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Immaterielles Kulturerbe: Vorschläge für bundesweites Verzeichnis liegen vor

Unsere Kultur, Bräuche und das Handwerk prägen unser Land Mecklenburg-Vorpommern 

Das Nutzen der Zeesboote in der Boddenlandschaft, das Bemalen der Holztüren auf dem Darß und das Mecklenburger Alphorn sind im dritten Bewerbungszyklus als Vorschläge für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur eingegangen. Insgesamt liegen sieben Anträge vor. Bis zum 15. April 2018 müssen die Länder eine Vorauswahl treffen und die Vorschläge an die Kultusministerkonferenz (KMK) übermitteln. Die Vorauswahl trifft in Mecklenburg-Vorpommern der Landeskulturrat. „Unsere Kultur, Bräuche und traditionelles Handwerk prägen unser Land und sind sehr vielfältig. Darauf dürfen wir durchaus stolz sein“, betonte Kulturministerin Birgit Hesse. „Ich danke allen Initiativen, Vereinen und Verbänden, die sich am dritten Bewerbungszyklus für das Immaterielle Kulturerbe beteiligt haben. Ich würde mich freuen, wenn sich die Anträge im Expertenkomitee der Kultusministerkonferenz durchsetzen. Zunächst müssen die Mitglieder des Landeskulturrates eine Vorauswahl treffen. Ich wünsche dabei eine glückliche Hand“, sagte Hesse. Dies sei keine einfache Aufgabe.

Die Bundesländer dürfen jeweils vier Vorschläge unterbreiten. Dazu kommen vier weitere Vorschläge, die für den Fall greifen, dass andere Bundesländer ihr Kontingent nicht ausschöpfen. Die Vorschläge der Länder werden dann von dem durch die Deutsche UNESCO-Kommission einberufenen Expertenkomitee evaluiert. Die Kultusministerkonferenz und die Bundesregierung treffen eine abschließende Entscheidung über die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes Ende 2018. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen regional verankerte Bräuche, Rituale, Feste, Lieder, Musiktraditionen, Theater und Tänze, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken und Handwerkstraditionen. Beim ersten Bewerbungsverfahren im Dezember 2014 wurden das Reetdachdecker-Handwerk und das Malchower Volksfest in das bundesweite Verzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen. Im zweiten Bewerbungszyklus folgten 2016 das Barther Kinderfest und das Darßer Tonnenabschlagen.

Im Einzelnen sind folgende Vorschläge eingegangen

Die Bewahrung und Nutzung der Zeesboote in der Boddenlandschaft von Mecklenburg-Vorpommern

Zeesboote sind unvergleichliche Zeugen einer vergangenen Fischereitradition. Diese Tradition hat ihren Ursprung im Mittelalter. Spätestens um 1800 wurden die bis dahin gebräuchlichen Zeeskähne durch die kleineren, etwa 12 Meter langen, zweimastigen Zeesboote abgelöst.

Bemalte Holztüren auf dem Darß

Die abgeschiedene Insellage von Fischland-Darß-Zingst und der sehr hohe Anteil der seemännischen Bevölkerung haben die Herausbildung und Entwicklung einer eigenen Bau- und Wohnkultur begünstigt. Die kunsthandwerkliche Fertigung von Haustüren, die mit Schnitzereien verziert sind, hat auf der Halbinsel Darß eine lange Tradition.

Stralsunder Wallensteintage

Die Wallensteintage in der Hansestadt Stralsund sind ein jährlich über mehrere Tage stattfindendes historisches Volksfest. An vier Tagen im Juli wird der Abwehr der Belagerung der Hansestadt Stralsund durch den kaiserlichen Feldherrn Wallenstein und seine Truppen im Jahr 1628 gedacht.

Brauchtum des Martensmannes

Seit Jahrhunderten hat sich die Tradition bewahrt, dass die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin alljährlich am Martinstag aus Lübeck ein Fass Rotwein (145,5 Liter) erhielten. Die Fahrt erfolgte nach einem festen Fahr- und Zeitplan von Lübeck über Schönberg und Rehna bis in die fürstliche Residenz nach Schwerin.

