Archäologie

Neue ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in Mecklenburg-Vorpommern

Der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Sebastian Schröder, hat heute 16 neue ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerinnen und Bodendenkmalpfleger ernannt. Auf der Regionaltagung Westmecklenburg im Zeughaus in Wismar überreichte der Staatssekretär die entsprechenden Ausweise.

Ausgerichtet wurde die Tagung von der Archäologischen Gesellschaft, vom Landesverband für Unterwasserarchäologie und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten rund 320 ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerinnen und Bodendenkmalpfleger. Bevor sie diese Tätigkeit ausüben dürfen, müssen sie entsprechende Lehrgänge absolvieren.

„Der Schutz unseres Kulturgutes ist nur möglich, wenn die gute Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt weitergeführt wird und die Fundmeldungen im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege eingehen“, sagte Staatssekretär Schröder. „Ich bin mir sicher, dass Sie sich dieser besonderen Rolle ganz bewusst sind. Daher danke ich Ihnen für die hervorragende Zusammenarbeit.“

Außerdem informierte Staatssekretär Schröder auf der Tagung über die Umsetzung des „Standortentwicklungskonzeptes Stellingstraße“ in Schwerin. Dort sollen Werkstätten und Depots gebaut werden, in denen die archäologischen Funde künftig auf dem mordernsten Stand der Technik aufbereitet und sicher gelagert werden. Zugleich soll es dort gute Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Werkstätten geben.

Für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung dieser Neubauten wurden in Schwerin Süd vorübergehend Werkstätten und Depots geschaffen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Auflösung insbesondere der provisorischen Außendepots erfüllt. „Mitte September habe ich das Depot in Schwerin Süd besucht und mich davon überzeugt, dass dort eine gute Zwischenlösung für die archäologischen Funde geschaffen werden konnte“, so Staatssekretär Schröder. „Die bisher bearbeiteten und dekontaminierten Funde lagern dort, soweit es notwendig ist, auf Paletten und sind bereits so geordnet, dass sie nach der Fertigstellung des Depotneubaus unmittelbar übernommen werden können.“

Pressemitteilung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 16. 11. 2012

Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Begleiten sie uns auf den Grund der Küsten- und Binnengewässer Mecklenburg-Vorpommerns. Dieser spannende Naturraum entstand vor über 10.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Seither geben die permanenten Umgestaltungsprozesse den Forschern spannende Einblicke in die Schöpfungsgeschichte Der steigende Wasserspiegel in der Ostsee und den Binnengewässern überflutete bereits vor Jahrtausenden Ufersiedlungen. Kriege oder kriegerische Auseinandersetzungen, Unfälle und Stürme schickten tausende Schiffe auf den Meeresgrund. So entstand ein riesiges Archiv der Siedlungs- und Seefahrtsgeschichte, das es zu lesen gilt.

Derzeit bilden allein die fast 1.500 bestätigten Schiffswracks und die zahlreichen versunkenen Siedlungsplätze an den Küsten sowie in den Flüssen und Seen eine gewaltige Herausforderung für die Gemeinde der Forscher und Denkmalschützer.
Wir unterstützen daher das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sowie andere öffentliche Einrichtungen bei der Sicherung und Erforschung dieses bedeutenden Archivs durch unsere Infrastruktur und die Arbeit unserer Mitglieder. Dabei verfolgen wir folgende Ziele:

  • Den Schutz der Unterwasserdenkmale
  • Die Erforschug der Unterwasserdenkmale
  • Information der Öffentlichkeit
  • Aus- und Weiterbildung unserer Mitglieder und interessierter Taucher

Mehr Informationen unter www.uwa-mv.de.

