Im Gespräch

Neurochirurgie – so speziell oder zu speziell

Praxis Dr. Oliver Spanehl, Foto: Martina Wichor(Martina Wichor, 8.5.2013) – Viele Menschen klagen über Rückenschmerzen, haben Probleme mit der Bandscheibe oder wissen nicht genau, woher der permanente Druck im Kopf kommt. In diesen Fällen kann nur ein Spezialist helfen. Um einige nützliche Informationen über das Thema „Neurochirurgie“ zu bekommen, traf ich mich mit Dr. med. Oliver Spanehl, der eine eigene Praxis in der Deutschen Med in Rostock leitet.

Erklären Sie bitte einem Laien, was man unter „Neurochirurgie“ versteht . . .

Wenn man als Arzt im Krankenhaus arbeitet, dann hat man es mit Schädel-Hirn-Verletzungen, Nerven/Nervengeschwülsten und Tumoren im Kopf zu tun. Um die kümmert sich nicht einfach irgendein Chirurg, der gerade Zeit hat. Diese Schäden müssen berufsspezialisiert behandelt werden, da als Arbeitsmittel vor allen Dingen ein Operationsmikroskop dient, wofür man wirklich eine sehr ruhige Hand braucht und dabei natürlich auch immer vorausschauend denken muss. Die Neurochirurgie ist eine hoch spezialisierte Art der Chirurgie als eigenständiges Fachgebiet.

In einer Praxis trifft man auf Indikationen wie Bandscheibenschäden und Rückenschmerzen – Schmerzsyndrome, die an den Nerven selber sitzen. Daher ist die Schmerztherapie hier die überwiegende Behandlungsform. Auch in diesem Fall muss man deutlich feststellen: Der Neurochirurg ist kein Neurologe, was die Diagnostik angeht, sondern ein autonomer Facharzt. Die Entscheidung für operative Maßnahmen wird nur gefällt, wenn klare Krankheitsbilder keine andere Wahl lassen.

Die Komplexität des Gebietes der Neurochirurgie erfordert eine lange Ausbildung. Wie verlief Ihr Weg bis zur eigenen Niederlassung?

Nach dem sechsjährigen Studium von 1987 – 1993 in Rostock musste ich für die Neurochirurgie eine noch weitere sechs Jahre dauernde Facharztausbildung absolvieren. Ich war an vielem interessiert – vor allen Dingen an der Chirurgie – und suchte mir daher Stationen aus, an denen ich nach Möglichkeit viel und Unterschiedliches lernen konnte. Wenn man an einer Klinik bleibt, gewinnt man nur in das Spektrum dieses Krankenhauses entsprechende Einblicke – ich aber wollte mehr. Leider erhielt ich bei der Suche nach einer Stelle nicht überall gleich einen Ausbildungsvertrag, so dass ich doch einige Standorte durchlief. Ich ging von Rostock in die Rehaklinik Waldeck. Danach führte mein Weg in das Kreiskrankenhaus Güstrow, da ich unbedingt etwas Chirurgisches machen wollte. Dann gelangte ich nach Halle, wo es mit dem Spezialgebiet „Neurochirurgie“ anfing. Da ich dort nur auf einer Art Praktikumsstelle saß, da die Facharztweiterbildung bereits belegt war, bewarb ich mich in Leipzig, wo so einige interessante Herausforderungen auf mich warteten. Dann war Magdeburg mein nächster Anlaufpunkt, darauf folgte, auch der Familie wegen, Berlin. Die Arbeit im Unfallkrankenhaus Marzahn war vielseitig und informativ, aber dann wurde der Wunsch immer stärker, eine eigene Niederlassung gründen zu wollen. Etwas Eigenes zu haben, wo man mitgestalten kann.

Selbst etwas aufzuziehen, strukturieren und arrangieren zu können – waren das die ausschlaggebenden Punkte, um eine eigene Praxis zu eröffnen?

