Forschung

Bauchspeicheldrüsenkrebs – Das Risiko schon vor Ausbruch der Krankheit erkennen

Greifswalder und Rostocker Wissenschaftler wollen den ersten Gentest für die Pankreatitis und das Pankreaskarzinom entwickeln

Gemeinsam mit Rostocker Wissenschaftlern wollen Prof. Markus M. Lerch (re.) und Dr. Ulrich Weiss die ... Fotos: UMG/Manuela Janke         13.12.2013 – Mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums MV und der EU arbeiten jetzt Greifswalder und Rostocker Wissenschaftler unter Hochdruck daran, einen ersten genetischen Risikotest für die Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) und den seltenen, aber sehr gefährlichen Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) zu entwickeln, informierte heute der Direktor der Inneren Medizin A an der Universitätsmedizin, Prof. Markus M. Lerch.  Partner bei dem Forschungsvorhaben sind das Albrecht-Kossel-Institut der Universitätsmedizin Rostock (Prof. Arndt Rolfs) sowie die auf Gen-Diagnostik spezialisierte Biotechnologiefirma Centogene AG in Rostock. Das Gesamtprojektvolumen beläuft sich auf 2,2 Millionen Euro. Davon erhalten die Universitätsmedizin Greifswald 600.000 Euro und die Universitätsmedizin Rostock 465.000 Euro. Es handelt sich um ein EU-Verbundforschungsprojekt des Landes, das aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wird. Im Rahmen des Forschungsvorhabens mit einer Laufzeit bis Ende 2014 sollen Biomarker für die akute und chronische Pankreatitis sowie das Pankreaskarzinom identifiziert und dafür entsprechende diagnostische Tests für Patienten entwickelt werden.

Schwierige Diagnostik, unklare Ursachen

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung und der Bauchspeicheldrüsenkrebs werden oftmals erst spät oder zu spät festgestellt. Die schwierige Diagnostik zieht sich bei unklaren Beschwerden meistens über Jahre hin. An einer Pankreatitis erkranken jedes Jahr in Deutschland etwa 64 von 100.000 Einwohnern, etwa 50.000 bis 60.000 Patienten. Bei manchen Patienten entwickelt sich aus der chronischen Entzündung eine Tumorerkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 15 von 100.000 Menschen, das sind etwa 12.000 Patienten an dieser Krebsart mit einer immer noch sehr hohen Sterberate. Unter der schmerzhaften Pankreatitis und auch am Krebs leiden mehr Männer als Frauen. Alkoholmissbrauch und das Rauchen sind die größten Risikofaktoren für die Pankreatitis. „Dennoch kommt es häufig vor, dass vollkommen gesund lebende Menschen an der Bauchspeicheldrüse erkranken. Somit spielen offensichtlich auch nicht beeinflussbare genetische Faktoren als Auslöser eine Rolle“, sagte Dr. Ulrich Weiss, einer der Projektleiter aus Greifswald. „Es ist unsere Aufgabe, diese genetisch bedingten Ursachen herauszufinden. Basis dafür sind ca. 1.000 Patienten der Unimedizin Greifswald, die in den letzten Jahren an einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung behandelt wurden“ erklärte Prof. Markus M. Lerch.

Genetische Auslöser sichtbar machen

Das komplexe Zusammenspiel verschiedener Risiken im Erbmaterial zu untersuchen, erforderte bisher einen beträchtlichen und kostenintensiven Untersuchungsaufwand. Mittels der neuen Analysentechnologien, des sogenannten „Next Generation Sequencing“, können jetzt in einem vertretbaren Zeit- und Kostenrahmen parallel hunderte von Genen oder ganze Genome untersucht und bisher unbekannte Genmutationen identifiziert werden. „Die Rostocker Firma Centogene, ein international tätiges und auf die genetische und biochemische Analyse seltener Erkrankungen spezialisiertes Unternehmen, sowie das Albrecht-Kossel-Institut in Rostock sind Kooperationspartner im Verbundprojekt, die die Next Generation Sequencing-Technologie in der Entwicklung diagnostischer Verfahren bereits einsetzen“, so Prof. Arndt Rolfs, Gründer der Centogene AG und Direktor des Albrecht-Kossel-Instituts. Forschungsergebnisse aus der DNA-Analyse von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sollen zeitnah in die Entwicklung genauer diagnostischer Tests durch die Centogene AG in Rostock einfließen, um so den frühzeitigen und sicheren Nachweis genetischer Krankheitsfaktoren in der klinischen Routine zu ermöglichen. Ärzte, Patienten und betroffene Angehörige können dann durch den Nachweis einer erblichen Veranlagung bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung über die optimalen Therapie- und Vorsorgemaßnahmen entscheiden. „Unser gemeinsames Ziel ist es, einen weitgehend verlässlichen Gentest aus einer einfachen Blutprobe zu etablieren und zeitnah für mögliche Risikopatienten zur Vorsorgeuntersuchung zugänglich zu machen. Das Ergebnis soll dann in drei Tagen vorliegen“, erklärte Lerch abschließend.

Eine halbe Million Euro für Greifswalder Genomforschung

Minister Brodkorb: Land bietet verlässliche Unterstützung der preisgekrönten Arbeit

Foto/Quelle: BM M-V9.12.2013 –  Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert die Preisträger des Norddeutschen Wissenschaftspreises in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 500.000 Euro. Die Förderung ist für das Norddeutsche Zentrum für Mikrobielle Genomforschung bestimmt. Es ist eine gleichberechtigte Kooperation des Proteomzentrums an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald mit dem Genomzentrum Göttingen. Das Greifswalder Forscherteam um den Projektleiter Prof. Dr. Michael Hecker will den sehr gefährlichen Krankenhauskeim „Clostridium difficile“ erforschen, der besonders schwer zu therapieren ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die vorhandenen Wissenslücken zu diesem Erreger schließen, so dass die Medizin für die weitere Verbreitung des Keims mit angemessenen Präventionsstrategien, diagnostischen Methoden und Therapien gewappnet werden kann. „Mit der Höhe der Förderung macht das Land deutlich, wie sehr es die preisgekrönte Arbeit der Greifswalder Forscherinnen und Forscher wertschätzt“, betonte Bildungs- und Wissenschaftsminister Mathias Brodkorb. „Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler greifen in ihrem neuen Projekt eine hochaktuelle Fragestellung auf. Weil sich die Forschung zu diesem Thema noch in den Anfängen befindet, lassen die Untersuchungen auf einen großen Erkenntnisgewinn hoffen. Die Ergebnisse werden uns hoffentlich allen zu Gute kommen“, so Brodkorb. Das Land fördert das Forschungsvorhaben in den Jahren 2014 und 2015 mit jeweils 200.000 Euro. Im Jahr 2016 sind es 100.000 Euro. Die Mikrobielle Genomforschung gehört zu den bedeutenden wissenschaftlichen Vorhaben in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Strukturanalyse der Forschung in Norddeutschland, die durch die fünf Nordländer in Auftrag gegeben wurde, ist sie ein Themenschwerpunkt, in dem Norddeutschland bereits national und international konkurrenzfähige Forschungsleistungen aufzuweisen hat.

Mini-Karpfen und Supermikroskop sorgen für neue Erkenntnisse bei Nierenkrankheiten

Greifswalder Forscher können wichtige Frage klären

Schon mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen – Zebrafischlarven mit Mini-Nierchen für die Untersuchung ... Foto: Hausmann/UMG 6.12.2013Bewegen sie sich, oder nicht? Es geht um die winzigen Füßchenzellen (Podozyten) der Niere, die für rund 70 Prozent aller Fälle von gefährlichem Nierenversagen verantwortlich gemacht werden. Greifswalder Wissenschaftler konnten diese Frage nun klären. Geholfen haben dabei viele kleine Zebrafische und ein von der EU gefördertes Supermikroskop. Die Studienergebnisse* von Prof. Nicole Endlich und ihrem Team wurden heute im Journal of the American Society of Nephrology (JASN) veröffentlicht, der Nummer eins der Fachliteratur auf dem Gebiet der Nierenforschung. Nierenerkrankungen und die hohen Behandlungskosten spielen eine große Rolle in der Gesellschaft. Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter einer chronischen Nierenerkrankung. Die Achillesferse der Niere sind die sogenannten Podozyten oder Füßchenzellen. Diese Zellen sind nach dem derzeitigen Wissensstand unfähig, sich zu erneuern, ähnlich wie Nervenzellen. Eine Schädigung und der Verlust von Podozyten beeinträchtigen deshalb die lebenswichtige Filterfunktion der Niere bis hin zum Organversagen.  Die Podozyten umschließen die Außenseite der Kapillaren, durch deren Wand das Blut in der Niere mittels Filtration gereinigt wird. Sie unterstützen den Filtrationsvorgang, indem sie zwischen ihren Fortsätzen ein molekulares Sieb aufspannen. Bis heute konnte aber die Frage, ob die Podozyten auf den Kapillaren wandern und ihre Fortsätze bewegen, oder ob sie einfach nur regungslos auf den Kapillaren verharren, nicht geklärt werden.

Beobachtungen an der lebenden Zebrafischlarve

Die Klärung des medizinisch relevanten Problems setzt voraus, die Podozyten sowie ihre Fortsätze über viele Stunden im lebenden Organismus beobachten zu können. „Dies ist uns erstmals gelungen“, sagte Prof. Nicole Endlich. Bislang war es Wissenschaftlern nur möglich, die Zellkörper im lebenden Organismus sichtbar zu machen. Die Größe der Zellkörper liegt bei 5 bis 10 Mikrometer. Die Fortsätze sind nicht breiter als ein Mikrometer. „Dazu haben wir zwei Techniken eingesetzt. Zum einen haben wir einen Zebrafisch gezüchtet, dessen Podozyten im Fluoreszenzmikroskop grün leuchten und der keine Pigmentierung besitzt, die den Blick auf die Niere versperren würde. Zum zweiten haben wir ein 2-Photonenmikroskop eingesetzt, mit dem man tiefer als mit einem normalen Mikroskop in das Gewebe eindringen kann. In den lebenden Larven dieser speziell gezüchteten Zebrafische gelang es uns, mit dem 2-Photonenmikroskop die Podozyten und ihre Fortsätze mit einer Auflösung von einem Mikrometer bis zu 23 Stunden zu beobachten. Das Ergebnis war eindeutig. Die Podozyten mitsamt ihrer Fortsätze verharren völlig regungslos auf den Kapillaren.“  „Sesshafte Podozyten garantieren wahrscheinlich eine ungestörte und gute Filtration“, vermutet Prof. Karlhans Endlich, Direktor des Instituts für Anatomie und Zellbiologie an der Universitätsmedizin Greifswald. „Es gibt jedoch deutliche Hinweise, dass geschädigte Podozyten unruhig werden. Sie beginnen, ihre Fortsätze zu bewegen und zu wandern, was zu einer Störung der Filtration führt. Mit den experimentellen Voraussetzungen, die wir nun geschaffen haben, können wir jetzt die Podozyten auch unter Krankheitsbedingungen beobachten.“

Das Ziel der Greifswalder Wissenschaftler ist es, zur Entwicklung von neuen Therapien bei Erkrankungen der Niere beizutragen. Gegenwärtig ist die Diagnose schwierig, die Krankheitsmechanismen sind weitestgehend unklar und wirkungsvolle Medikamente stehen daher kaum zur Verfügung. Klar ist jedoch, bei sehr vielen Nierenerkrankungen verändern sich die Fortsätze der Podozyten. Beim Gesunden sind sie von zarter Struktur und mit den Fortsätzen der benachbarten Podozyten ineinander verschränkt. Bei Erkrankungen werden die Fortsätze breit und die Verschränkung verschwindet. Dies führt zu schweren Störungen der Nierenfunktion. „In Zukunft möchten wir beobachten, wie sich die Fortsätze bei einer Schädigung der Podozyten verändern. Dann können wir Proteine identifizieren, die dafür verantwortlich sind und Substanzen und Arzneimittel finden, welche die Veränderungen verhindern oder rückgängig machen“, so Prof. Karlhans Endlich.