Kulturgut unter Wasser. Der Landesverband für Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit der längsten Küste. Aufgrund der zahlreichen Randgewässer der Ostsee, die als Bodden, Sunde und Wieken bezeichnet werden, beträgt die Küstenlänge ca. 1712 km. Daneben sind 5,4 Prozent der Landesfläche mit Binnengewässern bedeckt. Diese Zahlen weisen auf ein reiches Betätigungsfeld für die Unterwasserarchäologie hin. Zieht man Baggerfunde aus den größeren Flüssen in die Betrachtung mit ein, streuen die submarinen Funde vom ausgehenden Spätpaläolithikum bis hin zu modernen Schiffswracks, die nach dem II. Weltkrieg gesunken sind. Der Schutz und die Bewahrung der zahlreichen Fundstellen wäre ohne die Hilfe ehrenamtlich engagierter Personen und Institutionen kaum zu leisten. Für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gelten in der Unterwasserarchäologie besondere Bedingungen. Bis zum Herbst 1989 waren nur vereinzelte marinearchäologische Untersuchungen möglich. Die gesamte Küste der DDR galt als Grenzbereich und damit als Sperrzone. Dadurch waren viele Fundplätze unberührt. Aber noch vor der politischen Wende von 1989/90 rückten die submarinen Fundstellen in das Visier archäologisch interessierter Personen. So gründete sich 1982 auf der Insel Rügen eine „Interessengruppe Meeresarchäologie“. Unter erschwerten Bedingungen wurden ab 1987 erste Wracks betaucht und dokumentiert. Nach der Wende ging aus der Interessengemeinschaft u. a. der „Verein für Unterwasserarchäologie Vorpommern e.V.“ hervor,“ der 1994 den „Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern“ als Dachorganisation mit begründete.

Dem „Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern“ gehören zur Zeit ca. 50 aktive Mitglieder aus verschiedenen Berufen an, die alle als Sport-, Forschungs- oder Berufstaucher ausgebildet sind. In Abstimmung mit dem „Amt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern“ führen die Taucher des Vereins unterwasserarchäologische Untersuchungen durch. An konkreten Tätigkeiten sind das zunächst die Prospektion archäologischer Objekte in den Binnen- und Küstengewässern des Landes Mecklenburg-Vorpommern und die Untersuchung und Langzeitbeobachtung ausgewählter Fundstellen. Auch hier gilt, wie es gesetzlich seit 1993 geregelt ist, dass der Schutz und die Bewahrung von archäologischen Fundstellen oberste Priorität hat. In den Fällen, in denen eine archäologische Ausgrabung oder Fundbergung notwendig ist, unterstützen die Taucher des Landesverbandes mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit das Amt für Kultur und Denkmalpflege. Das Ziel des Landesverbandes ist die systematische Erforschung der Gewässer zur Erstellung einer Kartei aller an den Küsten und in den Binnengewässern Mecklenburg-Vorpommerns liegenden Wracks und sonstigen Fundstellen. Die Informationen werden im Amt für Kultur und Denkmalpflege gesammelt und ausgewertet. Mitglieder des Landesverbandes sind auch an der wissenschaftlichen Auswertung der submarinen Funde und Befunde beteiligt. So entstanden bereits mehrere Dissertationen und Magisterarbeiten auf der Basis der durch den Landesverband untersuchten Funde und Befunde. Die mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbundene ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder des Landesverbandes für Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern e.V. zur Erhaltung und Erschließung des einzigartigen kulturgeschichtlichen Archivs in der Ostsee und den Binnengewässern Mecklenburg-Vorpommerns wurde 2008 mit der Verleihung der „Silbernen Halbkugel“ durch das Nationalkomitee für Denkmalschutz in Leipzig gewürdigt.

