdem ist der Fischkutter mit seinem vielfältigen Angebot ein Ort der Begegnung für viele junge Menschen. Individuelles und soziales Lernen sollen dabei gleichermaßen gefördert werden. Das Angebot der offenen Kinder- und Jugendarbeit wird seit dem Jahr 2006 durch ein Mittagessenangebot für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 16 Jahren aus dem Stadtteil Toitenwinkel ergänzt.  „Keine andere gesellschaftliche Gruppe ist so stark von Armut betroffen wie Kinder und Jugendliche. Neben der materiellen Armut ist es auch häufig eine Armut an Aufmerksamkeit, die ihnen in ihren Familien zuteil wird.

Der Fischkutter setzt genau hier an und hilft, die Lebenssituation dieser Kinder und Jugendlichen zu verbessern und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben“, betonte Dr. Viola von Oeynhausen, Vorsitzende des Kuratoriums der Richard-Siegmann-Stiftung, bei der Medaillenvergabe. Neben der mit 3000 Euro dotierten Richard-Siegmann-Medaille vergab die Stiftung zwei Förderpreise. Der erste Förderpreis geht an das Projekt „Musikali“ vom Rotary Club Rostock Horizonte. Das Projekt zur musikalischen Frühförderung von Kindern im Vorschulalter wurde 2008 ins Leben gerufen, um musikalische Bildung und Freude am Umgang mit Musik und Musikinstrumenten auch Kindern aus Problem- oder Brennpunktvierteln zu ermöglichen.

Den zweiten Förderpreis erhält der Malteser Hilfsdienst e.V. Rostock für sein Projekt „Balu und Du“. Das ehrenamtliche Mentorenprogramm fördert besonders unterstützungsbedürftige Grundschulkinder im Alter von sechs bis zehn Jahren im außerschulischen Bereich und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu mehr Chancengleichheit. Junge, engagierte Menschen im Alter zwischen 18-30 Jahren übernehmen mindestens ein Jahr lang eine individuelle Patenschaft für ein Kind. Die Preisverleihung fand in Verbundenheit zu den ehemaligen Preisträgern der Richard-Siegmann-Medaille im Stadtteil- und Begegnungszentrum Toitenwinkel statt. Das Grußwort hielt die Ministerin für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Frau Stefanie Drese.

Mehr Frauen in Führungspositionen – Unternehmen wirken beispielgebend

Ute Römer, Foto: Joachim Kloock

Ute Römer, Foto: Joachim Kloock

Als einer von deutschlandweit zehn Standorten hatte die Hansestadt Rostock 2011 den Zuschlag für das Programm „Mehr Frauen in Führungspositionen – Regionale Bündnisse für Chancengleichheit“ erhalten. Unter insgesamt 49 Bewerbungen überzeugte das Rostocker Konzept die Fachjury des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft, Berlin. Am 29. September 2015 endet nun das Programm in der Hansestadt Rostock. Es hatte sich dem Ziel gewidmet, Wirtschaftsunternehmen zu gewinnen, die sich beteiligen und im regionalen Bündnis für Chancengleichheit mitwirken.  Seit 2012 haben 27 Wirtschaftsunternehmen und wirtschaftsnahe Institutionen, Verbände und Vereine eine gemeinsame Rostocker Erklärung unterschrieben und damit bekundet, dass sie am Thema „Mehr Frauen in Führungspositionen“ mitwirken wollen, um beispielgebend andere Unternehmen in der Region zu sensibilisieren. Auf der Abschlussveranstaltung am 29. September 2015 wird Senator Steffen Bockhahn ab 13 Uhr die Gäste im Festsaal des Rostocker Rathauses begrüßen. Das Grußwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hält Dr. Birgit Gabler, Leiterin der Leitstelle für Frauen und Gleichstellung des Ministeriums Arbeit, Gleichstellung und Soziales. Vier Unternehmen werden beispielgebend berichten, wie sie mit der Thematik im eigenen Unternehmen umgehen. Es geht um mehr als eine reine Stellenneubesetzung, um das Händeln der Arbeit in einer Führungsposition mit top-ausgebildeten Frauen, um die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben, das heißt um flexible Arbeitszeitmodelle sowie familienfreundliche Maßnahmen in den Unternehmen. Darüber hinaus geht es auch um das Halten von Führungspersönlichkeiten.

