Forschung

Wie Hirnstimulationen unsere Bewegungen steuern

Universität Rostock erforscht den freien Willen

Im Labor der Bewegungswissenschaft werden Studierende mit neuesten Entwicklungen der Motorik und Biomechanik vertraut gemacht, wie hier Julian Albrecht (li) durch Prof. Dr. Volker Zschorlich, Foto: Thomar Rahr/ITMZ Uni Rostock9.1.2014 – Haben Menschen einen freien Willen? „Das ist eine philosophische Frage, die sich mit naturwissenschaftlichen Methoden unserer Meinung nach wohl nicht beantworten lässt“, meint der Bewegungswissenschaftler Professor Volker Zschorlich von der Universität Rostock. Er ist gemeinsam mit dem Physiologen Professor Rüdiger Köhling dem Phänomen nachgegangen, wie Gedanken Bewegungen verursachen. „Es war ein Zufallsexperiment, das uns zielgerichtet zur Forschung führte, wie durch magnetische Hirnstimulationen Intentionen, also eine bewusste Bewegungsabsicht des Menschen, aufgedeckt werden kann“, sagt Zschorlich, der sich seit über 35 Jahren der Motorikforschung verschrieben hat und fasziniert von den neusten Erkenntnissen ist.  „Durch ein Hirnstimulations-Experiment fanden wir Hinweise dafür, dass bewusste Intentionen der Bewegungsausführung vorangehen und deren Richtung und Kraft vorgeben“. Ohne Bewegungsintention hingegen lassen sich durch die gleichen schwachen Magnetstimulationen nur ungerichtete Muskelzuckungen auslösen, die zudem zu schwach sind, um echte Bewegungen der Hand zu bewirken. Die Studie liefert einen starken Hinweis dafür, dass eine bewusste Bewegungsintention bereits im Verlauf der Bewegungsvorbereitungsphase aufgebaut wird – und zwar vor der Bewegungsausführung.

Das Experiment der beiden Rostocker Wissenschaftler unterstreicht die Bedeutung bewusster Bewegungsintention: „Es gibt zumindest unter unseren Versuchsbedingungen eine bewusste Intention vor der Bewegung“, verdeutlicht Zschorlich. „Das klingt banal, ist aber umstritten“, sagt der Wissenschaftler. Diskutiert wurde sowohl von philosophischer wie auch neurobiologischer Seite unter anderem auch, ob das Gehirn nach oder während der Bewegungsausführung erst eine bewusste Intention konstruiert, quasi eine Erklärung für das Handeln nachliefert. „Der Diskurs geht sogar so weit, dass einige Kolleginnen und Kollegen den freien Willen als Handlungsbasis des Menschen negieren“, weiß Zschorlich. Die Forschung der zwei Wissenschaftler, die innerhalb des interdisziplinären Departments Ageing of Individuals and Society der Universität Rostock kooperieren, deckt einen neuen Ansatz auf dem Weg zum Verstehen des Zusammenhangs zwischen Willen und Handlung auf. Weitergehende Studien belegen allerdings auch: „Es gibt viele externe Einflüsse, die die Motorik beeinflussen“, so Zschorlich über die bereits laufenden Folgeexperimente. Weiter im Text unter http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/wie-hirnstimulationen-unsere-bewegungen-steuern/

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Zum Lutherjahr 2017 wird die Bibel sprachlich aktualisiert

Experten wollen Luthers Wortgewalt nicht antasten

Von Wolfgang Thiel

Der Literaturwissenschaftler Professor Albrecht Buschmann, der mit dem Theologen Professor Martin Rösel mit an der Neuübersetzung der Bibel arbeitet, Foto: ITMZ/Universität Rostock16.10.2013 – Luthers Bibelübersetzung steht auf dem Prüfstand. Sie wird sprachlich aktualisiert. Der Rostocker Theologie-Professor Martin Rösel und Literatur-Professor Albrecht Buschmann (beide Universität Rostock) sind maßgeblich an diesem großen Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt. Ein Übersetzer-Workshop in Rostock vom 17. bis 19. Oktober soll gezielt helfen, die Kompetenzen der Übersetzer (selbst-)kritisch zu verbessern. Prominentester Teilnehmer der Tagung wird der Vorsitzende des Rates der EKD, Dr. Nikolaus Schneider, sein. Als Dozenten konnten mit Rosemarie Tietze, Thomas Brovot und Andreas Tretner drei mehrfach preisgekrönte Profi-Übersetzer gewonnen werden, die seit Jahren als literarische Übersetzer wie als Dozenten für literarisches Übersetzen tätig sind. Der Workshop knüpft an die praxisorientierten Forschungen der Arbeitsgruppe Übersetzen der Profillinie Wissen – Kultur – Transformation an, bei denen sich Wissenschaftler der Uni­versität Rostock interdisziplinär mit Fragestellungen an der Schnittstelle zwischen Theologie und Philologie beschäftigen. Gemeinsam mit hauptberuflichen Übersetzern analysieren und diskutieren sie u. a. Luthers Stil. Dabei geht es einerseits um die Frage, wie Luther es erreichte, „klar und gewaltiglich“ zu übersetzen, andererseits darum, wie man seine Übersetzungsverfahren reproduzieren und an heutiges Sprachempfinden anpassen kann.