Hilft eine Blutegeltherapie tatsächlich? Greifswalder Forscher testen Speichel von Egeln

Blutegel auf dem Arm. Foto: Sarah Lemke Universität Greifswald – Eine wissenschaftliche Untersuchung hat erstmals wissenschaftliche Belege für eine mögliche Wirksamkeit der Blutegeltherapie erbracht. In der jüngst in der internationalen, biowissenschaftlichen Online-Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlichten Studie von Forschenden des Zoologischen Instituts der Universität Greifswald wurde erstmals eine Quantifizierung der biologisch aktiven Speicheldrüseninhaltsstoffe vorgenommen. Dabei konnten zwanzig Speichelproteine in einer Konzentration nachgewiesen werden, die physiologische Prozesse im menschlichen Körper beeinflussen können. Kann die Blutegeltherapie dem Menschen wirklich helfen? Subjektive Erfahrungsberichte und Aufzeichnungen von Medizinern sprechen für eine therapeutische Wirkung. Bereits im alten Ägypten wurde der der Medizinische Blutegel, Hirudo sp., eingesetzt. Der Ektoparasit saugt sich an einem warmblütigen Wirt fest, schneidet eine Wunde in die Haut und saugt Blut. Dabei gibt er die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüsenzellen in die Wunde ab. Diesem Vorgang wird beim Menschen therapeutische Bedeutung zugemessen. Heute wird die Blutegeltherapie von Ärzten und Heilpraktikern bei verschiedensten Befindlichkeitsstörungen, bei Thrombosen zur Vermeidung der Bildung oder gar zur Auflösung von Blutgerinnseln, bei Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises zur Entzündungshemmung und zur Schmerzstillung sowie postoperativ nach Replantation abgetrennter Haut- und Körperteile zur Verbesserung der venösen Zirkulation eingesetzt.

Der Blutegel injiziert während des Saugaktes zahlreiche Speicheldrüsenproteine in die Wunde des Wirts. Es wird angenommen, dass zumindest einige Proteine für die beobachteten positiven Effekte verantwortlich sein könnten. Die meisten sind bisher unbekannt, nur von wenigen kennt man mögliche Wirkungen im Patienten. Nur von einer Einzigen, dem Thrombin-Inhibitor Hirudin, der bereits in der Medizin als Antikoagulans (Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung) eingesetzt wird, sind bisher exakte Daten zu wirksamen Konzentrationen bekannt. Die Greifswalder Zoologen wollten mit ihrer Untersuchung die Frage beantworten: Werden während einer Blutegeltherapie mit einem oder mehreren Tieren überhaupt genügend große Mengen an Wirkstoffen aus dem Blutegel-Speichel auf den Patienten übertragen, um physiologische Effekte auszulösen? Um diese Frage zu beantworten, musste herausgefunden werden, wie viel Speicheldrüsensubstanz ein Blutegel speichern kann und dann während des Saugaktes überträgt. Dazu wurde zunächst die Struktur des Speicheldrüsengewebes des Tieres mikroskopisch untersucht und ein 3D-Modell von Teilen des Egelgewebes mit den interessanten einzelligen Speicheldrüsenzellen entwickelt. So konnte festgestellt und berechnet werden: Ein Blutegel hat fast 40.000 Speicheldrüsenzellen, und das durchschnittliche Volumen einer Zelle beträgt 67.000 µm3 (das ist etwa ein 50-Tausendstel des Volumens eines Stecknadelkopfes). Letztlich wiesen die Forscherinnen und Forscher nach, dass die Vorratsbehälter der Speicheldrüsenzellen des Egels während eines Saugaktes vollständig entleert und 1,2 mg Protein in die Wunde injiziert werden. Wenn große Anteile der injizierten Speichelproteine sich im Kreislaufsystem des Patienten verteilen, gelangen mehr als zwanzig verschiedene Speichelproteine mit Konzentrationen zwischen 3 und 236 pmol/l in den Körper. Im Vergleich mit Hirudin, das eine deutlich hemmende Wirkung auf den Blutgerinnungsfaktor Thrombin bereits bei einer Konzentration von 1 pmol/l ausübt, kann aus diesen Daten geschlossen werden, dass es mindestens 20 weitere Inhaltsstoffe des Blutegelspeichels gibt, die beim Saugakt in möglicherweise wirksamen Konzentrationen auf den Menschen übertragen werden.

Faksimile der Litauischen Bibel nach mehr als 400 Jahren vollständig

Faksimile Auszug − Wenn eine alte Handschrift zum Flickenteppich wird, dann hat das seinen Grund. Man bessert dort aus, wo die Anmerkungen der zeitgenössischen Korrektoren nicht mehr zu erkennen waren. − Rechte sind geklärt, bei Nachfragen bitte an Professor Kessler wenden.Universität Greifswald – Die Übersetzung der Bibel ins Litauische liegt jetzt erstmals komplett als Faksimile vor. Herausgeber des letzten Teilbandes der originalgetreuen Reproduktion ist Professor Dr. Stephan Kessler vom Institut für Baltistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Der Band enthält die prophetischen Bücher des Alten Testaments und die Apokryphen. Das Teilprojekt wurde von der Deutschen Forschungsgemein-schaft (DFG) mit rund 17.500 Euro gefördert. Die Gesamtausgabe erscheint als Supplementum zur Reihe „Biblia Slavica“. 1590 vollendete Pfarrer Johann Bretke (1536 – 1602) die Übersetzung der Bibel ins Litauische; zwanzig Jahre hatte er daran gearbeitet. Seine Hauptvorlage war die Lutherbibel. Bretkes handschriftliche Übersetzung ist ein kulturhistorisches Denkmal.  Trotzdem wurde die Bibelübersetzung nie gedruckt. Im Jahre 1592 diskutierte Bretke auf einer Konferenz seine Bibelübersetzung mit einem Kollegium von Pfarrern. Aber auch seine Kollegen scheiterten an den Textstellen, mit denen er sich bereits erfolglos beschäftigt hatte. Statt sich für eine definitive Übersetzung zu entscheiden, fügte das Kollegium zu bestehenden Formulierungen immer neue Varianten hinzu. Dies verhinderte damals den Druck. Aus unserer heutigen Sicht ist es ein Glücksumstand, denn so ist die Handschrift zu einer einzigartigen Quelle der altlitauischen Sprache in allen ihren Varianten geworden. Sie repräsentiert ein Drittel des gesamten altlitauischen Textbestandes. Der letzte Band der Faksimile-Ausgabe wurde nun, mehr als vierhundert Jahre später, von Professor Dr. Stephan Kessler vom Institut für Baltistik der Universität Greifswald abgeschlossen. Bisher wurde die Handschrift im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verwahrt. Die Gesamtausgabe der litauisch sprachigen Bretke-Bibel erscheint als Supplementum zur Reihe „Biblia Slavica“. Herausgeber ist die Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaft unter Leitung der Professoren Hans Rothe und Friedrich Scholz. Die kritische Edition des Neuen Testaments wird 2015 erscheinen. Weitere Informationen: Verlagskatalog http://www.schoeningh.de/katalog/tite /978-3-506-77186-5.html – Institut für Baltistik http://www.baltistik.uni-greifswald.de/

Höchster Deutscher Forschungspreis für Allgemeinmedizin geht nach Greifswald

Mehr Patientensicherheit durch bessere Aufklärung

Prof. Jean-François Chenot (re.) von der Unimedizin Greifswald und PD Dr. Stefan Viktor Vormfelde vo ... Foto: DEGAM Universität Greifswald 13.9.2013 – Auf dem 47. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (http://www.degam.de) in München wurde gestern Abend auch der Dr. Lothar Beyer-Preis 2013 verliehen. Es ist der höchste Deutsche Forschungspreis für Allgemeinmedizin. Der erste Preis wird zu gleichen Teilen der Arbeitsgruppe von Prof. Jean-Francois Chenot von der Universitätsmedizin Greifswald für ein Aufklärungsprojekt für Hausarztpraxen und der Arbeitsgruppe von Dr. Tobias Freund von der Universität Heidelberg für das Projekt PraCMan zuerkannt. Der Hauptpreis ist mit jeweils 7.500 Euro dotiert. Der Deutsche Forschungspreis für Allgemeinmedizin wird zum vierten Mal (nach 2008/2009/2011) verliehen und hat sich als Qualitätsauszeichnung in der Allgemeinmedizin etabliert. Der Preis wird in diesem Jahr über die Stiftung der Familie Beyer hinaus von der DEGAM sowie dem Deutschen Ärzte-Verlag unterstützt. Die Wettbewerbsbeiträge sollten sich sowohl mit spezifischen Feldern innerhalb der hausärztlichen Versorgung wie zum Beispiel Familienmedizin oder Palliativversorgung, als auch mit hausärztlichen Vorgehensweisen in der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Beratung befassen. Die Greifswalder Wissenschaftler überzeugten mit ihrer vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie zur „Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit und Patientenkompetenz bei antikoagulierten Patienten in der Hausarztpraxis“. In Deutschland werden rund 800.000 Patienten, ca. ein Prozent der Bevölkerung, mit einer lebenslangen gerinnungshemmenden Arzneimitteltherapie behandelt, um gesundheitliche Probleme mit den Gefäßen und dem Herzen unter Kontrolle zu halten. Die Gabe eines Medikamentes zur Hemmung der Blutgerinnung wird als Antikoagulation bezeichnet. Die mangelnde Aufklärung der Patienten bei der Langzeitbehandlung führt jedoch immer wieder zu ernsthaften Komplikationen. Die Greifswalder Forschergruppe um Prof. Jean-Francois Chenot, Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin, hat in enger Zusammenarbeit mit 22 Hausarztpraxen und über 300 Patienten moderne Methoden der Aufklärung getestet und mit herkömmlichen Informationsmedien verglichen. „Wir konnten zeigen, dass die Patientensicherheit beim Umgang mit Gerinnungshemmern durch eine videounterstützte Schulung durch Medizinische Fachangestellte erheblich verbessert werden konnte“, so Chenot, der gestern den Preis in München entgegennahm.

Forschungsbohrungen in der Ostsee mit Greifswalder Beteiligung

Michael Kenzler auf einer Grönland-Expedition 2010. Auf dem Bild ist er vor dem Illulissat-Gletscher ... Foto: privat Universität Greifswald 11.9.2013 – Das internationale Forschungsbohrprogramm IODP (Integrated Ocean Drilling Program) hat erstmals eine Bohrkampagne in der Ostsee gestartet. Der Greifswalder Wissenschaftler Michael Kenzler vom Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald wird zwei Monate auf dem Bohrschiff verbringen und dort arbeiten. Mit einem Bohrschiff sollen vom 7. September bis zum 4. November bis zu sieben Forschungsbohrungen in der Ostsee und im Kattegatt niedergebracht werden. Das Bohrprogramm wurde 1964 gestartet. Seither wurden weltweit fast 1.300 Ozeanbohrungen durchgeführt. Es ist das erste Mal, dass Bohrungen in der Ostsee durchgeführt werden. Mit dabei ist Michael Kenzler von der Universität Greifswald, der zurzeit als Doktorand am Institut für Geographie und Geologie arbeitet. Er wird zwei Monate auf dem Bohrschiff verbringen und die gezogenen Bohrkerne für die weitere Arbeit begutachten und aufbereiten. Die eigentliche Probennahme wird Anfang 2014 nach Beendigung der Bohrungen im IODP-Bohrkernlager am MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen stattfinden. Zusammen mit den Forschern seiner Arbeitsgruppe, Dr. Heiko Hüneke, Prof. Martin Meschede und Prof. Henrik Rother wird er das gesammelte Material aus bis zu mehreren hundert Metern Tiefe unter dem Meeresboden in den Labors der Universität Greifswald analysieren. Mithilfe einer modernen Einbettungstechnik, die erst seit kurzem in Greifswald etabliert ist, wird weiches Sediment gehärtet, so dass man daraus wenige tausendstel Millimeter dicke sogenannte „Dünn-schliffe“ anfertigen kann, um den Mineralgehalt und vor allem die Feinstrukturen in den Bohrkernen zu untersuchen.