Ute Römer, Vorstand von der Rostocker Stadtwerke AG; Stefanie Lück, Personalleiterin EURAWASSER Nord GmbH; Jochen Bruhn,Vorstand Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und Konsul Axel Erdmann geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Ferdinand Schultz Nachfolger informieren über ihre Unternehmenskonzepte in einer Podiumsdiskussion, die von Claudia Kajatin, Geschäftsführerin des Landesfrauenrates moderiert wird. Jessica Gedamu von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin referiert über die Ergebnisse Benchmark der Regionalen Bündnisse. Das Hauptreferat zur Thematik „Von der Kunst, Kariere zu machen – Frauen in Führungspositionen“ hält die Politikwissenschaftlerin Dr. Cathleen Kiefert-Demuth. Schülerinnen des Käthe-Kollwitz Gymnasium begleiten die Veranstaltung kulturell. Das regionale Bündnis für Chancengleichheit hat in Rostock durch die unterschiedliche Veranstaltungen immer wieder auf das Thema aufmerksam gemacht. Gute Best Practice – Beispiele aus der Wirtschaft wurden unter anderem auch in den Medien präsentiert, immer mit der Zielstellung, den Wirtschaftsstandort Rostock für hochqualifizierte Frauen attraktiver zu machen, um auch gerade der Abwanderung dieser Zielgruppe möglichst entgegen zu wirken.  Die Veranstaltungsreihe „Frauensalon“ entwickelte sich. Hier wurden Kleinstunternehmerinnen vorgestellt, wie zum Beispiel Carmen Hamann von der buch…bar, Petra Schön von BodyStreet,  Gerda Lüdecke von immergrünes Catering, Uta Storre von Cafe Liebreiz und Ursula Köchling-Wibelitz, Birgit Erdmann und Arica Koppe vom Autohaus Ferdinand Schultz Nachfolger.

Der nächste Frauensalon wird am 22. Oktober 2015 bei der Unternehmerin Birgit Schrenk, Garten-Ideen-Gartengestaltung und Gartenplanung durchgeführt. Trotz der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Grundgesetzes, des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, des Bundesgremienbesetzungsgesetzes und der bereits im Juli 2001 abgeschlossenen Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft beträgt der Anteil der Frauen zum Beispiel in Aufsichtsräten in großen Unternehmen nur rund zehn bis 15 Prozent. In den Vorständen der Top 200 der deutschen Unternehmen sind nur knapp über drei Prozent weibliche Mitglieder zu verzeichnen. Frauen in Führungspositionen in den Unternehmen sind gesamt deutschlandweit  zu 28 Prozent vertreten. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es etwas besser aus, der Frauenanteil in Führungspositionen beträgt nach den IAB- Betriebspanel MV im Top-Management 31 Prozent. Dies sind aber zu 60 Prozent Unternehmen ohne Erwerbszweck, wie zum Beispiel die Tourismusbetriebe, die Dienstleistungsfirmen, hier vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, sowie die Bereiche Erziehung und Unterricht. Vor allem sind in Mecklenburg – Vorpommern aber „Kleinst- und Mittelständische Unternehmen“ zu finden. Das Regionale Bündnis für Chancengleichheit der Hansestadt Rostock wird auch in den nächsten Jahren weiter zum Thema „Mehr Frauen in Führungspositionen“ arbeiten, denn es gibt hier derzeitig die bestausgebildete Frauengeneration, zum Teil schon gute Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Privatleben für Frauen und Männer, wie zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle und eine familienfreundliche Personalpolitik, sowie gute Kinderbetreuungsangebote. Daher wird die Wirtschaft zukünftig nicht auf das Potential verzichten können, denn es ist ein wichtiges Anliegen, das Know-how hochqualifizierter Frauen langfristig verstärkt in Rostock zum Einsatz zu bringen.