Feldziegelei, Meilerbrand, Ziegelei-Handwerk

Mecklenburg-Vorpommern ist ein Backsteinland, die roten Ziegel prägen Städte und Dörfer. Darunter sind großartige Bauwerke, die schon hunderte von Jahren überstanden haben. Die Kunst des Ziegelbrennens kam um 1250 mit den Mönchen aus der Lombardei nach Norddeutschland, es entstanden die ersten Klöster und Kirchen aus Backstein. Die Kunst des Ziegelmachens ist aber sehr viel älter und führt zurück in die Anfänge menschlicher Zivilisation.

Das Spiel auf der diatonischen Handharmonika

Das Spiel auf der diatonischen Handharmonika gehört seit den 1860er Jahren zu den stilprägenden Praktiken in der Ausübung instrumentaler Volksmusik in Mecklenburg und Vorpommern. Die Bezeichnungen der diatonischen Handharmonika sind „Treckfiedel“, „Ziehharmonika“, „Harmonika“ oder nur „Monika“, „diatonisches Knopfakkordeon“, „Quetschkommode“ oder nur „Quetsche“. Das relativ kleine Instrument eroberte schnell die Tanzsäle der Dörfer und bildete den musikalischen Hintergrund gemeinschaftlicher Unterhaltung.

„Das Mecklenburger Alphorn“, Erhalt Mecklenburgischer Naturtonmusik mit heimischen Alphörnern

Das Mecklenburger Alphorn ist einmalig: 1820 erlebte Fritz Reuter als Kind das Mecklenburger Alphorn in Stavenhagen und hat es 1865 in „Meine Vaterstadt Stavenhagen“ in hochdeutsch genau beschrieben. Die Alphorngemeinschaft in Witzin hat dieses Horn originalgetreu nachgebaut, eine Gruppe und ein Orchester für Alphornbläser in Mecklenburg gegründet, Geschichtsforschung zum Alphorn in Mecklenburg-Vorpommern betrieben, die traditionelle Bauweise und die Tonlagen (Musik) wurden extra  dafür entwickelt, aufgearbeitet und  werden gepflegt.

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Aufruf: Vorschläge für das Immaterielle Kulturerbe einreichen

Zweiter Bewerbungszyklus zur Aufnahme in bundesweites Verzeichnis läuft

Kunsthandwerk, Foto: Joachim KloockKindertag Zoo Rostock 1. 6. 2013, Foto: Joachim KloockOstern im Zoo Rostock, Foto: Joachim Kloock20.3.2015 – Kulturminister Mathias Brodkorb ruft dazu auf, Vorschläge für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zu machen. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen regional verankerte Bräuche, Rituale, Feste, Lieder, Musiktraditionen, Theater und Tänze, Wissen und Praktiken sowie traditionelle Handwerkstechniken und Handwerkstraditionen. „Das Reetdachdecker-Handwerk und das Malchower Volksfest sind im vergangenen Jahr in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen worden. Dies ist ein großer Erfolg für das Kulturland Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Kulturminister Mathias Brodkorb. „Vereine, Institutionen und Kommunen können sich im zweiten Bewerbungszyklus um die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes bewerben“, erläuterte Brodkorb. Die Erstellung eines bundesweiten Verzeichnisses des Immateriellen Kulturerbes ist ein mehrstufiges Verfahren, an dem die Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche UNESCO-Kommission beteiligt sind. Nach dem ersten Zyklus 2013/2014 hat im März 2015 die zweite Vorschlagsrunde begonnen. Bis zum 30. Oktober 2015 können Gemeinschaften, Gruppen und Einzelpersonen, die eine kulturelle Ausdrucksform im Sinne des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes praktizieren, auch in Mecklenburg-Vorpommern einen Antrag zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis stellen. „Das Kultur- und Naturerbe der UNESCO mit den Altstädten in Stralsund und Wismar, den Buchenwäldern der Nationalpark Jasmund und dem Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark sowie das Immaterielle Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern verleihen dem Land eine besondere universelle Note und eine außerordentliche Attraktivität für Einheimische und Besucher“, betonte Minister Brodkorb. Dies gelte es nachhaltig zu sichern.