In Bremen werden mehr als 30 Wissenschaftler von Universitäten und Forschungseinrichtungen aus den USA, Japan, China und den Ostsee-Anrainerstaaten zusammenarbeiten. Nicht alle von ihnen konnten an Bord des Bohrschiffes arbeiten, weil dort nur ein begrenzter Platz zur Verfügung steht. Michael Kenzler hat umfangreiche Erfahrungen mit der Entnahme von Proben und wurde für die gesamte Bohrfahrt als Wissenschaftler eingeladen. Für seinen Aufenthalt an Bord des Bohrschiffes “Greatship Manisha” musste Michael Kenzler zuvor an einem zehntägigen Sicherheitstraining teilnehmen, um im Ernstfall für alle Schwierigkeiten gewappnet zu sein. In einem speziellen Trainingszentrum auf Rügen wurden unter anderem das Anlegen und Eintauchen mit einem Überlebensanzug sowie das Abkoppeln eines Seenotrettungsbootes vom Schiff trainiert. Die Teilnahme am IODP-Projekt (früher ODP – Ocean Drilling Program – und anfänglich DSDP – Deep Sea Drilling Program) wurde insbesondere von Prof. Martin Meschede initiiert, der selbst an mehreren Bohrfahrten mit dem Bohrschiff „JOIDES Resolution“ teilgenommen hat. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit vielen Jahren Mitglied im internationalen IODP-Projekt und ist dadurch in der Lage, jährlich etwa zehn bis 20 Wissenschaftler als Teilnehmer zu den internationalen Bohrexpeditionen in alle Welt zu schicken. „Das IODP-Projekt ist das größte Forschungsprojekt, das jemals in den Geowissenschaften durchgeführt wurde und weiterhin durchgeführt wird. Es lässt sich in seiner Tragweite ohne weiteres mit der NASA vergleichen. Wir erforschen dabei systematisch die Geologie der Ozeane und Kontinentränder und in letzter Zeit zunehmend auch die mikrobielle Aktivität in der Erdkruste, also Lebensformen, die sich nicht auf der Erdoberfläche oder im Wasser, sondern in der Erdkruste in oft mehreren hundert Metern bis zu Kilometern Tiefe entwickelt haben.

Diese Gebiete der Erde sind für uns Menschen extrem schwer zugänglich und entsprechend hoch sind die technischen und logistischen Herausforderungen, die sich durchaus mit der Erkundung des Mondes oder des Mars messen lassen können. Das IODP-Projekt hat im Verlauf seiner Aktivitäten maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Theorie der Plattentektonik Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts durchgesetzt hat“, so Prof. Martin Meschede. Die Ostsee ist eines der größten Binnenmeere der Welt, das in seinen Sedimenten ein einzigartiges Klimaarchiv enthält. Die für geologische Verhältnisse erst junge Geschichte der Ostsee von etwa 130.000 Jahren steht daher im Vordergrund der geplanten Untersuchungen. Unter den jüngsten, durch die Gletscher der letzten Eiszeit abgelagerten Sedimenten werden die Ablagerungen einer Reihe von Seen vermutet, in denen die Geschichte der letzten warmen Periode, der Eem-Warmzeit dokumentiert ist. Diese Seesedimente sollen während der Bohrkampagne “IODP Expedition 347 Baltic Sea Palaeoen-vironment“ erbohrt werden. Für Michael Kenzler bietet dies die Gelegenheit, seine Erfahrungen, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit mit gleichaltrigen Sedimenten aus Norddeutschland sammeln konnte, einzubringen und zu erweitern. Neben den älteren Sedimenten geht es auch um das Ende der letzten Eiszeit und den Übergang in die heutige warme Periode. Aus dem Vergleich der Ablagerungen beider Warmzeiten sollen Rückschlüsse auf die zu erwartende Klimaentwicklung gezogen werden.

Klinische Pharmakologie in Greifswald – Kompetenzzentrum für regionale Pharmaforschung

Das Center of Drug Absorption and Drug Transport (C_DAT) ist ein als nationales Kompetenzzentrum, in ... Foto: Hans-Werner Hausmann, Universität Greifswald.Universität Greifswald 10.9.2013 – Die Abteilung für Klinische Pharmakologie in Greifswald feiert am 12. und 13. September 2013 ihr 40-jähriges Bestehen im neuen Gebäude für Arzneimittelforschung, C_DAT. Dazu eingeladen sind frühere Mitarbeiter und Forschungspartner aus der Region. Spitzenforscher aus dem In- und Ausland präsentieren während eines Symposiums neueste Forschungsergebnisse und erläutern die Brückenfunktion, die der Klinischen Pharmakologie bei der Übertragung von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis der Arzneimitteltherapie zukommt. Dies bewältigt die kleine Einrichtung in Greifswald mit vier landesfinanzierten Wissenschaftlern und vier technischen Mitarbeitern. Durch erfolgreiche Drittmitteleinwerbung konnte sie die gegenwärtige Personalstärke in der Klinischen Pharmakologie etwa verdreifachen. Die Gelder kommen vorwiegend aus der regionalen Forschungsförderung des Bundes (BMBF, Unternehmen Region). Sie fließen, weil sich regionale Wirtschaftsunternehmen substanziell beteiligen. So konnten unter Federführung der Klinischen Pharmakologie in den vergangenen sechs Jahren ca. 8,5 Millionen Euro eingeworben werden, mit denen das Forschungsprojekt InnoProfile finanziert wird. Gegenwärtig arbeiten zwölf Wissenschaftler gemeinsam für weitere drei bzw. fünf Jahre an Forschungsvorhaben in den Abteilungen des C_DAT und bei der RIEMSER Arzneimittel GmbH (Insel Riems), der Physiolution GmbH (Greifswald), der PRIMACYT Cell Culture Technology GmbH (Schwerin), der RoweMed AG und der bmp production GmbH (Parchim) sowie im Gestüt Lewitz der PAUL SCHOCKE-MÖHLE GmbH (Neustadt-Glewe). Die Leitung liegt in den Händen einer Juniorprofessur für Klinische Pharmakologie von Transporterproteinen, die von diesen Unternehmen gestiftet wurde; den Löwenanteil der Kosten tragen die RIEMSER Pharma GmbH.

Die Erwartungen der Förderer sind hoch, weil der Verbund aus Pharmakologen, pharmazeutischen Technologen, Zellbiologen, Tierärzten und Wirtschaftlern schon heute ausreichend Erfahrungen und Kompetenz zur Schaffung dauerhafter Arbeitsplätze erreicht hat. So ist die Physiolution GmbH in Greifswald ein Kind von Innoprofile-Vorhaben. Professor Werner Siegmund, der Leiter der Klinischen Pharmakologie, freut sich besonders darüber, dass seine Doktoranden und Postdocs ihre Karriere nicht nur bei großen Unternehmen der Pharmaindustrie fortsetzen, sondern sich zunehmend auch dauerhaft für Arbeitsplätze in der Region entscheiden. „Wir wollen unsere hoch qualifizierten Wissenschaftler möglichst langfristig – auch nach ihrem Ausscheiden – an uns binden. Damit entstehen nachhaltige regionale Forschungsnetzwerke, die zukünftige Vorhaben erfolgreich tragen können. In Greifswald ist ganz deutlich zu sehen, wie die Strukturförderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in unserer Region trotz begrenzter Eigenmittel der Unternehmen für Forschung sehr nachhaltig wirkt“, so Professor Werner Siegmund.

Unternehmensideen beim UNIQUE-Ideenwettbewerb in Greifswald ausgezeichnet

Die prämierten Ideenträger mit den Sponsoren Foto: Dr. Wolfgang Schielke, Technologiezentrum Vorpommern Universität Greifswald 13.8.2013 – Die Wettbewerbsjury des UNIQUE-Ideenwettbewerbs vergab am Freitag, 9. August 2013, erste Preise für eine neue Methode für ökologischen Holzschutz sowie einem Konzept zur internetgestützten Suche nach Mittagsangeboten. Insgesamt wurden beim diesjährigen Ideenwettbewerb für den Forschungsstandort Greifswald Preisgelder in Höhe von insgesamt 9.500 Euro vergeben. Studierende und Forschende der Universität sowie des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie Greifswald (INP) präsentierten ihre wissensbasierten Geschäftsideen am Freitag während der Abschlussveranstaltung einer Jury aus Vertretern von Wirtschaft und Gründungsförderung. Der Ideenwettbewerb fand zum siebten Mal statt. Er wurde ins Leben gerufen, um Forschende und Studierende an Hochschulen für die wirtschaftliche Verwertung ihrer Forschung zu sensibilisieren und zu qualifizieren.

In der Kategorie „Forschende“ wurden Daniel Hupel, Sebastian Riesebeck, Jan Schütter und Dirk Wiedermann mit 2.500 Euro für den 1. Platz prämiert. Ihre Idee „Alethia-Wood“ befasst sich mit einer innovativen Methode der Behandlung von Hölzern, die einen effektiven und ökologischen Schutz des Holzes ermöglichen. Durch das Verfahren kann eine absolut umwelt- und gesundheitsfreundliche funktionalisierte Beschichtung von Holz- und Naturfaserprodukten für den physikalischen Schutz vor Umwelteinflüssen, wie Feuchte, Wasser und Schmutz, UV-Strahlung und Abrieb innerhalb von Minuten realisiert werden. Aussehen und Griffigkeit des Naturproduktes bleiben dabei unverändert. Den mit 1.500 Euro dotierten 2. Platz konnte sich Janek Wiederänders mit einem Team aus Forschenden der Greifswalder Universitätsmedizin sichern. Der SHIP Quality Monitor beruht auf Forschungsergebnissen der umfassenden „Study of Health in Pomerania“ und ist einer der ersten Ansätze, die Forschungsresultate der SHIP-Studie einer wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen. Auf Platz 3 (1.000 Euro Prämie) landete Dr. Jörg Ehlbeck vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald mit seinem Ansatz zur Ergänzung medizinischer Geräte durch plasmagestützte Applikationen.

In der Kategorie „Studierende“ sicherte sich Philipp Hunsche den 1. Preis und 2.000 Euro Preisgeld. Er konnte die Jury sowohl mit seiner Idee einer vereinfachten Suche nach Greifswalder Mittagsangeboten als auch seinen persönlichen unternehmerischen Kompetenzen überzeugen. Im Zentrum von Hunsches Idee „Guten APPetit“ steht ein zentrales Datenbanksystem, das die potenziellen Mittagsgäste über aktuelle Angebote informiert und es gleichzeitig den Gastronomen erleichtert, ihre Angebote einem möglichst breiten Kundenkreis zu offerieren. Den 2. Platz (1.000 Euro) belegten Maximilian Block und Lars Büchner-Uhder mit ihrer Idee eines webbasierten Rechtsberatungssystems für Juristen. Jacob Sass, Jan-Lasse Schumacher und Philipp Lohmeier präsentierten mit „Be A Student“ einem neuartigen Ansatz zur Studienplatzsuche. Dafür gab es Platz 3 (500 Euro).