„Wer die Luther-Bibel übersetzt, revidiert oder durchsieht, steht nicht nur vor einer theologischen Herausforderung, sondern auch als Sprachpfleger unter besonderer Beobachtung“, weiß Prof. Buschmann. Immerhin beschäftigen er und Prof. Rösel sich mit einem, „wenn nicht mit dem Schlüsseltext der deutschen Sprache“. Über 50 Experten sind insgesamt daran beteiligt, das letztmalig 1984 sprachlich überarbeitete „Buch der Bücher“ auf neuesten Stand zu bringen. Einzelne Teile der Bibel sind an Arbeitsgruppen verteilt worden, die alles heute verfügbare Wissen über den Text zusammentragen. „Und da hat sich seit 1984 eben auch Neues ergeben“, unterstreicht Rösel. Zunächst werde geprüft, „ob aus philologischer oder theologischer Sicht neue Formulierungen nötig sind“. Da es sich um eine Durchsicht und nicht um eine Neuübersetzung handelt, geht es aber immer darum, Luther nicht zu verfälschen: also sein „klar und gewaltiglich“ im Ohr zu behalten, betonen der Theologe Rösel wie der Literaturwissenschaftler Buschmann.

Gerade bei bekannten Textstellen (etwa die Weihnachtsgeschichte) oder liturgisch eingeführten Wortfolgen (z.B. in Gottesdiensten häufig benutzte Textstellen) wird aber auch gesagt: Luthers Übersetzung ist zwar nicht ganz korrekt (z.B. weil er einen aus heutiger Sicht weniger vertrauenswürdigen griechischen oder hebräischen Text vorliegen hatte) – aber eine Änderung wäre für die Gemeinde nur schwer zu akzeptieren. In solchen Fällen wird es Fußnoten geben, die die Sachlage erklären. Aus übersetzerischer Perspektive gesehen würde man heute sicher mehr ändern. Aber: „Viele Bibelstellen sind den Menschen ja vertraut und persönlich wichtig. Da muss jede Änderung, auch wenn sie eigentlich philologisch sinnvoll oder theologisch zwingend scheint, sorgfältig bedacht werden“, gibt Rösel zu bedenken. Übersetzen ist hier ein Jonglieren mit vielen Bällen. Hinzu kommt, dass Luthers Sprache das Deutsche entscheidend mit geprägt hat und viele seiner Bibel-Formulierungen nun einmal den Maßstab dafür bilden, wie kraftvolles Deutsch klingt. Auch deshalb verbietet es sich immer wieder, seine Formulierungen zu verändern. Eines aber steht fest: bis zum Lutherjahr 2017 muss die neue Luther-Bibel fertig gedruckt vorliegen.

Das BACOSA-Verbundprojekt

Unterwasservegetation der Ostseeküste wird erforscht

Svenja Karstens, Foto: Pressestelle Universität Rostock(v. l. n. r.): Stefan Forster, Franziska Schwark, Svenja Karstens, Maximilian Berthold, Franziska Bitschofsky, Antje Kerkow, Jutta Meyer, Foto: Pressestelle Universität RostockUniversität Rostock 7.8.2013 – Welchen Einfluss haben Wasserpflanzen auf Nährstoffkreisläufe und Sedimentationsgeschehen an den Küsten der Ostsee? Dieser Frage wollen Wissenschaftler in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt BACOSA (Baltic Coastal System Analysis and Status Evaluation) auf den Grund gehen. Pflanzenbestände in den Flachwasserbereichen der Ostsee bremsen die Fließgeschwindigkeit und erlauben so eine erhöhte Ablagerung von Sedimenten. Darüber hinaus speichern sie Nährstoffe, die vom Land in die Küstengewässer eingetragen werden. „In welchem Maß dies geschieht und in welcher Form die Nährstoffe anschließend wieder freigesetzt werden, ist bisher allerdings kaum bekannt“, sagt Dr. Maike Piepho vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock.  Forscher der Universitäten Rostock, Greifswald und Kiel haben sich zu diesem Zweck im Juni und Juli auf den Weg gemacht und insgesamt sechs verschiedene Küstenbereiche entlang der Ostseeküste beprobt. Von der Geltinger Bucht bei Flensburg, über Fehmarn, Salzhaff, Darß-Zingster Boddenkette und Hiddensee bis zum Greifswalder Bodden wurden Gewässer- und Sedimentzustand zwischen Schilfgürtel, Unterwasservegetation und vegetationsfreien Bereichen verglichen. Zusätzlich wurden die Strömungsgeschwindigkeit und die Trübung innerhalb und außerhalb von Pflanzenbeständen bestimmt. Die Standorte unterscheiden sich durch ihre Entfernung von der Nordsee deutlich in ihren Salzgehalten, was einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung und Funktion der Unterwasservegetation haben kann. Die umfangreiche Datensammlung der Kampagne wird derzeit ausgewertet. Im Jahr 2014 sollen die jetzt gewonnenen räumlich aufgelösten Daten durch zeitlich aufgelöste Daten ergänzt werden. Geplant ist eine monatliche Beprobung zweier ausgewählter Standorte in der Darß-Zingster Boddenkette, um die Veränderungen und Einflüsse der Unterwasserpflanzen und des Schilfs im Jahresverlauf verfolgen zu können.  BACOSA ist Teil des Forschungsverbundes Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee (KüNO) im Rahmen des BMBF-Programms Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA). Das Projekt läuft bis 2016.