Taucher im Einsatz

Die Tätigkeit des Landesverbandes erstreckt sich über fast alle Phasen der Ur- und Frühgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. So unterstützten Mitglieder des Vereins die Untersuchung submariner mesolithischer Siedlungsplätze in der Wismarer Bucht und in den Gewässern um Rügen genauso wie die Aufnahme slawischer Brückenanlagen in den Binnengewässern des Landes. 1997 und 1999 waren Taucher des Vereins an der Bergung zweier mittelalter Koggenwracks aus dem 14. Jahrhundert beteiligt, darunter das bekannte Gellenwrack, das vor der Insel Hiddensee entdeckt worden war (und das auf der EXPO 2000 das Land Mecklenburg-Vorpommern repräsentierte). Eine im Jahre 2000 vor Prerow geortete Kogge, die ebenfalls in das 14. Jahrhundert datiert, wurde nach partiellen Ausgrabungen mit Sand und speziellen Folien abgedeckt, um das Wrack in situ zu erhalten. Diese Fundstelle wird jährlich kontrolliert. Zu den Besonderheiten in den vorpommerschen Gewässern gehört auch das Wrack eines vermutlich 1565 vor Mukran gesunkenen dänischen oder lübischen Kriegsschiffes, aus dem verschiedene Sorten Munition sowie vier Kanonen abgeborgen worden sind. Interessant ist auch das Wrack der dänischen Fregatte „Mynden“, die 1718 vor dem Kap Arkona auf ein Kreideriff lief und heute in 12 m Tiefe ruht. Gegenwärtig unterstützt der Landesverband zusammen mit dem Amt für Kultur und Denkmalpflege und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald die Erforschung bronzezeitlicher Fundstellen im Tollensetal nördlich von Altentreptow, wo seit 1996 immer wieder Knochen menschlicher Individuen zum Vorschein kommen, die mittels der C14-Methode in die Zeit von ca. 1300 calBC datiert, also in die Zeit der nordischen Bronzezeitperioden II-III.

www.uwa-mv.de

Das Sincos-Projekt

Zwischen 2002 und 2009 unterstützte der Landesverband die Forschergruppe „Sincos“ (Sinking Coasts) auf Rügen und in der Wismarbucht. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Arbeiten untersuchten die geologischen und klimatischen Veränderungen der letzten 8.000 Jahre. Den unterwasserachäologischen Schwerpunkt bildeten verschiedene Untersuchungen in der Wismarbucht. Vor 8.000 Jahren führte dort eine fjordartige Bucht zu den weit vor der heutigen Küste liegenden Ufern der sich damals bildenden Ostsee. Der steigende Meeresspiegel forderte von den Menschen in den folgenden 2.500 Jahren permanent neue Anpassungsstrategien, die sich in einer Kette von Siedlungsplätzen auf dem Meeresboden archivierten und die es heute zu entschlüsseln gilt.

Die bisher untersuchten und zum Teil neu entdeckten steinzeitlichen Fundstellen befinden sich entlang der gesamten Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Dazu gehören Stationen im Greifswalder Bodden, vor der Nordwestküste Rügens, vor Zingst und dem Darß und vor Kühlungsborn. Ein besonderer Schwerpunkt der Forschungen liegt in der Wismarbucht, wo bisher insgesamt siebzehn neue steinzeitliche Fundstellen mit sehr unterschiedlichen Erhaltungsbedingungen entdeckt werden konnten.

Mit freundlicher Genehmigung http://www.uwa-mv.de.