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 22 Teams für den Wettbewerb angemeldet. Nach der Anmeldung konnten die Teilnehmer unterschiedliche Qualifizierungsangebote des Transferverbundes Greifswald zur Stärkung ihrer gründerspezifischen Kenntnisse und zur Ausarbeitung ihrer Geschäftsidee wahrnehmen. Letztlich sind bis zur Teilnahmefrist am 30. Juni 19 Wettbewerbsbeiträge − davon acht von Wissenschaftler- und elf von Studierendenteams − in Form einer ausgearbeiteten Ideenskizze eingegangen. Die Skizzen wurden anschließend von Mitgliedern des Transferverbundes in Hinblick auf Indikatoren wie Innovation, Umsetzbarkeit, Marktchancen usw. analysiert und bewertet. Die besten elf Teams (sechs Wissenschaftler, fünf Studierende) konnten sich dabei für das Finale qualifizieren. Die Finalisten hatten in der vergangenen Woche die Möglichkeit, eine Probepräsentation ihrer Idee vor einer „Jury“ des Transferverbundes, die im Anschluss ein Feedback und mögliche Verbesserungsvorschläge lieferte, zu geben. Weitere Informationen:über den UNIQE-Ideenwettbewerb unter http://www.ideenwettbewerb.uni-greifswald.de/

Greifswalder Neugeborenenstudie liefert wertvolle Erkenntnisse für den Start ins Leben

Mutter mit ihrem Neugeborenen, Foto: Joachim KloockGesunde Babys – Größte Reihenuntersuchung für schwangere Frauen und ihre Kinder in Vorpommern (SNiP II) wird fortgesetzt

Universität Greifswald 22.7.2013Die erfolgreiche Neugeborenenstudie „SNiP – Survey of Neonates in Pomerania“ wird als SNiP II fortgesetzt. Die in Greifswald und Ostvorpommern von 2003 bis 2008 durchgeführte flächendeckende Reihenuntersuchung hat erstmals aussagekräftige Informationen über die Gesundheit und das soziale Umfeld der geborenen Kinder und ihrer Mütter zusammengeführt. Daran knüpft die zweite Untersuchungsphase mit einer Laufzeit von fünf Jahren an, in der jedoch auch neue Akzente gesetzt werden. Der Projektleiter und Leiter der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin im Eltern-Kind-Zentrum der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Matthias Heckmann (Foto), richtete die Bitte an die Eltern, die Studie zur gesundheitlichen Situation von Neugeborenen durch eine Teilnahme aktiv zu unterstützen. „Die Ergebnisse der Studie sollen auch künftig dazu beitragen, sowohl die fachübergreifende Betreuung von Schwangeren als auch die Gesundheitsvorsorge für Kinder in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu verbessern“, so der Kinderarzt und Wissenschaftler.

Was erwartet die Mütter im Rahmen der Studie SNiP II?

Die Universitätsmedizin hält umfangreiches Informationsmaterial für Familien, die ein Kind erwarten, bereit. Darüber hinaus wird in persönlichen Gesprächen über die Inhalte der Studie aufgeklärt und auf Nachfragen eingegangen. Die Eltern werden anschließend gebeten in einem Gespräch Auskunft über Ihren Gesundheitszustand und den Schwangerschaftsverlauf zu geben und im Anschluss einen Fragebogen auszufüllen. Dabei geht es unter anderem um Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, Angaben zum Haushalt und weiteren Familienmitgliedern, Vorerkrankungen und den Schwangerschaftsverlauf sowie eventuelle Komplikationen.  Der medizinische Zustand der Neugeborenen wird auf Basis der routinemäßig durchgeführten Vorsorgeuntersuchungen (U1/U2) erfasst. Bestandteil der Studie ist die Entnahme von Gewebeproben, zum Beispiel aus der Nabelschnur, für genetische Analysen. Diese dienen vor allem zum Nachweis von Infektionskrankheiten im Mutterleib und Erbkrankheiten, die die Neugeborenenperiode betreffen. Das Neugeborenenregister wird auch als Daten-Pool für weiterführende Untersuchungen genutzt. Die Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Alle erhobenen Daten werden verschlüsselt und anonymisiert gesichert. „Die Studie SNiP II ist sehr gut angelaufen“, betonte der verantwortliche Studienleiter, Prof. Matthias Heckmann. „Unser Bestreben ist es erneut, eine hohe Teilnahmequote wie bei der ersten Welle mit fast 95 Prozent zu erreichen. Die hohe Beteiligung sichert unseren wissenschaftlichen Teams optimale Bedingungen für die Forschung. Gesunde Neugeborene und glückliche Familien sind ein lohnenswertes Ziel für eine Unterstützung“, so Heckmann. Der Mediziner machte deutlich, dass so eine umfangreiche Studie nur aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit der Kliniken Wolgast, Anklam und Greifswald mit deren Hebammen, Kinderschwestern, Wöchnerinnenstationen und Kinderabteilungen möglich ist.

Pegel lobt herausragende Bedeutung des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs

(PM/STK 17.5.2013) – Anlässlich der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald  hob Christian Pegel das besondere Engagement des Kollegs hervor: „Die Förderung von Wissenschaft und Forschung an der Uni Greifswald, die Exzellenz der Universität zu stärken, war von Anfang an erklärtes Ziel der Stiftung. Heute kann man zu Recht sagen, dass dies geklappt hat“, so Pegel.  „Auch Dank Ihrer tollen Arbeit ist die Uni Greifswald bei wichtigen Forschungsthemen in der Weltspitze ganz vorn dabei, trifft sich die Forschungselite hier in unserer Hansestadt. Sie bringen Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland zusammen für interdisziplinäre Forschung, für gemeinsame Projekte, Tagungen, Symposien, die international ausstrahlen, die den Wissensstandort Greifswald stärken. Dies wird auch in Zukunft eine wichtige Bedeutung für unser Land haben“, fuhr der Chef der Staatskanzlei fort. Ausdrücklich dankte Pegel Prof. Dr. Beitz auf dessen Initiative hin die Stiftung Alfried Krupp Kolleg gegründet wurde und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kollegs. Das Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung in der Trägerschaft der Stiftung Alfried Krupp Kolleg Greifswald.

Programmbibliothek für Moorforschung und Naturschutz wird in Greifswald aufgebaut

Das Dänschenburger Moor ist eines der größten Hochmoore Norddeutschlands. Durch Wasserabsenkung ist das Moor inzwischen fast vollständig mit Kiefern und Birken bewaldet. (NSG „Großes Moor bei Dänschenburg“ N21, 71 ha, Gemeindegebiet der Stadt Marlow, Landkreis Vorpommern/Rügen, M-V), 26. 6. 2008, eigenes Werk, Foto: Botaurus/Wikipedia(PM/Universität Greifswald 18.4.2013) – Das Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald, die Universitätsbibliothek und die Michael Succow Stiftung zum Schutz der Natur haben jetzt den Startschuss zum Aufbau einer „Programmbibliothek Moorforschung und Naturschutz“ gegeben. Die Bernhard und Ursula Plettner-Stiftung (Mitglied im „Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft“) unterstützt das Vorhaben mit rund 200.000 Euro. Zum Bestand der Spezialbibliothek werden 8.000 Bände nationaler und internationaler Fachliteratur aus Privatbibliotheken und Beständen der gemeinnützigen Michael Succow Stiftung gehören. Dieser Grundbestand soll durch Neuanschaffungen ergänzt werden. Hinzu kommen Verlinkungen zu Open source-Medien. Die Bibliothek soll ein wichtiger Baustein des angestrebten Greifswalder Moorkompetenzzentrum werden. Standort der „Programmbibliothek Moorökologie und Naturschutz“ wird das denkmalgeschützte Gebäude Ellernholzstraße 1/3 in Greifswald sein. Dort hat die Michael Succow Stiftung ihren Sitz. In unmittelbarer Nähe der Universität und ergänzt um die Programmbibliothek soll dieses Gebäude zum räumlichen, fachlichen sowie sozialen Knoten- und Treffpunkt der Moorkompetenz werden. Die Bestände der Fachbibliothek werden mit Unterstützung der Universitätsbibliothek Greifswald katalogisiert und über das Internet weltweit recherchierbar sein. Es ist ebenfalls beabsichtigt, wissenschaftlich bedeutsame (oder herausragende) Bände der Fachbibliothek zu digitalisieren und im Rahmen der Deutschen Digitalen Bibliothek im Internet öffentlich zugänglich zu machen.

In Greifswald sind etwa 50 Wissenschaftler und Experten in der Moorforschung aktiv. Sie befassen sich unter anderem mit der Klimarelevanz der Moore. Moore machen zwar nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, speichern jedoch mehr CO2 als der gesamte Waldbestand der Erde. Moorforschung hat in Greifswald eine lange Tradition. 1826 wurden erste torfbotanische Untersuchungen aus Greifswald publiziert. Prof. em. Dr. Michael Succow, Träger des alternativen Nobelpreises und einer der führenden deutschen Moorökologen, legte während seiner Professur in den 1990er Jahren den Grundstein für den Schwerpunkt Moorforschung als Teil der Landschaftsökologie in Greifswald. Er konnte Hans Joosten für Greifswald gewinnen, welcher 1996 die Arbeitsgruppe „Moorkunde und Paläoökologie“ initiierte. Hans Joosten gehört heute zu den international bekanntesten Moorforschern. In und von Greifswald aus betreiben die Moorforscher heute weltweit Forschung, stimulieren nachhaltige Anwendungsmöglichkeiten (wie zum Beispiel die Paludikultur) und beraten national sowie international Politiker.  Die Förderung „Programmbibliothek Moorökologie und Naturschutz“ durch die Bernhard und Ursula Plettner-Stiftung erfolgt als sogenannte Private Public Partnership (PPP). Die Stiftung wurde 2001 gegründet und hat das Ziel, die Ausstattung der Bibliotheken von Technischen Hochschulen, insbesondere in den neuen Bundesländern und in Berlin, zu verbessern. „Wissen schaffen im Global Change“ heißt die aktuelle Initiative der Stiftung, die innovative Bibliothekskonzepte eines herausgehobenen und international ausgewiesenen universitären Fachstandorts zur Erforschung von globalem Wandel und Nachhaltigkeit fördern möchte.

Weitere Informationen
Bernhard und Ursula Plettner-Stiftung http://stiftungen.stifterverband.info/t295_plettner/index.html
Michael Succow Stiftung http://www.succow-stiftung.de/
Institut für Botanik und Landschaftsökologie http://www.botanik.uni-greifswald.de/
Universitätsbibliothek Greifswald http://www.uni-greifswald.de/bibliothek.html

10 Jahre Institut für Community Medicine – das Gesundheitsministerium gratuliert

(PM/SM 15.3.2013) – Der Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Nikolaus Voss gratulierte dem Institut für Community Medicine anlässlich des zehnjährigen Bestehens. “Das Institut für Community Medicine an der Universität Greifswald ist für uns als Gesundheits- und Sozialministerium ein unverzichtbarer Partner geworden, wenn es um die Entwicklung von Konzepten zur Gesundheitsversorgung und der Förderung der Gesundheit unserer Bevölkerung geht”. SHIP und GANI_MED haben bundesweit und international schon große Beachtung gefunden. Die SHIP-Studie wird ab diesem Jahr in das deutschlandweite Projekt “Nationale Kohorte” einfließen, “das ist so etwas wie ein Ritterschlag. Für das Gesundheitsministerium gibt es kaum eine Versorgungsplanung, bei der die SHIP-Daten nicht eine Rolle spielen, sei es bei der Frage nach der Entwicklung bestimmter Volkskrankheiten oder bei der Darstellung des Gesundheitsverhaltens” erläuterte Voss. Viele weitere Aktivitäten des Instituts sind für das Sozialministerium von größtem Interesse: Anstöße für regionale Versorgungskonzepte, neue Präventionsprojekte, die Mitwirkung am Landesaktionsplan für Gesundheitsförderung und Prävention und nicht zuletzt der Aufbau des Zentralen Klinischen Krebsregisters sowie die Evaluation von DESK gehören dazu.

Job-Messe am Max-Planck-Institut

Glawe: Wichtiger Beitrag, um auf hochwertige Jobs im Land aufmerksam zu machen

Berufsausbildung im RTC, Foto: Joachim KloockCotronik, Berufsausbildung, Foto Joachim Kloock(PM/WM 14.3.2013) – Am Donnerstag hat Wirtschaftsminister Harry Glawe die zweitägige Job-Messe am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) Greifswald eröffnet. Über zehn regionale Ingenieurbüros, Forschungsunternehmen und Entwicklungsdienstleister hatten sich für die zweitägige Messe angemeldet, um für einen Arbeitsplatz zu werben. „Der Erhalt und die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern liegt mir als Wirtschaftsminister besonders am Herzen“, sagte Glawe. „Es sind große Anstrengungen erforderlich, um im weltweiten Standortwettbewerb hochqualifizierte Mitarbeiter zu halten beziehungsweise neue zu gewinnen. Die Job-Messe leistet einen wichtigen Beitrag.“ Ziel der Messe ist es, insbesondere Ingenieure für die ausstellenden Unternehmen und das IPP zu gewinnen. „Das Institut in Greifswald ist sehr engagiert in der Nachwuchsförderung sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in den Ausbildungsberufen“, so Glawe. Von den zwölf außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern belegt das Max-Planck-Institut eine Spitzenposition bei der Bereitstellung von hoch qualifizierten Arbeitsplätzen mit Entwicklungsperspektive. Vor Ort wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise Industriemechaniker/in Feingerätebau, Elektroniker/in für Geräte und Systeme, Fachinformatiker/in für Systemintegration sowie Holzmechaniker/in der Fachrichtung Möbelbau und Innenausbau ausgebildet.