In einer Reihe mit Oxford und Cambridge

Britische Huffington Post: Uni Rostock ist eine der 15 schönsten der Welt

Universitätsbibliothek, Foto: Pressestelle Universität RostockInstitut für Informatik, Foto: Pressestelle Universität RostockDie britische Huffington Post kürte die Universität Rostock zu einer der 15 schönsten Universitäten der Welt (siehe: www.huffingtonpost.co.uk/2013/07/11/worlds-most-beautiful universities_n_3578402.html).  „Die Universität Rostock ist mit ihrem Gründungsdatum 1419 eine der ältesten Universitäten der Welt“, schreibt die Huffington Post und würdigt vor allem, dass sie heute eine gelungene Mischung aus alter und moderner Architektur verkörpert, was zum Beispiel sehr gut am Kontrast der neuen Universitätsbibliothek und dem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Institut für Anatomie ablesbar ist. Das bereits bezogene neue Institut für Informatik und das in Bau befindliche Institut für Physik mit angeschlossenem Laborgebäude für die Profillinie Life, Light and Matter auf dem Campus Südstadt sind nur einige Beispiele für zahlreiche moderne Neubauten, die zur Zeit für die Universität Rostock errichtet werden.

Universitätshauptgebäude, Foto: Pressestelle Universität RostockInstitut für Anatomie/Oscar-Langendorff-Institut für Physiologie, Foto: ITMZ/Universität RostockGleichzeitig investierte das Land Mecklenburg-Vorpommern 14 Millionen Euro in die Grundsanierung des historischen Universitätshauptgebäudes in der Innenstadt, das aus dem Jahr 1870 stammt. Die Bauarbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Die Universität Rostock findet sich im Ranking der Huffington Post als einzige deutsche Universität neben so renommierten Universitäten wie Cambridge (GB), Oxford (GB), Peking (China), Kapstadt (Südafrika), University of Sydney (Australien), Xiamen University (China), Aarhus (Dänemark), Moskau (Russland) oder der University of Virginia (USA). „Das ist wirklich ein Grund zur Freude“, sagte Rektor Professor Wolfgang Schareck. „Am meisten freut mich, dass die inspirierende Verbindung von Tradition und Innovation, wie sie unser Motto traditio et innovatio zum Ausdruck bringt, auf diese Weise gewürdigt wird.

Blöde Ziege? – Junge Forscherin widerlegt diese Hypothese

Von Wolfgang Thiel

Dr. Susann Meyer mit einer Zwergziege aus dem Rostocker Zoo, Foto: privatBlöde Ziege, dumme Gans, doofe Kuh: Der Mensch traut Nutztieren eher wenig Intelligenz zu. „Stellt man ihnen allerdings die richtigen Aufgaben, beweisen sie eine hohe Lernfähigkeit“, sagt die 27-jährige Wissenschaftlerin der Universität Rostock, Dr. Susann Meyer. Am Beispiel von Zwergziegen hat die Forscherin am Institut für Verhaltensphysiologie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf herausgefunden, dass Ziegen beachtenswerte kognitive Fähigkeiten haben. Einerseits sind Ziegen sehr scheu, andererseits ausgesprochen neugierig. Letztere Eigenschaft hat sich die Rostocker Wissenschaftlerin für ihre Forschungszwecke zunutze gemacht. In den Ställen stand während der Versuche 24 Stunden am Tag ein Lernautomat zur Verfügung, sodass er von jedem einzelnen Tier nach eigenem Ermessen betreten werden konnte. „Um herauszubekommen, was Ziegen können, muss man sie bei den Hörnern packen, also etwas finden, was sie unbedingt haben wollen. In diesem Fall ist es Wasser, was auch nur am Lernautomaten für die Ziegen zur Verfügung stand. Da die Tiere sehr gute visuelle Fähigkeiten besitzen, werden ihnen im Lernautomaten auf einem Bildschirm Aufgaben in Form von vier verschiedenen Symbolen angeboten, deren Anordnung nach jeder Wahl verändert wird. Bei der Wahl des als richtig definierten Symbols bekommt die Ziege als Belohnung eine Portion Trinkwasser. Der Lernautomat ist von außen abgeschirmt, so dass keine Ziege von der anderen „abgucken“ kann.