Stufenplan für die Sicherung der archäologischen Funde im Land

Bildungsminister Mathias Brodkorb hat im Landtag erneut für eine schrittweise Umsetzung bei der Aufbereitung, wissenschaftlichen Dokumentation und öffentlichen Präsentation der archäologischen Funde plädiert. Ziel ist, einen langfristigen Stufenplan zur Sicherung des archäologischen Kulturgutes so zu gestalten, dass er auch tatsächlich realisiert werden kann. „Der Bau eines Archäologischen Landesmuseums in Mecklenburg-Vorpommern steht zwar auf der Agenda“, sagte Minister Brodkorb. „Die Dokumentation, Aufbereitung der Funde und die damit verbundene Sicherung der personellen Ausstattung sind jedoch zwingend vorzuschaltende Schritte ganz in dem Sinne: Das Wichtigste zuerst.“In Schwerin sollen Werkstätten und Depots gebaut werden, in denen die archäologischen Funde auf dem mordernsten Stand der Technik aufbereitet und sicher gelagert werden können. So sieht es das Standortentwicklungskonzept aus dem Jahr 2007 vor. Die Depots und Werkstätten werden dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und dem Staatlichen Museum Schwerin zur Verfügung stehen. Ein Architektenwettbewerb zu diesem Bauvorhaben wurde im März dieses Jahres ausgelobt. Die Sitzung des Preisgerichts findet vom 5. bis zum 7. September 2012 statt. „Die kulturelle Meile von der Landesbibliothek über das Stadtarchiv, das Landesarchiv, das Mecklenburgische Staatstheater, das Schweriner Schloss, das Galeriegebäude bis hin zum Lithografienhaus wird dann eine wichtige Ergänzung erfahren“, so Minister Brodkorb.Für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung dieser Gebäude wurde in Schwerin Süd vorübergehend ein Ort für die zentrale Unterbringung der Werkstätten und Depots geschaffen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Auflösung der provisorischen Außendepots geschaffen, die bislang im gesamten Land verteilt waren. Auch die seit 1992 unsachgemäße Lagerung der Kulturgüter in den Bunkern in Wiligrad ist gelöst. Die zur Dekontaminierung und Bergung dieser Funde aufgestellten Werkstattcontainer werden nur noch bis zum Herbst im Schlosspark Wiligrad stehen. Sie dienten zugleich mehrere Monate der Vorbereitung des Transports in das zentrale Zwischenlager in Schwerin Süd. Diese Arbeiten sollen im November 2012 beendet sein.“Bis zu einem Bau eines eigenen Archäologischen Landesmuseums sollen vor allem die inhaltlichen und touristischen Potentiale des Archäologischen Freilichtmuseums Groß Raden weiter entwickelt werden“, erläuterte Minister Brodkorb im Landtag.
Pressemitteilung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 30. 8. 2012

25 Jahre Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden

Der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Sebastian Schröder, gratulierte dem Freilichtmuseum Groß Raden zum Jubiläum. „Das Museum ist ein bedeutender historischer Ort für alle, die sich mit der Landesgeschichte auseinandersetzen wollen“, sagte Schröder bei einem Besuch eines Kolloquiums in Groß Raden. „Das Museum hat sich zu einem beliebten touristischen Ausflugsziel entwickelt und ist über die Autobahn gut erreichbar.“

Außerdem lobte Schröder die Arbeit und das Engagement von Archäologen und Bodendenkmalpflegern. „In vorbildlicher Weise arbeiten haupt- und ehrenamtliche Kräfte Hand in Hand.“ Der Staatssekretär berichtete den Tagungs-teilnehmern weiterhin über die Anstrengungen der Landesregierung im Bereich der Archäologie und Bodendenkmalpflege. „Vorrangiges Ziel hat die Dekontaminierung der archäologischen Funde in Wiligrad. Darüber hinaus arbeitet die Landesregierung mit Hochdruck an der Umsetzung des Standortentwicklungskonzeptes Stellingstraße Schwerin“, so Schröder.

In Schwerin sollen Werkstätten und Depots gebaut werden, wo die archäologischen Funde künftig aufbereitet und sicher gelagert werden können. Dort werden sich die Arbeitsbedingungen der Restauratoren verbessern. Ein Architektenwettbewerb zu diesem Bauvorhaben wurde im März dieses Jahres ausgelobt. Das Vorhaben umfasst einen Finanzierungsumfang von 50 Millionen Euro.

Staatssekretär Schröder warb bei den Tagungsteilnehmern um Verständnis, dass es derzeit keine konkreten Planungen für den Bau eines Archäologischen Landesmuseums geben könne.

Pressemitteilung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 11. 5. 2012

Veröffentlicht 16. August 2012 von Martina Wichor