Ja, genau. Mitgestalten, um Einfluss zu haben. Nicht nur abarbeiten und funktionieren im System, sondern selber auch Maßstäbe setzen, Vorbild für die Mitarbeiter sein – das sind die Gründe, warum ich eine eigene Niederlassung leite. Ich liebe meine Arbeit, und ich liebe es, für die Patienten da zu sein. Ich mag die Herausforderungen, jeder Tag ist anders. Auch wenn man grundsätzlich feststellt, das Übel sind Rückenschmerzen, so ist es jedes Mal doch eine andere Diagnose, da es in der Neurochirurgie so viele Feinheiten gibt. Ich habe immer den Ehrgeiz, mit einer entsprechenden Therapie für den Patienten erfolgreich zu sein. Ständige fachliche Weiterbildung ist dafür Voraussetzung. Die Belastung in einer Praxis ist höher als in einer Klinik, aber man geht zufriedener nach Hause, weil man selbst für sich entschieden hat, diesen eigenen Weg zu gehen. Auch die Dankbarkeit der Patienten innerhalb einer stressigen Woche ist eine ganz andere, als wenn man innerhalb eines Krankenhauses als Arzt tätig ist.

Operieren Sie auch jetzt noch?

Zur Erfahrungsbildung muss ja jeder Arzt in unserem Spezialgebiet eine gewisse Art und Anzahl von Operationen gemacht haben. Wir verfügen über Belegbetten im Krankenhaus Güstrow, mit dem wir seit 2006 sowohl mit der Chrurgie als auch der Neurologie eine Kooperation pflegen, die sehr gut klappt. Hier operieren wir Patienten an der Hals- oder Lendenwirbelsäule, aber überweisen auch Kranke, die konservativ behandelt werden können. Eine weitere gute Zusammenarbeit gibt es mit dem Südstadt-Klinikum in Rostock. Die reine Neurochirurgie, also das, was die Operationen im Kopf selbst angeht, kann man nicht mit Belegbetten machen. Zum einen traue ich mir diese Operationen zwar zum Teil ebenfalls zu, aber als Nachsorge sind dann Intensivstation und eine weitere vernünftige Nachbetreuung nötig. Das erfordert aufgrund von möglichen Komplikationen Bereitschaftsdienst – Tag und Nacht – in der Klinik – das ist neben einem laufenden Praxisbetrieb nicht machbar.

Greifen Sie schnell zum Skalpell?

Die Tendenz, die man gerade im Fachgebiet der Neurochirurgie sehen kann, verläuft dahingehend, dass diese Operationen wahrscheinlich gut abzurechnen sind – besonders, was den stationären Bereich angeht. So entstanden in vielen kleinen Kliniken „Splitter-Neurochirurgien“, die einfach nur zum „Abarbeiten“ da sind. Dadurch werden natürlich auch Operationszahlen gesteigert, wo zum Teil Patienten gar nicht operiert werden müssten. Wir selber – und auch unsere Patienten – möchten möglichst spät einer Operation zustimmen. Erst wenn sich dafür ganz klare Indikationen ergeben, raten wir in Verantwortung natürlich auch dazu. Allerdings gibt es viele grenzwertige Fälle, wo es möglich ist, mit konservativen Therapien eine Operation zu verhindern oder hinaus zu zögern.

Was gibt es Besonderes in Ihrer Praxis – welche Behandlungsmethoden bevorzugen Sie?

In der Niederlassung arbeiten auch ausländische Ärzte. Das belebt den Praxis-Alltag, da die Kollegen ganz andere Erfahrungswerte mit einbringen. Dann arbeite ich mit Schmerztherapeuten in Rostock zusammen, um bestimmte Fragestellungen und auch ungünstige Verläufe von Krankheitsbildern interdisziplinär koordinieren zu können. Da geht es u. a. um Schmerzbewältigung und Schmerzverarbeitung. Zusätzlich gibt es Verbindungen zur Neurochirurgie in der Universitätsklinik Rostock und zum Bestrahlungszentrum am Güstrower Krankenhaus. Ich berate im Rahmen von Doktorarbeiten, wir machen klinische Studien und sind auf dem neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse. Auch durch meine Funktion als Vorsitzender des KV MV des Berufsverbandes Deutscher Neurochirurgen e. V. und als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) komme ich immer an aktuelle Fakten.