Als eines der führenden Zentren für Fusionsforschung in Europa bietet das IPP anspruchsvolle Aufgaben mit Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum in Forschung, Technik und Handwerk. „Mit derzeit etwa 480 Mitarbeitern zählt das IPP zu einem der größten Arbeitgeber in der Region Greifswald“, sagte Glawe. „Zudem bestehen langjährige Kooperationen mit der Universität Greifswald und der Fachhochschule, die Forschungsaufträge und damit Arbeitsplätze im Land sichern.“ 65 Prozent der vollbeschäftigten Mitarbeiter im IPP kommen aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit Doktoranden und abgeordnetem Personal arbeiten derzeit 533 Beschäftigte im Greifswalder Institut. „MV ist eine attraktive Adresse für Investoren. Vorzüge wie eine leistungsfähige Infrastruktur, qualifizierte und flexible Arbeitskräfte sowie attraktive Wirtschafts- und Innovationsförderung haben sich herumgesprochen“, sagte Glawe. „Trotzdem brauchen wir mehr Wachstum, mehr Beschäftigung, nachhaltige Fachkräftepotentiale und höhere Einkommen im Land.“ Die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation bleibt weiter im Focus der Wirtschaftspolitik. Sie wird auch in der kommenden Förderperiode 2014 bis 2020 ein Förderschwerpunkt bleiben, wenngleich weniger Mittel zur Verfügung stehen werden.

Für die Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Innovation in MV stehen in der EU-Förderperiode 2007 bis 2013 insgesamt 155 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung. Davon wurden bis Ende 2012 bereits 132,6 Millionen Euro bewilligt. Mit diesen Mitteln konnten bisher 719 Projekte gefördert werden, davon 321 Verbundforschungsprojekte mit einem Fördervolumen von 84,7 Millionen Euro. In der kommenden Förderperiode sollen bis 2020 rund 117 Millionen Euro bereitgestellt werden. Das IPP besteht aus den Teilinstituten Garching (Bayern) und Greifswald. Das Teilinstitut Greifswald dient dem Aufbau und Betrieb des Stellaratorexperiments Wendelstein 7-X. Die experimentelle Großforschungsanlage Wendelstein 7-X wird gegenwärtig als das weltweit größte Fusionsexperiment vom Stellarator-Typ am IPP in Greifswald aufgebaut. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Mecklenburg-Vorpommern steht auch im Fokus der gemeinsamen Kampagne „Durchstarten in MV – Dein Land, deine Chance“ (www.durchstarten-in-mv.de) des Wirtschaftsministeriums und der Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern. „Über 1.100 Unternehmen aus unserem Land machen bereits mit. Sie haben ihre Ausbildungsmöglichkeiten in unserem Azubiatlas eingestellt. Ich kann nur jeden Unternehmer ermutigen, die Möglichkeiten der Kampagne zu nutzen“, betonte Glawe. Der Eintrag im Azubiatlas ist kostenfrei. Die Fachkräftekampagne wird unter anderem aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

Sellering: Erfolgsgeschichte der Unimedizin Greifswald geht weiter

(PM/MP 27.2.2013) – Auf dem Neujahrsempfang der Universitätsmedizin Greifswald hat Ministerpräsident Erwin Sellering die Entwicklung der Einrichtung als Fortsetzung der Erfolgsgeschichte bezeichnet: “Die Landesregierung hat mit sehr positiven Gefühlen zur Kenntnis genommen, dass es nach dem nicht so rosigen Abschluss 2011 im Wirtschaftsjahr 2012 wieder vorwärts gegangen ist. Und das unter den schwierigen Bedingungen des Umzugs und mit neu aufgestellter Führung.” Sellering versicherte, dass die Landesregierung auch weiterhin an der Seite der Universität stehen und alles tun werde, damit die “erfolgreiche Arbeit an der Unimedizin fortgesetzt werden kann”. Die Universitätsmedizin habe sich mit ihrer Strategie 2014 vorgenommen, der führende forschende und lehrende Gesundheitsanbieter der Region zu sein. Sellering: “Schon jetzt geht das, was erreicht wurde, weit darüber hinaus. In der Forschung genießt die Unimedizin inzwischen einen exzellenten Ruf, was auch mit zahlreichen Verbundprojekten wie z.B. der SHIP-Studie oder dem wichtigen HICARE-Aktionsbündnis gegen multiresistente Erreger zusammenhängt. Nun kommt noch die Nationale Kohorte hinzu – ein exzellentes Zeichen für das hohe Ansehen.”

Bei dem Projekt handelt es sich um eine bundesweite, bevölkerungsbezogene Langzeitstudie mit 200 000 Probandinnen und Probanden im Alter von 20 bis 69 Jahren. Angestrebt ist ein Beobachtungszeitraum von 20 bis 30 Jahren. Beteiligt sind universitäre und außeruniversitäre Einrichtungen. Gefördert wird es von Bund und Ländern. Der Ministerpräsident lobte die erfolgreiche Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: “Die Erfolge haben über die Jahre die Universität insgesamt aufgewertet, bekannter und attraktiver gemacht. Die Unimedizin ist ein Leuchtturm der Region, auf den alle stolz sein können. Bitte machen Sie weiter so.”

Neuer Professor an der Universität Greifswald

v. l.: Staatssekretär Sebastian Schröder mit Prof. Dr. phil. Bernhard Brehmer, Foto: Presssestelle BM(PM/BM 1.2.2013) – Der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Sebastian Schröder, hat heute Prof. Dr. phil. Bernhard Brehmer seine Ernennungsurkunde überreicht. Prof. Brehmer hat einen Ruf an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald erhalten. Prof. Dr. phil. Bernhard Brehmer wurde 1971 in Stuttgart geboren und studierte von 1992 bis 1998 Russische Philologie, Lateinische Philologie und Geographie an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Er schloss das Studium mit dem Ersten Staatsexamen ab. Im Jahr 2004 promovierte Prof. Brehmer zum Dr. der Philosophie ebenfalls an der Universität Tübingen. Seine berufliche Tätigkeit begann er bereits 1995 an der Universität Tübingen, wo er mit kurzen Unterbrechungen bis 2006 in verschiedenen wissenschaftlichen Tätigkeiten beschäftigt war. Im November 2006 wurde er an der Universität Hamburg zum Juniorprofessor für Slavistische Linguistik mit Schwerpunkt Polnisch und Serbokroatisch auf Zeit bis 2009 ernannt. Nach erfolgreicher Zwischenevaluation wurde er hier erneut zum Juniorprofessor auf Zeit bis 2012 ernannt.

Universität Greifswald eröffnet Masterstudiengang „Kinderzahnheilkunde“

Manchmal geht die Kinderbehandlung beim spezialisierten Kinderzahnarzt besser. Foto: ZA J. Schmoeckel, ZZMK, Universität GreifswaldDie Universität Greifswald eröffnet in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) einen Masterstudiengang „Kinderzahnheilkunde“. Der berufsbegleitende Studiengang soll Zahnärzte künftig dazu befähigen, Kinder strukturierter und wissenschaftsbezogener zu behandeln. Denn nur die Hälfte der kariösen Milchzähne in Deutschland ist gefüllt und damit gut versorgt. Professor Dr. Christian Splieth, Leiter der Präventiven Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde in Greifswald und damit auch des Studienganges, begrüßt am Freitag, 18. Januar 2013, die ersten 14 postgradualen Masterstudierenden. Neben niedergelassenen Zahnärzten und Universitätsmitarbeitern aus ganz Deutschland sind auch sechs Kandidaten aus Jordanien, Aserbaidschan, Syrien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Griechenland darunter. „Kinderzähne müssen besonders gepflegt und behandelt werden, weil der Gesundheitszustand der Milchzähne die beste Prognose für das bleibende Gebiss erlaubt“, so Professor Dr. Christian Splieth. „Karies ist in beiden Bezahnungen dieselbe Erkrankung mit zu häufigem Zuckerkonsum und zu wenig Mundhygiene. Außerdem werden in den sechs Jahren des Zahnwechsels die neuen Zähne angesteckt.“ Mit der Wende Anfang der 1990er Jahre lief der Studiengang Kinderzahnheilkunde in Deutschland aus. Professor Splieth gehört seit drei Jahren dem Beirat der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) an. Er initiierte eine Kooperation, bei der das Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Greifswald die Erfahrungen aus vier bestehenden Masterstudiengängen einbringen konnte und die DGK ihre fachliche Expertise. In zwei Jahren ist es gelungen, aus dieser Idee auch formal einen Studiengang zu etablieren.

Der Präsident der DGK, Professor Dr. Christian Hirsch aus Leipzig, stellt die Bedeutung des neuen Studiengangs für ganz Deutschland heraus. „Der Master ‚Kinderzahnheilkunde‘ garantiert wieder eine dem Facharzt gleichwertige Qualifikation für die zahnärztliche Prävention und Therapie bei Kindern“, so Professor Dr. Christian Hirsch. Der Masterstudiengang wird berufsbegleitend studiert. Über einen Zeitraum von zwei Jahren finden fast monatlich Wochenendseminare zu allen Fragen der Kinderzahnheilkunde statt. Themen wie Wachstum und Entwicklung, allgemeinmedizinische Erkrankungen, Kindesvernachlässigung, Verhaltensführung, Prävention und Therapie werden ausführlich behandelt. Die Studenten müssen dazu jeweils „Hausarbeitspakete“ vorbereiten. „Es ist uns gelungen, mit über 25 deutschen und internationalen Referenten an 13 Standorten in ganz Deutschland ein ausgesprochen attraktives und modernes Programm zusammen zu stellen“, so Professor Dr. Ulrich Schiffner, Fortbildungsreferent der DGK. Abgeschlossen wird mit einer Masterarbeit. Der jährlich angebotene Studiengang erfreut sich großer Nachfrage, da schon jetzt ausreichend Bewerbungen für 2014 vorliegen. So wird wohl nicht nur die kinderzahnärztliche Versorgung in Deutschland, sondern auch international weiter verbessert werden können.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität, 17. 1. 2013

Greifswalder Wissenschaftler sind der Gicht auf der Spur

Dr. Alexander Teumer, Foto: privatForscher entdeckten zahlreiche Gene, die einen erhöhten Harnsäurespiegel und Gicht verursachen. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat erstmals zahlreiche Gene entdeckt, die das Gicht-Risiko erhöhen. Die identifizierten Genvarianten stehen in Verbindung mit erhöhten Harnsäurespiegeln, die die Hauptursache für die Entstehung von Gicht sind. Dabei handelt es sich um eine weit verbreitete Stoffwechselerkrankung, bei der sich zu viel Harnsäure im Blut ansammelt, so dass Harnsäure-Ablagerungen in Form von kleinen Kristallen im Gewebe entstehen. Harnsäure ist ein Stoffwechselprodukt der Leber, das bei übermäßigem Fleischkonsum vermehrt gebildet und hauptsächlich über die Nieren abgebaut wird. Typisch für diese Erkrankung sind vor allem geschwollene und entzündete Gelenke sowie Gelenkschmerzen. Da Gicht stark erblich bedingt ist, hoffen die Wissenschaftler aufgrund der jüngsten Erkenntnisse auf neue Therapieansätze. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Industrieländern leidet unter dieser „Wohlstandskrankheit“.