Auskünfte zum Antragsverfahren: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung 4 (Kulturabteilung), Telefon: 0385-588-7041, E-Mail: poststelle@bm.mv-regierung.de.

Reetdachdecker-Handwerk und Malchower Volksfest werden in das bundesdeutsche Verzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen

Großer Erfolg für das Kulturland Mecklenburg-Vorpommern

Reetdachhaus im Achterland, Foto www.usedom.de12.12.2014 – Kulturminister Mathias Brodkorb freut sich über die Aufnahme des Reetdachdecker-Handwerks und des Malchower Volksfestes in das bundesdeutsche Verzeichnis für das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO. „Dies ist ein großer Erfolg für das Kulturland Mecklenburg-Vorpommern. Ich gratuliere der Reetdachdecker-Innung Mecklenburg-Vorpommern in Stavenhagen und der Handwerkskammer Schwerin zu ihrer erfolgreichen Bewerbung“, sagte Kulturminister Mathias Brodkorb. „Ebenso beglückwünsche ich die Malchower Stadtverwaltung zu dem großen Erfolg. Das Eindecken von Dächern mit Reet ist eine der ältesten Techniken beim Hausbau. Die ersten nachgewiesenen Reetdächer gab es bereits um 4000 v. Chr.“, erläuterte Brodkorb. Das Malchower Volksfest habe als Fest der Bürger für Bürger und aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner Bürgerbeteiligung gepunktet. Erfolg hatten zudem die länderübergreifenden Anträge „Niederdeutsches Theater“ sowie „Köhlerhandwerk und Teerschwelerei“. Beide Anträge wurden durch das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Eine Entscheidung über den Antrag „Geistliche Konzerte im Ludwigslust des 18. Jahrhunderts“ zur Aufnahme in ein Register guter Praxisbeispiele wurde auf das Frühjahr 2015 vertagt. Unter „Immateriellem Kulturerbe“ sind Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Voraussichtlich im Frühjahr 2015 wird eine zweite Vorschlagsrunde starten. Der Beginn des Bewerbungsverfahrens ist für den März 2015 vorgesehen. Die genauen Antragsmodalitäten werden rechtzeitig bekannt gemacht. „Ich kann alle Vereine, Institutionen und auch Einzelpersonen bei uns im Land ermuntern, eigene Vorschläge einzureichen, um damit dem Immateriellen Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern Ausdruck zu verleihen“, sagte Minister Brodkorb.

Vorschläge für das Immaterielle Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern

Grafik: Pressestelle BM M-VSchwerin 24.7.2013 – Kultureinrichtungen, Gruppen, Vereine und andere Gemeinschaften können Vorschläge für die Nominierung zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO machen. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen beispielsweise regional verankerte Bräuche, Rituale, Feste, Lieder, Musiktraditionen, Theater und Tänze, Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum sowie traditionelle Handwerkstechniken und Handwerkstraditionen. In Deutschland ist die UNESCO-Konvention zum Immateriellen Kulturerbe am 9. Juli 2013 in Kraft getreten. Schrittweise soll ein Verzeichnis des hierzulande gepflegten immateriellen Kulturerbes erstellt werden. Geplant ist, dass das bundesweite Verzeichnis von Jahr zu Jahr wächst und langfristig die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar macht. Das Immaterielle Kulturerbe tritt neben das Kultur- und Naturerbe der UNESCO sowie das Weltdokumentenerbe. Vorschläge können bis zum 30. November 2013 beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingereicht werden. Über die Einreichung von Vorschlägen aus Mecklenburg-Vorpommern bei der Kultusministerkonferenz entscheidet der Landeskulturrat bis zum 15. April 2014. Weitere Informationen und Kontakt für Bewerbungen: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Abteilung 4, Dr. Karl-Reinhard Titzck, Werderstr. 124, 19055 Schwerin, Tel.: 0385 -588-7440, E-Mail: K.Titzck@bm.mv-regierung.de