Wir stehen für individuelle Therapiekonzepte und schonende Behandlungsmethoden und helfen bei Schmerzen im gesamten Wirbelsäulenbereich. Dafür nutzen wir: Konservative Therapie, CT-navigierte Therapie, Thermosonden, IDET, ambulante und mikroskopische Operationen, Nucleoplastie, Schmerzkatheter . . .

Wie kann man den Schmerzen vorbeugen?

Man muss erst einmal wissen, dass eine Bandscheibe im Krabbelalter durch kleinste Gefäße versorgt wird. Wenn man dann aufsteht, baut sich langsam ein Druck auf der Bandscheibe auf. Durch eine Be- und Entlastung bei Bewegung wird aus der Bandscheibe entsprechend Flüssigkeit ausgeschwemmt, bei intensivem Sport z. B. entsteht ein Unterdruck, wodurch die Nährstoffe mit Flüssigkeit wieder zurück kommen. (Diffusionsprinzip) Wenn jetzt aber der Faserring, der den Bandscheibenkern umgibt, abgenutzt ist – z. B. durch einseitige Bewegungen wie bei Kraftfahrern – dann verschleißt die Bandscheibe schneller. Bei Bewegungsmangel ist es genau dasselbe. Andererseits gibt es auch genetisch bedingte Bandscheibenschäden, die von Familienmitgliedern vererbt wurden, aber es ist natürlich keine Erbkrankheit im eigentlichen Sinn.

BEWEGUNG ist das WICHTIGSTE für die Bandscheibe! Auch wenn es bereits zum Verschleiß gekommen ist, gilt dieser Fakt. Die Bandscheibe unterliegt auch selbst einer ganz normalen Alterung – egal, ob wir eine hohe körperliche Belastung haben oder nicht. Wenn wir älter werden, müssen wir damit rechnen, dass Haltungsschäden dazu beitragen, Rückenschmerzen zu verursachen. VORBEUGEN ist SPORT! Man kann Fahrrad fahren oder schwimmen gehen. Es gibt wissenschaftlich nachgewiesen keine Sportart, die die alleinige und beste für Rücken und Bandscheiben ist. Man sollte das tun, was einem Spaß macht, jedoch mit einem gewissen Trainingsziel. Man darf sich nicht quälen, es muss individuell passen – alles, was nicht zu einer Schmerzerhöhung führt, kann man sich aussuchen. Wichtig ist das positive Denken. Es wird niemals wieder so werden, wie es vorher einmal war. Es darf nicht das Ziel sein, völlig beschwerdefrei werden zu wollen. Man sollte sich fragen, was kann ich alles – und nicht, was kann ich alles nicht.

Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses aufschlussreiche Interview und die Zeit, die Sie sich trotz der umfangreichen Arbeit dafür genommen haben, Herr Dr. Spanehl.

Neurochirurgische Praxis, Dr. med. Oliver Spanehl, Am Vögenteich 25, 18055 Rostock, Fon: 0381-37555333, Fax: 0381-37555334, http://www.neurochirurgie-rostock.de

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Das Zweirad raus – der Frühling lockt

(Martina Wichor, 5.3.2013) – Ehe wir wieder klingelnd und knatternd durch die Landschaft kurven, ist es angebracht, das Vehikel gründlich auf Fahrtauglichkeit zu überprüfen. Ich gab also meinen Drahtesel in den Frühjahrscheck und kam mit dem Geschäftsführer Michael Küppers von „Radwelt Küppers“ ins Gespräch:

Auf was legen Sie bei der Kontrolle als Fachmann besonderen Wert?

Verkehrssicherheit steht an erster Stelle. Wir sind bestrebt, dass sich alle, die Fahrrad fahren, für ein vernünftiges Rad entscheiden. Das heißt für Räder, die technisch in einem einwandfreien Zustand und auch nach der StVO zugelassen sind. Das unterstützen wir mit einer kostenlosen Jahresdurchsicht für alle in unserem Geschäft gekauften Fahrräder, bieten aber auch sonst weitreichenden Service für Räder aller Art.

Was kann ich bei Ihnen für ein Angebot erwarten?