„Die Ziegen lernen sehr schnell die Symbole zu unterscheiden und wissen, welches eine Belohnung verspricht“, sagt Susann Meyer. Bei der ersten Aufgabe einer solchen Art brauchen die Tiere etwa 10 Tage, um sich mit den Symbolen vertraut zu machen und wählen zwischen 150 und 250-mal am Tag am Lernautomaten. Nach mehreren Tagen bekommen die Tiere dann jeweils eine neue Aufgabe, die wieder aus vier anderen Symbolen besteht, angeboten. „Weil die Tiere gelernt haben, dass ein Symbol eine Belohnung verspricht, bekommen sie dann schneller heraus, welches das ist“. Nach nur wenigen Aufgaben wählen die Ziegen nur noch 30- bis 40-mal am Tag, und decken durch die hohe Anzahl an Richtigwahlen ihren täglichen Bedarf an Wasser. Die Ziegen können eine große Anzahl solcher unterschiedlicher Symbole auch über längere Zeiträume behalten. Über solche visuellen Wahlaufgaben konnten wir beispielsweise nachweisen, dass Zwergziegen, genauso wie wir, in Kategorien denken können. Wir sehen auf einen Blick, dass es sich, egal mit welcher Farbe oder Größe, beispielsweise um einen Stuhl handelt. Zwergziegen können auf Grund einer bestimmten Gemeinsamkeit verschiedenste Symbole unterscheiden. Solche kognitiven Herausforderungen im Stallalltag dienen zudem der Beschäftigung der Tiere, die sich wiederum positiv auf das tierische Wohlbefinden auswirken können. Langeweile und Beschäftigungslosigkeit der Tiere im Stall hingegen kann sich negativ auf das Verhalten und Wohlbefinden auswirken. Ob bei Ziegen durch solche kognitiven Beschäftigungen die Milchleistung und die Fleischqualität verbessert wird, ist aber noch nicht erforscht. Fest steht jedoch, dass Ziegen, die abwechslungsreich gehalten werden, neugieriger und offener mit neuen Situationen umgehen.

Anders bei Schweinen: Im Vergleich zu Ziegen verfügen die Borstentiere über bessere akustische, als visuelle Fähigkeiten. Wissenschaftler des Instituts für Verhaltensphysiologie am FBN Dummerstorf haben herausgefunden, dass die Tiere innerhalb weniger Tage einen individuellen Ton bzw. 3-silbigen Namen lernen, mit dem sie einzeln zum Futtertrog gerufen werden. „Selbst in Gruppen von 60 Tieren reagiert ein Schwein, wenn es mit seinem Namen aufgerufen wird“, sagt Susann Meyer. „Durch diese Form der Beschäftigung konnten die Fleischqualität und Wundheilung der Schweine verbessert werden, die Aggressivität flaute ab und die Tiere sind aktiver und aufmerksamer“. Die Langeweile im Stallalltag muss vertrieben werden, um das Wohl der Tiere positiv zu beeinflussen, regt die Forscherin an. Für ihre Untersuchung an den Zwergziegen und deren Lernfähigkeiten erhält Dr. Susann Meyer im November den Forschungspreis der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN). Der wird in diesem Jahr zum elften Mal vergeben. Der Preis dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zeichnet insbesondere Diplom-, Master- und Doktorarbeiten sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen aus. Prämiert werden herausragende wissenschaftliche Leistungen, die der Weiterentwicklung der artgemäßen und verhaltensgerechten Tierhaltung dienen.

Erstes Krebsforschungsinstitut im Land

An der Universitätsmedizin Rostock wurde neues Institut geschaffen

Universität RostockProf. Dr. Dr. Brigitte Pützer, Foto: Pressestelle Universität Rostock 17.5.2013 – Das Institut für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung ging aus dem Arbeitsbereich für Vektorologie und Experimentelle Gentherapie hervor. Geleitet wird das neue Institut von Professorin  Dr. med. Dr. rer. nat Brigitte Pützer. „Bereits die Einrichtung des bundesweit ersten Lehrstuhls für Vektorologie vor zehn  Jahren durch die Universität Rostock war wegweisend“, sagt Professorin  Pützer. Das Team von Wissenschaftlern um die Professorin widmet sich der Erforschung molekularer Mechanismen der Tumorentstehung, Metastasierung und Chemoresistenz als Grundlage zur Entwicklung neuer Krebsmedikamente. Das neue Institut ist „ein entscheidendes Signal zur Stärkung der Krebs- und Stammzellforschung im Land Mecklenburg-Vorpommern“, so Professorin Pützer. Im wissenschaftlichen Interesse des Instituts steht die Aufklärung der Ursachen für die bösartige Ausbreitung von Tumoren. „Die Herausforderung, der wir uns jetzt im Kampf gegen Krebs stellen müssen besteht darin, die für die Aggressivität von Tumoren und deren Therapieresistenz verantwortlichen Gen-Signaturen zu identifizieren und für die individualisierte Krebstherapie klinisch nutzbar zu machen“, sagt die Direktorin. In diesem Fachgebiet hat der bisherige Forschungsbereich seit seinem Bestehen erfolgreiche Arbeit geleistet. Mit modernsten biotechnologischen Methoden und durch den Einsatz abgespeckter Viren, so genannter Vektoren, bearbeiten Professorin Pützer und ihre Mitarbeiter Grundfragen der Tumorentwicklung und Metastasierung bei unterschiedlichen Krebsformen in unterschiedlichen vorklinischen Modellen.