In der am 23. Dezember 2012 im Fachmagazin „Nature Genetics“ veröffentlichten Mega-Studie des „Global Urate Genetics Consortiums“ (GUGC) untersuchte ein internationales Team von mehr als 220 Wissenschaftlern die genetischen Informationen von über 140.000 Teilnehmern aus 70 Studien weltweit. Die dabei identifizierten 28 genetischen Risikofaktoren sollen ein besseres Verständnis der Krankheitsmechanismen bei Gicht ermöglichen und als Ausgangspunkt für neue Arzneien oder zur besseren Vorbeugung von Gicht dienen.
Auch von den beiden Greifswalder Bevölkerungsstudien SHIP und SHIP-TREND flossen Daten von mehr als 5.000 Menschen in die aktuelle Studie ein. Dr. Alexander Teumer (Foto), wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsmedizin Greifswald und einer der führenden Autoren dieser Studie, lobte die sehr gute Zusammenarbeit in diesem internationalen Konsortium. „Unsere Arbeit wurde durch wöchentliche Telefonkonferenzen organisiert und wir versuchten, persönliche Treffen auf internationalen Konferenzen abzuhalten. Besonders hervorheben möchte ich, dass diese Arbeit erst durch die großartige Gemeinschaftsarbeit aller Wissenschaftler und die Teilnahme tausender Menschen an diesen freiwilligen Studien möglich wurde.“ In weiteren Projekten sollen nun die molekularen Prozesse, die den Harnsäurestoffwechsel und dadurch ausgelöste Krankheiten steuern, noch intensiver erforscht werden.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 14. 1. 2013

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Minister Brodkorb ernennt und begrüßt neue Professoren

Bildungs- und Wissenschaftsminister Mathias Brodkorb hat heute eine neue Professorin für die Hochschule Wismar ernannt und begrüßte zwei neue Professoren an den Universitätsmedizinen Rostock und Greifswald.

Prof. Dr. Robert David, Prof. Dr.-Ing. Beate Niemann, Prof. Dr. med Hansjörg Schwertz, Bildungsminister Mathias Brodkorb, Foto: Pressestelle BMDr.-Ing. Beate Niemann erhält eine Professur für “Städtebau und Raumplanung” der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Wismar. Beate Niemann wurde 1964 in Düsseldorf geboren. 1992 schloss sie dort ihr Studium der Architektur ab und promovierte 2003 zur Dr.-Ing. an der Technischen Universität Berlin. Im Jahr 1999 erhielt sie von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen die Berechtigung, die Berufsbezeichnung “Stadtplanerin” zu führen. Von 1992 bis 1998 war sie als Partnerin im BÜRO FÜR URBANISTIK in Düsseldorf tätig. 1998 wechselte sie zur NIEMANN+STEEGE GmbH ebenfalls in Düsseldorf und ist dort seit 1999 als Geschäftsführende Gesellschafterin beschäftigt.

Prof. Dr. med. Hansjörg Schwertz hat eine Lichtenberg-Professur für “Experimentelle Hämostaseologie” an der Universitätsmedizin Greifswald erhalten. Hansjörg Schwertz wurde 1974 in Ruit geboren. 2002 legte er seine Ärztliche Prüfung beim Landesprüfungsamt für Studierende der Medizin und der Pharmazie Rheinland-Pfalz ab. 2004 erfolgte die Approbation. 2002 promovierte er zum Dr. med. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach seiner Habilitation war er von 2004 bis 2008 Postdoctoral Fellow am Institut für Human Molecular Biology and Genetics der University of Utah, Salt Lake City. Seit 2008 bis zu seiner Berufung war er Research Assistant Professor an der University of Utah, Salt Lake City.

Prof. Dr. Robert David hat eine Professur für “Regenerative Medizin in der Herzchirurgie an der Universitätsmedizin Rostock. Robert David wurde 1967 in Mering geboren. 1993 legte er an der Technischen Universität Mainz sein Diplom ab. 2004 promovierte er an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen zum Dr. rer. nat. 2010 habilitierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit August 2001 bis zu seiner Berufung war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Pressemitteilung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 30. 11. 2012

Forschungsprojekt MIMAS belegt Platz Drei beim Norddeutschen Wissenschaftspreis

Der länderübergreifende Forschungsverbund MIMAS belegte Platz Drei beim ersten Norddeutschen Wissenschaftspreis. Heute (29. November 2012) wurden die Gewinner in Hamburg ausgezeichnet. Den Forschern im Projekt „Mikrobielle Interaktionen in marinen Systemen“ (MIMAS) gelang es, komplexe mikrobielle Gemeinschaften und ihre Funktion in einer bisher einzigartigen Auflösung zu bestimmen. Die Preisjury würdigte die Zusammenarbeit in allen Forschungsverbünden, die in die letzte Wettbewerbsendrunde kamen.

„Alle drei Forschungsverbünde zeichnen sich durch wissenschaftliche Exzellenz, ein großes Maß an Inter-disziplinarität und einen hohen Kooperationsgrad zwischen Hochschulen, außeruniversitären Einrichtungen und Unternehmen aus“, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt anlässlich der feierlichen Preisverleihung im Hamburger Rathaus.

Der Forschungsverbund wurde 2007 von Professor Rudolf Amann vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Professor Thomas Schweder von der Universität Greifswald ins Leben gerufen. Ihr Ziel war, Kompetenzen in der norddeutschen Forschungslandschaft zu bündeln, um neue molekulare Methoden in der marinen Ökosys-temforschung dauerhaft zu verankern und so international wettbewerbsfähig zu sein. Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,3 Millionen Euro gefördert.

Durch den Verbund konnten Biobanken für Modellstandorte in der Nord- bzw. Ostsee aufgebaut werden. Diese bildeten die Basis für die mikrobiologischen Analysen. Bioinformatiker entwickelten eine Plattform für umfangreiche Metagenomdatenanalysen. Anfang 2009 gelang dann ein technischer Durchbruch bei der Analyse komplexer Proteingemische aus marinen Umweltproben (Metaproteomik). Dieser Ansatz erlaubte den Forschern, die Aktivität von Mikroorganismen an ihrem natürlichen Standort im Meer direkt zu bestimmen.

Dadurch konnte erstmals nachgewiesen werden, dass die nach einer Algenblüte in den Meeren frei werdende Biomasse von unterschiedlichen hoch spezialisierten Bakterien in einer engen zeitlichen Abfolge nach und nach abgebaut wird. Weiterhin konnten mikrobielle Gemeinschaften und deren Funktion in den Sauerstoffminimumszo-nen der Ostsee nachgewiesen werden.

Professor Thomas Schweder, der Koordinator des Verbundes, sagt dazu: „Es ist uns gelungen, einen international bis dato einmaligen Verbund mit Expertisen auf verschiedensten Forschungsgebieten wie der Ökologie, der Mikrobiologie, der Genomik, der Proteomik, der Bioinformatik und der Umweltanalytik aufzubauen. Damit sind wir nun in der Lage, die mehrheitlich unbekannten Mikroorganismen und ihre Funktion in marinen Ökosystemen genauer zu erforschen.“

„Mit dieser Initiative wird die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen gefördert und wir wissen, dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind. Ich denke, ohne Kooperation ist exzellente Forschung heutzutage und in Zukunft nicht möglich“, so Professor Rudolf Amann vom Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie Bremen.

Beteiligte Einrichtungen

1. Universitäre Einrichtungen

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Mecklenburg-VorpommernProf. Dr. Thomas Schweder, Prof. Dr. Michael Hecker, PD Dr. Dörte BecherJacobs Universität Bremen Prof. Frank Oliver GlöcknerCarl-von-Ossietzky Universität Oldenburg Niedersachsen, Dr. Thorsten Dittmar, Dr. Jutta Niggemann

2. Nicht-universitäre Einrichtungen

Institut für Marine Biotechnologie Greifswald Mecklenburg-VorpommernProf. Dr. Thomas Schweder, PD Dr. Dörte Becher, Dr. Jörg BernhardtMax-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, BremenProf. Rudolf Amann, PD Dr. Bernhard Fuchs, Dr. Hanno TeelingLeibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Mecklenburg-VorpommernProf. Dr. Klaus Jürgens, PD Dr. Matthias LabrenzBiologische Anstalt Helgoland, Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung, Schleswig-HolsteinProf. Karen Wiltshire, Dr. Gunnar Gerts, Dr. Antje WichelsHelmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG), Schleswig-HolsteinDr. Ulrich Callies, Dr. Frank-Detlef Bockelmann

3. Unternehmen

DECODON Greifswald Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Matthias BerthRibocon Bremen, Dr. Jörg Peplies

Pressemitteilung Ernst- Moritz-Arndt-Universität, 29. 11. 2012

Forschungsprojekt der Universität Greifswald unter den Finalisten des Norddeutschen Wissenschaftspreises

Wissenschaftsminister Mathias Brodkorb hat den Gewinnern des ersten Norddeutschen Wissenschaftspreises gratuliert. Die Kooperation “BioGeochemie des Watts”, eingereicht durch die Universität Oldenburg, belegt den ersten Platz. Platz zwei erhieltdas Projekt “Kaltwasserkorallen-Ökosysteme entlang der europäischen Kontinentalhänge”, beantragt von der Universität Bremen. Den dritten Platz belegt MIMAS, “Mikrobielle Interaktionen in Marinen Systemen”, ein Verbund zur Erforschung mariner Bakterien unter der Regie der Universität Greifswald.

“Der Preis ist eine große Anerkennung für die geleistete Arbeit der Forscherinnen und Forscher. Die Auszeichnung für das Projekt unter Federführung der Universität Greifswald ist zugleich ein Beleg für exzellente Forschung aus Mecklenburg-Vorpommern”, sagte Minister Brodkorb bei der feierlichen Preisverleihung im Hamburger Rathaus. Zu der zweistündigen Festveranstaltung waren etwa 100 Persönlichkeiten aus der norddeutschen Wissenschaftsszene sowie aus Politik und Gesellschaft gekommen. Die Preisskulptur für den Norddeutschen Wissenschaftspreis  “Blaue Fibonacci-Spirale” hat die Studentin Anne Ruddat (3. Semester Schmuckdesign) von der Hochschule Wismar entworfen.

Der Norddeutsche Wissenschaftspreis ist mit 50.000 Euro dotiert. Mit ihm werden erfolgreiche länderübergreifende Kooperationen in der Wissenschaft gewürdigt. Er wird gemeinsam von den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, der Freien Hansestadt Bremen und der Freien und Hansestadt Hamburg vergeben.

Bewerben können sich länderübergreifende Wissenschaftskooperationen, die bereits länger bestehen, sich durch wissenschaftliche Exzellenz auszeichnen und zur Wettbewerbsfähigkeit norddeutscher Wissenschafts-Netzwerke beitragen. Der Preis soll in den kommenden fünf Jahren jährlich verliehen werden, jedes Mal zu einem anderen Thema. Die Federführung für alle fünf norddeutschen Länder hatte in diesem Jahr das Land Hamburg, das Thema der ersten Ausschreibung lautete “Kooperationen in der Meeresforschung”. Medienpartner war der NDR. Ausrichterin der zweiten Wettbewerbsrunde im kommenden Jahr ist die Hansestadt Bremen.

Pressemitteilung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 29. 11. 2012

Internationales Forscherteam beschreibt Wirkung eines Enzyms gegen Muskelabbau

Muskelabbau ist ein entscheidendes Problem bei Krankheit, Immobilität und im hohen Alter. Ein internationales Forscherteam aus Baltimore, Greifswald und Tübingen hat nun ein Enzym in seiner Wirkung beschrieben, das den Muskelabbau und -aufbau steuert. Die Ergebnisse wurden an Mäusen sowie winterschlafenden nordamerikanischen Eichhörnchen gewonnen und sind nun in der Wissenschaftszeitschrift EMBO Journal online veröffentlicht. Die beteiligten Forscher sind zuversichtlich, dass sich die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen. Durch die Aktivierung des Enzyms könnte der Muskelabbau verhindert und die Lebensqualität vieler Menschen verbessert werden.

Etwa zwei Millionen ältere Menschen in Deutschland leiden an Sarkopenie. Dieser Muskelabbau im Alter führt zum Beispiel dazu, dass das Gehen und Treppensteigen zunehmend schwerer fällt. Weitere Gründe für Muskelabbau sind Bettlägerigkeit oder neuromuskuläre Erkrankungen. Ein Aktivator des Enzyms, welches unter dem Kürzel SGK1 bekannt ist, könnte dem nun entgegenwirken. „Das Besondere an der Kinase SGK1 ist, dass sie den Muskelaufbau auch bei Bewegungsmangel oder Immobilisierung fördert“, so Professor Dr. Heinrich Brinkmeier, Leiter der Forschungsgruppe Greifswald. „Man müsste niedermolekulare Aktivatoren des Enzyms entwickeln und diese als Medikamente verabreichen. Die Tübinger Arbeitsgruppe um Professor Florian Lang arbeitet bereits daran.“

Die Wirkungsweise des Enzyms in Mäusen entdeckten die Wissenschaftler aus Greifswald und Tübingen zufällig. Sie untersuchten die Nager mit einem Gendefekt im SGK1-Gen. Dabei wurde die Laufbereitschaft im Laufrad gemessen. Mäuse laufen freiwillig mehrere Kilometer pro Nacht. Daraufhin wurde die Kraft isolierter Muskeln im Bein und Zwerchfell gemessen und das Muskelgewebe histologisch untersucht, unter anderem auf Muskelfaserdegeneration und Fibrose.