Wir arbeiten mit fünf unterschiedlichen Fahrradherstellern zusammen. Unsere Palette reicht von City-Damen- und Herren-Rädern über Kinder- und Sporträder bis hin zu den aktuell sehr im Trend liegenden E-Bikes. Natürlich verfügen wir über eine breit gefächerte Auswahl an Zubehör wie Helme, Gepäckträgertaschen, Körbe, Kindersitze sowie Kleinteile wie Schlösser, Klingeln, Nabenputzer, Computer usw. Auch spezielle Wünsche sind meist kein Problem für uns. So ist es auch möglich, ein Rad nach Baukastensystem zusammen zu stellen, allerdings wird das nicht so oft in Anspruch genommen. In der Saison aktivieren wir den Fahrradverleih. Einzelne Varianten von Fahrrädern können unter http://www.radwelt-kueppers.de aufgerufen werden.

Sie sprachen von E-Bikes – was ist das Besondere daran?

Unser Team war auf der Viva Touristika im Januar 2013 in Rostock vertreten. Das Hauptaugenmerk der Besucher lag auf dem Elektrorad – oder auch Elektrofahrrad genannt. Das sind die Oberbegriffe für Fahrräder mit Motorunterstützung. Es gibt drei Kategorien: Pedelecs, Pedelecs (S-Klasse) und die klassischen E-Bikes. Normale Pedelecs z. B. können bis zu 25 km/h auf dem Radweg fahren, es besteht keine Helmpflicht. Die Pedelecs der S-Klasse leisten bis zu 45 km/h und zählen zu den Kleinkrafträdern. Der Käufer benötigt eine Einzelzulassung des Herstellers, muss das Mindestalter von 15 Jahren und mindestens einen MOFA-Prüfschein haben sowie ein Versicherungskennzeichen beantragen. Der Helm ist zwar hier ebenfalls nicht vorgeschrieben, aber ich kann die Nutzung dieses wichtigen Utensils jedem nur sehr ans Herz legen.  Für die E-Bikes, die eine Leistung bis zu 20 km/h besitzen, gelten zum Fahren die gleichen Voraussetzungen wie bei der S-Klasse. Interessierte für diese Räder können sich gern von uns beraten lassen.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, dieses Fachgeschäft zu eröffnen?

Ich fuhr früher professionell Fahrrad und wurde vom Leistungszentrum der Insel Rügen (Prora) zur Kinder- und Jugendsportschule (KJS) nach Frankfurt/Oder delegiert. Die Liebe verführte mich später dazu, meine Zelte in Rostock aufzuschlagen. Der Zufall wollte es dann, dass ich in den Handel gehen und einen Laden einrichten konnte. So bin ich der Branche treu geblieben und gebe meine Erfahrungen an das Team und die Kunden weiter. Die Lage hier im Einkaufszentrum ist zudem von Vorteil, da wir einen zahlenmäßig hohen Durchlauf haben. Es macht einfach Spaß.

Wo sind Sie künftig noch präsent?

Unser gemeinsames Engagement erstreckt sich auch auf das Sponsoring von Sportvereinen hier in Rostock, wir unterstützen Kindergärten und Schulen etwa ein- bis zweimal im Jahr bei besonderen Veranstaltungen. Mit der Firma Bergamont sind wir auf der Hanse Sail im August vertreten. Da für mich auch immer der gesundheitliche Aspekt des Radfahrens eine große Rolle spielt, bin ich bei der jährlich stattfindenden „Warnowtour“, die diesmal am 28. April stattfindet und von der HanseMesse zum Flugplatz Purkshof und zurück führt, aktiv dabei.

Sie haben einen Wunsch frei . . .   Ich wünsche mir, dass bei schönem Wetter jeder Zweite auf das Rad steigt und das Auto stehen lässt.

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VORSCHAU ! ! !       Die weiteren Interview – Themen

Des weiteren geplant: Unternehmen (Ludwigslust/Parchim) – Unternehmen (Vorpommern) – Seemannsmission  –  Kreuzschifffahrt  –  Aquakultur  –  Wetter-/Meeresforschung

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Veröffentlicht 5. März 2013 von Martina Wichor