„Dabei sind Vektoren ein wichtiges Handwerkszeug zur Überprüfung unserer Hypothesen“ sagt Professorin Pützer. „Mithilfe maßgeschneiderter Vektoren können wir Krebszellen gezielt ansteuern und ihre Eigenschaften effizient verändern. Dadurch lässt sich die Wirksamkeit unserer Forschungsergebnisse im Tiermodell überprüfen.“  Gemeinsam mit den Mitarbeitern wurden mehrere Millionen Euro an Forschungsgeldern eingeworben. Diese Drittmittel werden von zahlreichen jungen Biologen und Medizinern in fachübergreifenden Projekten eingesetzt, um zusammen mit anderen Bereichen der Universität Rostock Fortschritte zu erzielen, die auch künftig internationale Anerkennung finden. „Nicht zuletzt lebt unsere Arbeit auch von der engen Anbindung an die klinisch tätigen Ärzte und deren Beobachtungen und Erfahrungen mit Patienten“ so Pützer. Darüber hinaus beteiligen sich Frau Pützer und ihre Mitarbeiter an der Lehre innerhalb der Medizin und dem Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock. „Durch spannende Vorlesungen und Seminare gelingt es uns, junge Menschen für das Fachgebiet und unsere Arbeit zu begeistern“, sagt Professor Pützer. „Auch deshalb bekomme ich viele Bewerbungen um Bachelor-, Master und Doktorarbeiten, so dass wir talentierte und motivierte Mitarbeiter gewinnen können“.

Rostocker Zoo ruft „DARWINEUM Lecture“ ins Leben

Kooperationsvereinbarung mit der Uni Rostock abgeschlossen

Zoodirektor Udo Nagel (li.) und der Biologe Prof. Stefan Richter von der Universität Rostock haben die gemeinsame Kooperationsvereinbarung im DARWINEUM unterzeichnet, Foto: Joachim KloockZoo Rostock 24.4.2013 – Der Rostocker Zoo und das „Zoologische Institut“ der Universität Rostock haben eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Der Lehrstuhl für Allgemeine und Spezielle Zoologie wird künftig eng mit den Ausstellungsexperten im DARWINEUM zusammenarbeiten. Ein weiteres Projekt ist die „DARWINEUM Lecture“, eine anspruchsvolle Vortragsreihe rund um die Evolution. „Die Universität Rostock hat das DARWINEUM als moderne Bildungseinrichtung in vielfältiger Art und Weise von Anfang an unterstützt“, betonte Zoodirektor Udo Nagel. So sind bereits alle Ausstellungstexte wissenschaftlich überarbeitet worden. „Jetzt haben wir die Kooperation verbindlich abgesteckt und erweitert“, so der Zoochef. Die Vereinbarung sieht unter anderem die fachliche Unterstützung der jeweils anderen Einrichtung bei der Ergänzung von Ausstellungen, wechselseitiges Ausleihen von Ausstellungsinhalten und Beratung von Ausstellungsvorhaben vor.

„Das Thema Evolution ist der rote Faden als Themenschwerpunkt im DARWINEUM und auch in unserer wissenschaftlichen Arbeit – so bietet sich eine Zusammenarbeit an“, erklärte Prof. Stefan Richter, Lehrstuhlinhaber für Allgemeine & Spezielle Zoologie der Universität. „Ich freue mich besonders, die neue Exposition im DARWINEUM-Komplex C konzipieren und vorbereiten zu dürfen“, so Richter. Gemeinsam mit der Abteilung Edutainment im Rostocker Zoo soll in den kommenden Jahren die Nachfolgeausstellung zur „Kulturellen Evolution des Menschen“ entwickelt werden. „Während die Dauerausstellung zur Evolution im Eingangsbereich mit den zeitepochalen Themenboxen punktuell ausgebaut wird, sollen im zweiten Komplex alle fünf Jahre neue Akzente gesetzt werden“, erläuterte Frank Fuchs, Abteilungsleiter Edutainment im Rostocker Zoo.

Ein weiterer Bestandteil der Zusammenarbeit ist die neu ins Leben gerufene „DARWINEUM Lecture“. Diese startet am Freitag, dem 18. Oktober 2013, mit einem Vortrag des Berliner Autoren und Evolutionsbiologen Dr. Matthias Glaubrecht (DARWINEUM, 19.30 Uhr). Der Zoologe wird zum Auftakt über „Darwin und Wallace: Der Wettlauf um die Evolutionstheorie.“ sprechen und dabei die dramatischen Ereignisse um die Entdeckung der Evolutionstheorie aus historischer Sicht unterhaltsam rekonstruieren. Künftig sind zwei Vorträge jährlich mit spannenden sowie überraschenden Themen rund um die menschliche Entstehungsgeschichte geplant. Weitere Informationen unter www.zoologie.uni-rostock.de