In Baltimore wurden winterschlafende nordamerikanische Eichhörnchen, „ground squirrels“, gezielt – und zunächst unabhängig vom deutschen Projekt – untersucht. Die amerikanischen Wissenschaftler testeten die Wirkung der SGK1 auf andere muskuläre Enzyme, die sich auf die Proteinsynthese und den Abbau auswirken. Weiterhin wurden die Muskeln der Tiere vor, während und nach dem Winterschlaf histologisch untersucht. Beide Untersuchungen zeigten, dass das SGK1-Gen den Muskelabbau hemmt.

„Professor Dr. Florian Lang aus Tübingen kenne ich seit vielen Jahren“, so Professor Dr. Heinrich Brinkmeier. „Die Verbindung nach Baltimore ist zustande gekommen, nachdem das amerikanische Forscherteam um Professor Dr. Ronald Cohn in Tübingen angefragt hat, ob es Daten zur Muskulatur von Mäusen mit einem Gendefekt im SGK1-Gen gibt. Wir sind dann zusammen zur Erkenntnis gekommen, dass unsere Daten viel aussagekräftiger sind, wenn wir sie kombinieren.“

„Im Idealfall könnten Aktivatoren des Enzyms den Muskelabbau des Menschen im Alter oder aufgrund von Krankheiten oder Bettlägerigkeit aufhalten und sogar umkehren“, so Professor Brinkmeier. „Aufbauende und abbauende Prozesse sind Gegenspieler in der Muskelfaser und verhalten sich wie die zwei Seiten einer Balkenwaage. Hemmt man den Abbau und fördert den Aufbau, sollte die Muskelmasse wieder anwachsen können. Eine eiweißreiche Ernährung ist dabei Voraussetzung.“

Weitere Informationen
Veröffentlichung EMBO Journal http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23161797

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 27. 11. 2012

8. 11. 2012, 17.15 Uhr, Zoologisches Institut und Museum, Hörsaal, Universität Greifswald

Zwitter: Vereinte Geschlechter und die Qual mit der Partnerwahl. Es spricht Dr. Nils Anthes, Universität Tübingen.

Sexuelle Fortpflanzung stellt einen an sich ausgeprägt kooperativen Akt zwischen einem männlichen und einem weiblichen Paarungspartner dar. Dennoch sind sexuelle Interaktionen bei vielen Tieren geprägt von einer Mischung aus „althergebrachten“ evolutionären Konflikten zwischen den Geschlechtern und ganz konkreten Konkurrenz-Situation zwischen rivalisierenden Männchen oder Weibchen um mögliche Paarungspartner. Doch wie stellen sich Interaktionen innerhalb und zwischen den Geschlechtern dar, wenn „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ in einem Körper vereint auftreten? Anhand aktueller Untersuchungen an verschiedenen Modellorganismen mit zwittriger Geschlechtsausprägung beleuchtet dieser Vortrag, welche Wege Partnerwahl und sexuelle Selektion in solchen Fällen nehmen können. Die Beispiele reichen dabei von scheinbar friedfertigem „Spermienhandel“, dem ein balancierter Austausch von Befruchtungsmöglichkeiten zugrunde liegt, über ausgeprägte Präferenzen bei der Partnerwahl, bis hin zu intensiv ausgetragenen Konflikten um die ausgeübten Paarungsrollen. Einige Zwitter wie die Meeressschnecke Siphopteron haben dabei außerordentlich bizarre Strategien entwickelt, bei denen mit Hilfe einer Art „Injektionsnadel“ Spermien in die Leibeshöhle des Partners übertragen werden – die Entscheidung, in eine derartige Paarung einzuwilligen, ist sicherlich keine leichte …

Pressemitteilung E.-M.-A.-Universität Greifswald

Berthold Beitz erhält Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Der frühere Krupp-Manager Berthold Beitz wird von Ministerpräsident Erwin Sellering mit dem Verdienstorden des Landes geehrt. Berthold Beitz wurde 1913 im vorpommerschen Dorf Zemmin geboren, legte in Greifswald sein Abitur ab und absolvierte eine Banklehre in Stralsund. Danach begann seine Karriere in der Industrie, die ihn an die Spitze des Krupp-Konzerns führte.

Mit dem Tod von Alfried Krupp und der Überführung des Kruppschen Firmenvermögens in eine gemeinnützige Stiftung wurde Beitz 1968 Testamentsvollstrecker und Sachwalter des Erbes. Seither wurden in Mecklenburg-Vorpommern Projekte mit über 40 Mio. Euro unterstützt. Ein Schwerpunkt ihres Engagements ist für die Stiftung die Hansestadt Greifswald mit ihrer Universität. Im Mittelpunkt steht das Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald.

Mit der Würdigung von Berthold Beitz soll sein außerordentlich wichtiges Wirken für das Land Mecklenburg-Vorpommern hervorgehoben werden.

Pressemitteilung Ministerpräsident, 6. 11. 2012

31. 10. 2012, 12.30 – 13.30 Uhr, Theologische Fakultät, Universität Greifswald

Führungen durch die einzigartige Gustaf-Dalman-Sammlung

Die Theologische Fakultät der Universität Greifswald beherbergt eine international einmalige Sammlung von höchstem wissenschaftlichen Interesse und Niveau. Sie ist der enzyklopädisch-universalwissenschaftlich ausgerichteten Forschertätigkeit Gustaf Dalmans (1855 – 1941) zu verdanken, der besonders in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als Palästina noch seinen agrarischen Charakter hatte, in Realien und Fotografien dokumentierte und sammelte, was für ihn das Land der Bibel ausmachte.

So bietet das Institut ca. 15.000 Fotos (Dias, Papierbilder, Negativplatten, Luftaufnahmen), die gerade in einer Datenbank erfasst werden, Gesteinsproben, eine Keramik-, eine Hölzersammlung. Produkte der Getreideverarbeitung, Haus- und Ackergeräte (Originale und Modelle), eine bedeutende Sammlung von Landkarten Palästinas, Reliefkarten, archäologische Kleinfunde. Was sonst Ethnologen, Archäologen, Geographen, Botaniker und Mineralogen nur je für sich und fachspezifisch zusammentragen, hat er zu einem Universalbild zusammengefügt. Gleichgewichtig steht daneben die Gustaf-Dalman-Bibliothek mit ca. 5.000 Bänden zur Geschichte, Religion und Kultur des jüdischen Volkes. Darunter befinden sich viele sehr seltene frühe Drucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert – eine in ihrer Art einzigartige Bibliothek jüdischer Geistesgeschichte und Auslegung der alttestamentlichen Überlieferungen.

So führt das Institut Zeugnisse alltäglicher Lebensverhältnisse und Dokumente der Textauslegung zusammen und bietet die Grundlagen für neue Forschungsansätze. Weltweit profitieren Wissenschaftler von dieser Sammlung.

Die Theologische Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität bietet auch im kommenden Wintersemester 2012/2013 regelmäßig, nämlich jeden Mittwoch um 12:30 Uhr, Führungen durch die einzigartige Gustaf-Dalman-Sammlung.

Die weiteren Termine: 31.10.2012, 07.11.2012, 14.11.2012, 21.11.2012, 28.11.2012, 05.12.2012, 12.12.2012, 19.12.2012, 09.01.2013, 16.01.2013, 23.01.2013, 30.01.2013.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

20. 10. 2012, 10.00 – 17.00 Uhr, Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, Teilinstitut Greifswald

TAG DER OFFENEN TÜR

Die Wissenschaftler des Institutes sind auf der Suche nach einer neuen, umweltverträglichen Energiequelle. Hier entsteht die Forschungsanlage Wendelstein 7-X, die weltweit größte und modernste Anlage ihrer Bauart. Ziel ist es, die Grundlagen für ein Fusionskraftwerk zu erforschen, das – ähnlich wie die Sonne – Energie aus der Verschmelzung von Atomkernen erzeugt.

Pressemitteilung Landkreis, 12. 10. 2012

José Carreras Leukämiestiftung vergibt Stipendium an Greifswalder Forscherin

Floriane Braun von der Universität Greifswald erhält in diesem Jahr ein Stipendium der Deutschen José Carreras Leukämiestiftung. Damit würdigt die Stiftung die Leistung der Nachwuchsforscherin und ein innovatives Konzept zur Bekämpfung von Leukämieerkrankungen.
Die Stiftung vergibt jährlich vier Stipendien an besonders begabte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Stipendiatin aus Greifswald forscht in der Arbeitsgruppe Molekulare Hämatologie in der Universitätsmedizin.

Am Ende ihres Studiums der Humanbiologie mit Hauptfach Immunologie in Greifswald klärte Floriane Braun in ihrer Diplomarbeit einen Gendefekt bei Leukämieerkrankungen auf. Mit der Aufklärung dieser genetischen Veränderung und dem daraus resultierenden Verständnis der gestörten Signalwege konnte ein neuer therapeutischer Ansatz entwickelt werden.
Dieser Behandlungsansatz soll es erlauben, im lebenden Organismus gezielt die Immunantwort gegen Krebszellen zu aktivieren. Diese natürliche Immunreaktion ist bei Krebspatienten häufig geschwächt.
Die Stipendiatin hat ein synthetisches Molekül entwickelt und hergestellt, das einige spezielle Immunzellen im Umfeld des Tumors stimuliert und aktiviert, ohne andere Körperzellen zu schädigen. Dieses Molekül wird zurzeit im Tierversuch getestet. Es liegen bereits erste Erfolg versprechende Ergebnisse vor.
Die Auszeichnung wird anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (19.-23.10.2012) in Stuttgart verliehen. Die Höhe des Stipendiums beträgt 41.000 Euro pro Jahr.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 18. 10. 2012

Ausschreibung des Käthe-Kluth-Stipendiums 2013

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald schreibt zum sechsten Mal das Käthe-Kluth-Stipendium aus. Mit diesem Stipendium fördert die Universität den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs. Ziel ist, die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft zu fördern und den Frauenanteil an Professuren zu erhöhen.

Um den Frauenanteil in den Spitzenpositionen zu verbessern, hat die Universität Greifswald das Käthe-Kluth-Stipendium ausgelobt. Durch ein Vollstipendium können Nachwuchswissenschaftlerinnen gefördert werden, die bereits die für die Berufung auf eine Professur notwendige Qualifikation vorweisen, das heißt eine Habilitation oder gleichwertige Leistungen. Außerdem können Teilstipendien an Wissenschaftlerinnen vergeben werden, die ein Habilitationsprojekt bearbeiten und dieses voraussichtlich innerhalb der zweijährigen Förderungsdauer abschließen werden. Auch Sachbeihilfen und Betreuungszuschüsse sind möglich.

Das Stipendium ist Bestandteil des Gleichstellungsprogramms der Universität, das insbesondere auf die Verbesserung der strukturellen und personellen Bedingungen für Chancengleichheit und die Förderung hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen abzielt. Wesentliche weitere Bestandteile dieses Programms sind die Zertifizierung der Universität im Rahmen des Audit Familiengerechte Hochschule und das ESF-Projekt Karrierewege von Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft M-V.

Das Stipendium wird seit 2007 an Nachwuchswissenschaftlerinnen vergeben. Erste Stipendiatin war die Chemikerin Dr. Heike Kahlert. In diesem Jahr ging das Vollstipendium an Dr. habil. Ekaterina Poljakova (Philosophische Fakultät). Dr. Klavdia Smola (Philosophische Fakultät) erhielt ein Teilstipendium.
Das Stipendium ist nach der Anglistin Käthe Kluth benannt, der ersten Professorin an der Universität Greifswald.

