Archäologie

Land fördert archäologische Ausgrabungen im Tollensetal

Die Fundstelle hat großes Potenzial für die wissenschaftliche Forschung

Ausgrabungen im Tollensetal, Foto: BM M-V7.5.2014 – Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt in diesem und im kommenden Jahr die archäologischen Ausgrabungen im Tollensetal bei Neubrandenburg mit Landesmitteln in Höhe von insgesamt 90.000 Euro. Im Jahr 2014 sind 50.000 Euro vorgesehen, im Jahr 2015 stehen 40.000 Euro zur Verfügung. Die beiden Leiter des Tollensetal-Projektes haben gemeinsam mit dem Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mathias Brodkorb in Schwerin jüngste Forschungsergebnisse vorgestellt. Im Jahr 1300 v. Chr. hat es nördlich von Altentreptow zwischen den Dörfern Weltzin und Wodarg im Tollensetal bei Neubrandenburg eine Schlacht gegeben. Am Ende der Ereignisse lagen die Leichen von mehreren Hundert Männern und etlichen Pferden im Tollensetal. Die Verletzungsspuren deuten darauf hin, dass die Männer mit Pfeil und Bogen und mit Holzkeulen angegriffen wurden. „Die Art und die Dimension des Konfliktes sind einmalig. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine vergleichbare Fundstelle aus dieser Zeit“, sagte der Minister für Bildung Wissenschaft und Kultur Mathias Brodkorb. „Die Fundstelle hat großes Potenzial für die wissenschaftliche Forschung menschlichen Konfliktverhaltens. Sie lässt darüber hinaus wesentliche neue Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Zusammensetzung der Bevölkerung und über die Mobilität von Menschen und Waren um 1300 v. Chr. erwarten“, so Brodkorb.

„Im Tollensetal wird die Geschichte nicht umgeschrieben ‑ hier wird ein ganz neues Kapitel der Bronzezeit aufgeschlagen, das bisher niemand kannte“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landesarchäologe und einer der beiden Projektleiter, Dr. Detlef Jantzen. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Terberger, der am Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege tätig ist, betonte: „Die Grabungsergebnisse der letzten Jahre haben meine Erwartungen bei weitem übertroffen, und es wird immer deutlicher, dass die außergewöhnlichen bronzezeitlichen Funde aus dem Tollensetal von international herausragender Bedeutung sind.“ In jener Zeit setzten sich im Mittelmeerraum die „Seevölker“ in Bewegung, zerschlugen die alten Strukturen und standen schließlich an den Grenzen Ägyptens. Dadurch gerieten nicht nur die politischen Strukturen im Mittelmeerraum ins Wanken, sondern die Auswirkungen waren weit darüber hinaus spürbar. In der Zeit um 1300 v. Chr. fanden weitreichende Änderungen der politischen, wirtschaftlichen und religiösen Verhältnisse statt. Anders als im Mittelmeerraum, wo es aus dieser Zeit schon schriftliche Überlieferungen gibt, sind sie an der südlichen Ostseeküste aber wesentlich schwerer zu verstehen. Gefördert wird das Tollensetal-Forschungsprojekt seit 2009 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Neben den Trägern des Projektes haben sich bislang mehr als ein Dutzend Partner, Anthropologen, Mediziner, Botaniker, Geologen, Archäozoologen, Paläogenetiker oder Techniker aus der Bundesanstalt für Materialforschung und ehrenamtliche Helfer beteiligt. Die Universitäten von Aarhus (Dänemark), Hamburg, Rostock, Mainz, Hannover und Hildesheim sind involviert sowie die Freie Universität Berlin, das Deutsche Archäologische Institut und die Römisch-Germanische Kommission.

DFG bewilligt 527.000 Euro: Ausgrabungen im Tollensetal werden bis 2014 fortgesetzt

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dem Forschungsprojekt zum Tollensetal weitere 527.000 Euro bewilligt. Damit werden die Ausgrabungen unter der Federführung der Universität Greifswald und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege bis 2014 fortgesetzt. Die Arbeiten haben bereits wieder begonnen und gleich zu Beginn konnten bemerkenswerte Funde und Hinweise auf eine Holzkonstruktion erzielt werden.

Im Tollensetal nördlich von Altentreptow sorgen archäologische Funde seit Jahren für Furore. Seit 2010 erforschen Archäologen, Anthropologen, Geowissenschaftler und Mediziner die Überreste eines 3.300 Jahre alten Schlachtfeldes. Menschliche Skelettreste, teilweise mit Verletzungsspuren, aber auch Waffenfunde deuten auf einen bewaffneten Konflikt der Zeit um 1250 v. Chr. Während der Untersuchungen wurde im Sommer 2011 ein neuer spektakulärer Fundplatz entdeckt. Erstmals konnten auch einmalige Metallfunde geborgen werden. Daran waren ehrenamtliche Taucher des Landesverbandes für Unterwasserarchäologie des Landes maßgeblich beteiligt. Neben einem Goldspiralring, der in dieselbe Zeitphase wie die Skelettreste im Untersuchungsgebiet datiert wird, wurden auch in Deutschland bislang einmalige Zinnringe geborgen. Diese sind von besonderem wissenschaftlichem Wert, da Zinn zur Bronzeherstellung notwendig ist, als Rohmaterial in bearbeiteter Form für diesen Zeitraum aber bisher nur äußerst selten nachgewiesen werden konnte und den Handel dieses wichtigen Rohstoffes nach Norddeutschland nachweist.

Aufgrund der herausragenden Ergebnisse unterstützt die DFG die Fortführung des Forschungsprojektes nun für weitere zwei Jahre. Die Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit dem außergewöhnlichen Fundort beschäftigt, wird von Wissenschaftlern der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sowie des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege geleitet.

Presse- und Informationsstelle Uni HGW, 16. 7. 2012

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Veröffentlicht 16. August 2012 von Martina Wichor