Das Kreuz mit der Handschrift

Mathematiker der Universität Rostock wollen Unleserliches leserlich machen

Mit Arabisch betrachten die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe (v.l.n.r.: Tobias Strauß, Roger Labahn, Gundram Leifert, Tobias Grüning) eine ihnen völlig unbekannte Schriftsprache, nichtsdestotrotz ist die Software in der Lage die Texte in wesentlichen Teilen korrekt zu erkennen, Foto: ITMZ Julia TetzkeUniversität Rostock 18.3.2013 – Das Kreuz mit der Handschrift. Der Traum: Ein Computerprogramm, das auch die unlesbarste Handschrift entziffern  kann. An diesem Ziel  forschen Mathematiker der Universität Rostock um Dr. Roger Labahn gemeinsam mit dem Schweriner Unternehmen Planet is GmbH.  „Die Leistung ist heute nicht mehr das Lesen maschinengeschriebener Texte, das kann  jeder Scanner, sondern die Entzifferung von Handschriften“. Und diesem Ziel wollen die Rostocker Mathematiker möglichst ganz nah kommen. Bei so genannten „Schönschreibern“ haben die Schrifterkennungsprogramme, die es heute bereits gibt, noch erhebliche Probleme. „Nicht jede Handschrift kann  aussehen wie ein Kulturdenkmal. Es ist auch eine liebenswerte Spur der Persönlichkeit“, konstatiert Dr. Labahn. Während es für einen Menschen meist keine große Schwierigkeit darstellt, die persönlichen Schnörkel verschiedener Schreiber zu entziffern, beherrschen Maschinen diese Kunst noch nicht wirklich befriedigend. Die große  Herausforderung für  die Rostocker Forscher: Das auf zwei Säulen stehende Verbundprojekt  zur Erkennung von Handschriften, an dem auf der einen Seite die mittelständische Firma, auf der anderen Seite die Universität knobelt,   soll eine Lösung bringen. Planet entwickelt das  Softwaremodule TextRecoPlus, mit der dann schließlich das wirkliche Lesen ganzer Adressen von Briefen möglich werden soll. Und die Firma stellt der Uni für das Verbundprojekt Daten und Software zur Verfügung. „Wir sind überzeugt, dass die Mathematiker in Rostock brauchbare Lösungen entwickeln werden“, sagt Planet-Mitarbeiter Jesper Kleinjohann. Bislang  kapituliert die Software noch oft, wenn sie mit schwer leserlicher Schrift konfrontiert wird,  besonders wenn einzelne Buchstaben auf unübliche Weise miteinander verbunden sind oder ineinander übergehen.

Die hohe Kunst der Schrifterkennungsprogramme bleibt vorerst die Entzifferung gebundener Schrift. „Wenn man nicht weiß, was die Handschrift bedeuten soll, dann ist es schwer, sie zu lesen“, sagt Dr. Labahn. Die Rostocker Forscher arbeiten deshalb mit  so genannten  Hierarchischen und Rekurrenten Künstlichen Neuronalen Netzen. „Das sind mathematische Strukturen, die dem menschlichen Hirn nachempfunden sind und es vermögen,  aus großen Datenmengen zu erlernen,  neue Bilder zu lesen“, erklärt Dr. Labahn.  Das Problem besteht jedoch darin, aus einem Bild mit Handschrift die Bedeutung zu rekonstruieren.  Es gibt zu viele mögliche Antworten auf die Frage, wo ein Buchstabe aufhört und der andere anfängt. Die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten ist eben groß, auch wenn man nur sinnvolle Wörter als Lösung zulässt. Deshalb werden an der Universität Rostock Algorithmen entwickelt und in akademischen Testszenarien implementiert und getestet. „Die Ergebnisse werden dann von unserem Praxispartner für die wirklichen Anwendungen erneut getestet und schließlich verwendet“, beschreibt Dr. Labahn das Szenario.  Sein Team hat inzwischen Kernalgorithmen entwickelt zum Erkennen von handgeschriebenen Worten. „Wir haben nichts von Grund auf Neues erfunden“, gibt sich Dr. Labahn bescheiden. Doch seinem Team gelang es inzwischen, bisher instabilen Algorithmen  Zuverlässigkeit einzuhauchen.
Bei der Schriftanalyse gehen moderne Zeichenerkennungsprogramme  nicht von einer Idealform der Buchstaben aus. Vielmehr  ist ein Ansatz eben die Verwendung von Neuronalen Netzen, die im Laufe der Zeit lernen, wie das ihnen vorgelegte Material richtig zu entziffern ist. Wenn man ihnen also oft genug sagt, was alles ein A ist, dann wird die „Vorstellung“ des Programms vom abstrakten A immer differenzierter, ohne dass zusätzliche Informationen von außen eingegeben werden müssen. „Optimierung des Abgleichs von Lesedaten  mit dem Wörterbuch“, nennt es Dr. Labahn, wenn dann schließlich aus einem längeren Muster aus mehr oder weniger zutreffend erkannten Buchstaben seine wahrscheinlichste Bedeutung in Form eines Wortes unserer Sprache abgeleitet wird.