Weitere Informationen
Aktuelle Ausschreibung des Käthe-Kluth-Stipendiumshttp://www.uni-greifswald.de/fileadmin/mp/3_organisieren/e_beauftragte/gleichstellung/Ausschreibungstext_Kaethe-Kluth_2013.pdf
Käthe-Kluth-Stipendium http://www.uni-greifswald.de/foerdern-kooperieren/kluthstipendium.html
Gleichstellungsbeauftragte http://www.uni-greifswald.de/organisieren/beauftragte/gleichstellungsbeauftragte.html
IZFG http://www.izfg.uni-greifswald.de/

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 18. 10. 2012

Neugeborene werden in Mecklenburg-Vorpommern auf Mukoviszidose untersucht

Frühe Diagnose der Stoffwechselerkrankung soll Organschäden verhindern und die Lebensqualität der Kinder verbessern

An der Universitätsmedizin Greifswald wurde heute das erweiterte Landes-Neugeborenen-Screening vorgestellt. Mecklenburg- Vorpommern ist das erste Bundesland, das neugeborenen Kindern künftig landesweit eine zusätzliche Untersuchung auf Mukoviszidose anbietet.

„Wir können jetzt im Rahmen dieser standardisierten Reihenuntersuchung frühzeitig Mukoviszidose ausschließen oder die geeigneten Maßnahmen zur optimalen Behandlung einleiten“, erklärte Prof. Matthias Nauck, Direktor des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und Leiter des Neugeborenen-Screeninglabors MV. Dabei handelt es sich um eine freiwillige und kostenfreie Untersuchung für alle Neugeborenen in Mecklenburg-Vorpommern seit September.

Mukoviszidose ist eine der häufigsten vererbten Stoffwechselerkrankungen in Mitteleuropa. Rund 8.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene leben in Deutschland mit dieser bisher unheilbaren Krankheit. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ca. 100 Menschen, darunter etwa 45 Kinder und Jugendliche, die unter der Erkrankung leiden. Als Folge eines angeborenen Defektes werden die Atemwege in der Lunge, der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse oder die Gallenwege mit zähem Schleim verstopft, wodurch es zu einer chronischen Entzündung der Lunge, starken Hustenanfällen und zu schweren Verdauungs- und Wachstumsstörungen kommt. Die Beschwerden sind anfänglich sehr unspezifisch, so dass die Diagnose oftmals erst nach Monaten oder Jahren gestellt werden kann. Dann sind die Organe unter Umständen schon dauerhaft geschädigt.

„Mit der Vorsorgeuntersuchung unmittelbar nach der Geburt kann die Erkrankung frühzeitig festgestellt werden, was wiederum einen frühen Behandlungsbeginn ermöglicht“, betonte der Mediziner. „Früh auftretende Folgeerkrankungen an der Lunge können verhindert werden. Die betroffenen Kinder entwickeln sich besser und leben länger. Eine rechtzeitige Diagnose ist daher für die Betroffenen sehr wichtig.“

Schweißtest bring Sicherheit

In Mecklenburg-Vorpommern haben alle Neugeborenen ein Recht auf ein Neugeborenen-Screening auf angeborene, behandelbare Erkrankungen des Stoffwechsels und der Hormone. Dieses sieht eine Untersuchung auf Mukoviszidose nicht vor. Im Zuge des etablierten Neugeborenen-Screenings wird dem Säugling eine kleine Blutprobe entnommen und auf eine Trockenblutkarte getropft. Aus dieser gleichen Probe wird nun zusätzlich die Untersuchung auf Mukoviszidose angeboten.

Aus der Trockenblutprobe wird zunächst ein Eiweiß aus der Bauchspeicheldrüse bestimmt (immunreaktives Trypsin – IRT). Ist dieses erhöht, wird aus derselben Blutprobe in einer zweiten Stufe ein weiteres Eiweiß herausgelöst (Pankreatitis-assoziiertes Protein – PAP). Ist auch dieses Protein erhöht, ist das ein Alarmzeichen. Um eine endgültige Diagnose zu stellen, informiert das Screeningzentrum Mecklenburg- Vorpommern in Greifswald den verantwortlichen Arzt.

Dieser wird eine weitere Untersuchung, den Schweißtest, in einer Mukoviszidose-Ambulanz veranlassen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Ambulanzen in Greifswald, Neubrandenburg, Rostock und Schwerin, die alle im von der Ärztekammer zertifizierten Mukoviszidose-Zentrum MV zusammengeschlossen sind. Nur dort kann der Schweißtest verlässlich durchgeführt werden. Dabei wird auf der Haut Schweiß gesammelt und anschließend im Labor analysiert. Der Schweiß von Mukoviszidose-Patienten weist einen erhöhten Salzgehalt auf. Der sichere Nachweis beruht auf einem erhöhten Kochsalzgehalt (Natrium-Chlorid) im Schweiß der Betroffenen.

Für die Auswertung und Dokumentation der Ergebnisse ist das Neugeborenen-Screeninglabor Mecklenburg-Vorpommern an der Universitätsmedizin Greifswald verantwortlich. Etwa eines von 1.300 Neugeborenen im Land ist durch eine seltene angeborene Störung des Stoffwechsels und der Organfunktion in seiner Gesundheit gefährdet. Bei vielen dieser Erkrankungen bestehen bei möglichst kurz nach der Geburt eingeleiteten Therapien sehr gute Aussichten, Behinderungen zu vermeiden oder wenigstens zu mildern und Todesfälle zu verhindern. Diese zusätzliche kostenlose Untersuchung wird als Studie im Rahmen des PomScreen-Projektes angeboten und auch nur nach ausdrücklicher Zustimmung durch die Eltern durchgeführt.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 15. 10. 2012

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Universität Greifswald und Kreis Vorpommern-Greifswald kooperieren

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und der Landkreis Vorpommern-Greifswald haben gestern (11.09.2012) in Anklam eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Beide Partner streben eine enge Zusammenarbeit bei der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vor allem in der Region an. Die Kooperation soll über gemeinsame Projekte realisiert werden. Die Vereinbarung wurde von Dr. Barbara Syrbe, Landrätin des Kreises Vorpommern-Greifswald, sowie Prof. Rainer Westermann, Rektor der Universität Greifswald, unterzeichnet. Universität und Landkreis bekräftigen mit der Kooperationsvereinbarung, dass sie Wissenschaft und Forschung sowie die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis durch Technologie und Wissenstransfer fördern wollen.

Unter anderem sollen Forschungsvorhaben marktnah und kurzfristig formuliert und umgesetzt werden. Es wird angestrebt, in Förderprojekten von Land, Bund, Europäischer Union sowie nationalen und internationalen Partnern zusammenzuarbeiten. Auch wissenschaftliche Veranstaltungen zur Verbreitung von Forschungsergebnissen werden in dem Kooperationsvertrag genannt. Die Vereinbarung wird über konkrete Projekte mit Leben erfüllt, für die gesonderte Vereinbarungen getroffen werden sollen.

Bereits jetzt engagieren sich Wissenschaftler und Universitätsmitarbeiter in konkreten Projekten, wie beispielsweise im Proramm „Lernen vor Ort“. In dem Teilprojekt UniDorf Ducherow gestalten Schüler, Dorfbewohner und Studenten der Universität Greifswald sowie der Hochschule Neubrandenburg ihr Lebensumfeld nach eigenen Wünschen. Aktuell untersuchen Greifswalder Wissenschaftler im Auftrag des Landkreises, wie Kinder und Jugendliche in der Grenzregion Polnisch erlernen können. Ziel ist des Projektes ist eine abgestimmte, schulartenübergreifende Polnischdidaktik. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell unterstützt.

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 12. 9. 2012

200 Millionen Jahre länger überlebt – Was Greifswalder Biologen im Museum entdeckten

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der Universitäten Greifswald und Leipzig sowie der Yale University (USA) hat einen erstaunlichen Fund gemacht. Die Forscher entdeckten in der paläontologischen Sammlung des Royal Ontario Museums in Toronto (Kanada) einen 300 Millionen Jahren alten fossilen langbeinigen Lobopodier aus den Schichten des Oberkarbons. Damit konnte nachgewiesen werden, dass diese langbeinige Form der „Würmer mit Beinen“ 200 Millionen Jahre länger überlebte als bisher angenommen.

Die Untersuchungsergebnisse des Wissenschaftlerteams wurden jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology online veröffentlicht; am 25. September 2012 folgt die Printausgabe.Lobopodier gab es bereits vor einer halben Milliarde Jahren. Unter den frühen Vertretern befanden sich auch die Vorfahren der heute erfolgreichsten Tiergruppe überhaupt, der Gliederfüßer, mit Spinnentieren, Insekten, Tausendfüßern und Krebsen. Es gab zwei Erscheinungsformen, Lobopodier mit kurzen konischen Beinen und solche mit langen schlauchförmigen Beinen. Auch die heutigen Stummelfüßer (Onychophora) und Bärtierchen (Tardigrada) können als kurzbeinige Lodopodier bezeichnet werden. Die langbeinigen Vertreter des zweiten Typus schienen vor etwa 500 Millionen Jahren ausgestorben zu sein.In den vergangenen Jahren gab es bereits Funde, die andeuteten, dass die oft als bizarr geltenden Körperformen, die vor über einer halben Milliarde Jahre über den Meeresboden krochen, doch nicht plötzlich am Ende des sogenannten Kambriums ausstarben. So fanden sich Körperformen, wie man sie fürs Kambrium für typisch hielt, etwa noch in Erdschichten aus dem Ordovizium (ca. 480 Millionen Jahre) oder Devon (ca. 400 Millionen Jahre). In jüngeren Schichten wurden solche Funde noch nicht gemacht.Wissenschaftler des Zoologischen Instituts und Museum der Universität Greifswald (AG Cytologie und Evolutionsbiologie), des Instituts für Biologie der Universität Leipzig (AG Evolution & Entwicklung der Tiere) und des Instituts für Geologie und Geophysik der Yale University (USA) berichten nun Überraschendes.

Im Rahmen eines Stipendiums der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und mit Unterstützung der Yale University forschten die zwei nun in Greifswald tätigen Wissenschaftler im letzten Jahr an verschiedenen Museen in Nordamerika. Während eines mehrwöchigen Besuchs in der Sammlung des Royal Ontario Museums untersuchten sie unter anderem die Fossilien des Karbons. Dabei entdeckten sie in einer Schublade in der Sammlung das nun neu beschriebene Fossil, welches ursprünglich als ein Stummelfüßer identifiziert worden und wohl auch bereits als solcher ausgestellt gewesen war. Doch das Fossil hatte nur halb so viele Beine wie ein Stummelfüßer und anders als Letztere sehr lange und schlauchförmige Beine; auch die für Stummelfüßer typischen Antennen fehlten dem Tier.Nach einer ausführlichen Fotositzung stellten sich die Beine sogar als noch länger heraus als zunächst gedacht: Aufnahmen von der Bauchseite des Tieres zeigen, dass die Beine im Stein verschwinden; Aufnahmen von der Seite des Steines zeigen, dass die Beine hier wieder hervortreten. Bei einer herkömmlichen Untersuchung lässt man die Seiten solcher Steine gewöhnlich außer Acht, nur durch eine Fotoserie, die für eine 3D-Montage verwendet werden sollte, trat dieses erstaunliche Detail zutage. Der Fund stellt eine große Überraschung dar. Gemeinsam mit den Funden der vergangenen Jahre weist das neue Fossil darauf hin, dass vermeintlich primitive Körperformen sehr viel länger erfolgreich waren und dass ihr Aussterben am Ende des Kambriums weit weniger dramatisch ausfiel als bisher angenommen worden war.

Weitere Informationen: Der Artikel in Current Biology, Haug, Joachim T.,
Mayer, Georg, Haug, Carolin, Briggs, Derek E.G.: „A Carboniferous Non-Onychophoran Lobopodian Reveals Long-Term Survival of a Cambrian Morphotype“, Elsevier, Current Biology 22(18). http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2012.06.066

Pressemitteilung Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 17. 8. 2012
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Veröffentlicht 26. August 2012 von Martina Wichor