Preis für Rostocker Wissenschaftler

Leica prämiert bestes Foto

Mikroskopisches Bild einer  Krebslarve, Foto: Martin FritschUniversität Rostock 11.1.2013 – Leica vergibt jährlich die Möglichkeit, eigens erstellte wissenschaftliche Bilder in den „Leica-Microsystems“ Jahreskalender aufzunehmen und ruft zu einem Fotowettbewerb auf. Unter allen Einsendungen werden die zwölf besten Fotos ausgewählt, die dann im Leica Jahreskalender zu sehen sind. Prof. Dr. Stefan Richter vom Lehrstuhl für Allgemeine und Spezielle Zoologie der Universität Rostock teilt hocherfreut mit, dass sein gerade erfolgreich promovierter Mitarbeiter, Martin Fritsch, den Preis für das schönste Foto bekommen hat.
Das von Martin Fritsch erstellte mikroskopische Bild einer in Süßwassertümpeln lebenden Krebslarve wurde von der Leica-Jury ausgewählt und mit einem Leica DM300 Ausbildungsmikroskop belohnt sowie einer Veröffentlichung im Januarkalenderblatt.
Der Grund, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, war reine Neugier aber auch die Feststellung des Wissenschaftlers: „Wie unglaublich schön unsere umgebende Natur sein kann, jedoch nur in den wenigsten Fällen erhält man einen Einblick in den Mikrokosmos. Auch die kleinsten Organismen, mit ein klein wenig Nachhilfe mikroskopischer Techniken, können in einem unbeschreiblich ästhetischen Glanz erstrahlen.“

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Konzil der Universität Rostock wählte Rektor Professor Wolfgang Schareck  für eine zweite Amtszeit

Universität Rostock 28.11.2012 – Der alte Rektor ist auch der neue. Das Konzil der Universität Rostock hat am Mittwoch, den 28.11.2012, auf Empfehlung des Akademischen Senates Prof. Dr. Wolfgang Schareck (59) im Amt bestätigt. Er ist damit der 907. Rektor in der fast 600-jährigen Universitätsgeschichte der Alma Mater Rostochiensis. Vordringlichste Aufgabe seiner zweiten Amtszeit ist für Professor Schareck die Sicherung der Grundfinanzierung der Universität, um die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit im In- und Ausland zu erhalten und weiter ausbauen zu können. „Wir stehen auf einem sicheren Fundament,  haben in den vergangenen vier Jahren vieles erreicht, aber die  Bedingungen ändern sich schnell. Vor allem die Kostenentwicklung macht  mir Sorge. Dennoch ich bin gewiss, dass wir gemeinsam mit dem Land die  richtigen Lösungen finden werden“, sagte Schareck. Konsequent wird der eingeschlagene Weg der interdisziplinären Forschung in der Interdisziplinären Fakultät weiter gegangen. Die bisher erfolgte  positive Evaluierung zweier Profillinien zeigt, dass Organisationsstruktur und Forschungsthemen stimmen. „Vertrauen und Respekt und der Mut, sich gemeinsam den künftigen Herausforderungen zu stellen, sind für mich auch in meiner zweiten Amtszeit die entscheidenden Voraussetzungen für das Gelingen von Spitzenforschung und hervorragender akademischer Ausbildung“, sagte Schareck. Mit dem Doppeljubiläum 2018/19 – 800 Jahre Hansestadt Rostock und 600 Jahre Universität Rostock – fällt ein Jahrhundertereignis in diese zweite Amtszeit. „Wir werden diese einmalige Chance nutzen, um Rostock  als Wissenschafts- und Hafenstadt und dynamisches Wirtschaftszentrum Mecklenburg-Vorpommerns national und international noch bekannter zu machen“, so Schareck. Das Motto „Rostock – Hafen der Wissenschaften“ macht deutlich, dass sich Rostock gleichermaßen als maritimer Wirtschaftsstandort und innovative Wissenschaftsregion begreift.

Lebenslauf
Professor Wolfgang Schareck wurde 1953 in Düsseldorf geboren. Der Gefäßchirurg studierte in Freiburg, ist seit 1987 Facharzt für Chirurgie und habilitierte sich 1992 in Tübingen. Seit 1994 gehört er der Universitätsmedizin Rostock an. Hier leitete er die Abteilung Allgemeine Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie. Er bekleidete den Lehrstuhl für Gefäß- und Transplantationschirurgie und führte seit 2003 den Arbeitsbereich Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin, wie zum Beispiel Pankreas- und Lebertransplantationen. Prof. Schareck ist unter anderem Chairman des Euro Transplant Pancreas Advisory Committees und Mitglied der Kommission Organspende der Deutschen Transplantationsgesellschaft. An der Universität Rostock war Prof. Schareck in vielen verschiedenen Gremien tätig. 2006 wurde er in den Senat gewählt, von 2004 bis 2008 war er Mitglied bzw. Präsident des Konzils. Als Studiendekan und Mitglied des Fakultätsrats der Universitätsmedizin bestimmte er deren Geschicke mit. 2008 wurde er zum Prorektor für Studium und Lehre gewählt und im Januar 2009 zum Rektor der Universität Rostock. Seine zweite Rektoramtszeit beginnt am 15. April 2013.

Bibliothek des Brüder Grimm-Preisträgers Prof. Uther bereichert Rostock

Universitätsbibliothek erwirbt Gelehrtenbibliothek zur internationalen Erzählforschung

Universität Rostock 5.11.2012 – Im Jubiläumsjahr der Brüder Grimm – 1812 erschienen die berühmten Kinder- und Hausmärchen zum ersten Mal – ist der Universitätsbibliothek und dem Institut für Volkskunde der Universität Rostock mit der Gelehrtenbibliothek von Prof. Dr. Hans-Jörg Uther eine besondere Erwerbung gelungen. Professor Uther gilt international als einer der profiliertesten Experten auf dem Gebiet der Volkserzählungsforschung, die Erzählüberlieferungen aus historischer und international vergleichender Sicht und deren Transformationen bis in die jüngste Gegenwart untersucht. Sein „Handbuch zu den »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm“ wie auch die grundlegende Überarbeitung des internationalen Typenindexes für Volkserzählungen „The Types of International Folktales“ sind Standardwerke.

Im Jahr 1944 in Herzberg im Harz geboren, studierte Prof. Uther Volkskunde, Germanistik und Geschichte in München und Göttingen. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er insbesondere durch seine zahlreichen Beiträge in der beim de Gruyter Verlag erschienenen „Enzyklopädie des Märchens“. Für dieses Langzeitprojekt der Göttinger Akademie der Wissenschaften beschrieben 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Spezialdisziplinen und sämtlicher Kontinente ethnisch geprägte Erzähltraditionen, Erzählprozesse, Gattungssysteme, Erzähltypen und -motive sowie deren Medialisierung. Das Institut für Volkskunde hat sich am Verfassen vieler Spezialartikel des Handwörterbuchs beteiligt. Dies geschah nach 1990 zwischenzeitlich durch institutionelle Förderung auf Betreiben von Prof. Dr. Rolf Wilhelm Brednich, dem Hauptherausgeber der „Enzyklopädie des Märchens“. „Durch den Erwerb der Spezialbibliothek wird der Schwerpunkt zur Erforschung narrativer Überlieferungen und ihrer Medialisierung am Institut für Volkskunde geschärft“, so Dr. Christoph Schmitt.

Einrichtung einer Uwe Johnson-Forschungsstelle

Zentrale Voraussetzung für die Arbeit an der Werkausgabe geschaffen

Universität Rostock 1.10.2012 – Zum 1. Oktober 2012 richtet die Universität Rostock eine Uwe Johnson-Forschungsstelle ein. Damit setzt die Universität ihre gemeinsam mit anderen Institutionen erklärte Absicht, die Arbeit an einer Uwe Johnson-Werkausgabe zu fördern, in die Tat um. (http://www.uwe-johnson-gesellschaft.de/de/home/138-loi) Die zur Forschungsstelle gehörigen Mitarbeiterstellen wurden mit den zwei Rostocker Nachwuchswissenschaftlern André Kischel, M.A., und Antje Pautzke, M.A., besetzt, die sowohl mit Johnsons Biographie als auch mit seinem Nachlass bestens vertraut sind. Die erste große Aufgabe der Forschungsstelle wird der Umzug des Johnson-Archivs aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach an die Universität Rostock sein. Er soll noch in diesem Herbst stattfinden. Danach gilt es, in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden der Universitätsbibliothek, den Nachlass zu erschließen und der Forschung zugänglich zu machen. Damit wird auch eine zentrale Voraussetzung für die Arbeit an der Werkausgabe geschaffen.

Schwimmendes Forschungsinstitut bietet Führungen und einzigartiges Taucherlebnis – Das Marine-Science-Center

Rostock – Interessierte Tierfreunde können in Warnemünde auch mit Moe, Nick und Malte abtauchen. Die neun quicklebendigen Robben im Alter von 4 bis 28 Jahren schwimmen und tauchen im Yachthafen Hohe Düne direkt an der Ostmole. Die an Land oft tollpatschig wirkenden Tiere sind hier ganz in ihrem Element und zeigen keinerlei Berührungsängste. Sie fressen Urlaubern aus der Hand und freuen sich auch über Gäste, die mit ihnen auf Tauchgang gehen. Taucher haben in Europa die einzigartige Chance mit den Hundsrobben für eine Stunde an Land und im Wasser auf Tuchfühlung zu gehen. Täglich ist das Sonnendeck des schwimmenden Robben-Forschungsinstituts für Besucher geöffnet. Auch wenn es regnet, stehen Frau oder Mann unter dem neuen Dach ganz trocken. Neu sind auch die großen Monitore, die das bunte Treiben unter Wasser an Deck sichtbar machen. „Seehunde hautnah“ heißen Führungen für Gruppen bis zehn Personen. Besucher erleben dann die Seehunde ganz aus der Nähe und nehmen aktiv am Training teil.

Im Marine-Science-Center findet Wissenschaft nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern gewährt Einblicke in das Tiertraining und die Forschungsarbeiten. Wissenschaftler der Rostocker Universität wollen hier ergründen, wie sich die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung orientieren. Sie wollen herausfinden, welche Informationen aus der Umwelt die Tiere zur Orientierung nutzen. Wie finden sie ihren Fisch, wo sie doch auf dem offenen Meer nur von Himmel und Wasser umgeben sind? Haben sie einen körpereigenen Kompass und welche Bedeutung haben Augen, Ohren, Barthaare „? Die Seehunde werden ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert und bei Erfolg belohnt. Sie bleiben dabei geistig und körperlich fit und ermöglichen den Wissenschaftlern Schritt für Schritt einen Einblick in die Welt der Robben. Künftig sollen Experimente mit den Meeressäugern in der offenen See mehr Aufschluss geben.

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Veröffentlicht 16. August 2012 von Martina Wichor