Kirche

Geschichte der Glocken der Marienkirche zu Rostock

Bürgerglocke (älteste Glocke der Marienkirche)

Bürgerglocke, Foto: Joachim KloockGegossen um 1300 von einem unbekannten Meister.

(Vermutlich die größte Glocke aus dieser Zeit in MV)

Gewicht: 2960 kg
Durchmesser: 170 cm
Höhe ohne Krone: 140 cm
Schlagton: c1
 

Inschrift:“ Ich tröste die Lebenden, beweine die Toten, vertreibe das Übel. O König der Herrlichkeit, komm mit Frieden!

Diese Glocke wurde bei der Einnahme der Stadt Rostock 1945 durch die Rote Armee von einer Granate getroffen und bekam drei Risse von 16, 22 und 74 cm Länge. Seit der Zeit schwieg sie. Ein Versuch, sie im Jahre 1950 schweißen zu lassen, schlug fehl. Von 1951 – 1980 stand sie eine Etage tiefer im Turm. Von 1980 bis 2009 war sie mit zwei anderen Glocken im Kapellen-Umgang der Kirche aufgestellt. Dann wurde sie in den Glockenspezialfirmen Lachmeier- Nördlingen und Bachert- Karlsruhe geschweißt und seit 2011 hängt sie wieder an ihrem Platz.

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Sakramentsglocke

Sakramentsglocke, Foto: Joachim KloockGegossen am 28. Oktober 2011 von der Glockengiesserei Bachert in
Karlsruhe. Die künstlerische Gestaltung stammt von dem Rostocker
Bildhauer Wolfgang Friedrich.

Gewicht: 822 kg
Durchmesser: 103 cm
Höhe ohne Krone: 103 cm
Schlagton: a1

Inschrift:“ Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Mit dieser Glocke wird das Geläut der Marienkirche zu Rostock vervollständigt. Es besteht nun aus insgesamt sechs Glocken, von denen die beiden größten nach erfolgter Reparatur möglichst geschont werden müssen. Deshalb werden sie nur zu besonderen Anlässen geläutet.

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Die Kanzel der Marienkirche muss restauriert werden

Warum die Universität Rostock daran starken Anteil nimmt

Kanzlei der Marienkirche in Rostock (2), Foto: Joachim KloockKanzlei der Marienkirche in Rostock, Foto: Joachim Kloock9.1.2014 – Die 439 Jahre alte Kanzel in der Rostocker Marienkirche soll im kommenden Jahr für 140.000 Euro restauriert werden. Die vergoldeten Holzschnitzereien der fast zehn Meter hohen Kanzel sind stark verschmutzt. Zudem fehlen einige Figuren des Kunstwerkes aus dem Jahr 1574. Die Kanzel selbst stammt aus der Renaissance, ihr Schalldeckel aus der Barockzeit (1723). Für die Restaurierung fehlen noch 40.000 Euro. Der Förderverein hat eine Förderanfrage bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gestellt und hofft auch auf Spenden der Rostocker. Von der Kanzel aus haben in den vergangenen Jahrhunderten viele Prediger der Theologischen Fakultät der Rostocker Universität gesprochen. Damit ist die Kanzel für die Universität wichtig, die im Jahr 2019 ihren 600. Geburtstag feiert – als älteste Universität des Ostseeraumes. „Die feierliche Immatrikulation als eines der wichtigsten akademischen Feste in St. Marien unterstreicht bis heute die enge Verbundenheit mit dem Gotteshaus und der Stadt“, betont Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck. Er freut sich sehr, dass „die Kanzel saniert wird. Es ist ein ganz spezielles Kunstwerk“, sagt der Rektor. „Die Ende des 16. Jahrhunderts von dem Poeten Peter Lindenberg, der auch die erste gedruckte Rostocker Stadtgeschichte schrieb, gewählte Bezeichnung der Uni als Leuchte des Nordens, verdankt sie nicht zuletzt ihrer Theologischen Fakultät“, erinnert der Rektor. Noch heute weist das Professorengestühl unterhalb der Fürstenloge darauf hin, dass die Marienkirche bis zur Wende zum 20. Jahrhundert neben ihrer Funktion als Ratskirche auch von der Universitätsleitung als „ihre“ Kirche gesehen wurde. Besonders in der nachreformatorischen Zeit wirkten bedeutende Theologen gleichzeitig als Pastor an der Marienkirche und Professor an der Rostocker Universität, darunter Johannes Quistorp (1584-1648) und Heinrich Müller (1631-1675). Quistorps besonderes Verdienst: Er verhinderte 1631, dass nach der Ermordung des kaiserlichen Stadtkommandanten durch einen Uni-Angehörigen als Sühnemaßnahmen der kaiserlichen Truppen, die Stadt niedergebrannt wurde. Den gesamten Text lesen Sie unter http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/die-kanzel-der-marienkirche-muss-restauriert-werde/

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Die St.-Marien-Kirche zu Rostock – Seit über 770 Jahren ist sie ein Ort des Gebets, des Gottesdienstes, der städtischen und universitären Begegnung und der Kunst

Die Hansestadt Rostock ging aus einer ersten Siedlung an der Warnow hervor, die Ende des 12. Jahrhunderts um die Petrikirche und ihren Marktplatz (heute “Alter Markt”) entstand. Eine weitere Teilstadt entstand westlich mit der in einer Urkunde von 1232 erstmals erwähnten Marienkirche als Zentrum. Als letzte Teilstadt entstand noch weiter westlich um 1250 das Viertel um die Jakobikirche.

Marienkirche,  Foto: Joachim Kloock, Korr. M.W.Marienkirche, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim KloockSt. Marien liegt nordwestlich des “Neuen Marktes”, an dem sich schon damals das Rathaus der Mittelstadt befand. In den Jahren 1262 bis 1265 vereinigten sich die drei Stadtteile und die Marienkirche wurde zur Hauptkirche. Über die erste Gestalt der Kirche wissen wir nichts – nur bisher nicht durchgeführte Grabungen könnten etwas über den Grundriss verraten. Nach dem Zusammenschluss wurde die Kirche als dreischiffige Hallenkirche umgebaut bzw. neu errichtet. Diese Bauform nach westfälischem Vorbild bedeutet, dass drei parallele Langhäuser gleicher Höhe miteinander verbunden sind, das mittlere Hauptschiff aber breiter als die Seitenschiffe ist. Von diesem bis 1279 vollendeten Bau sind heute noch die Untergeschosse des Turmes mit den drei westlichen Hallen (Portalbereiche und heutige Winterkirche) erhalten.

Ab 1290 wurde die Kirche vergrößert und aktuellen Baustilen angepasst. Im Osten wurden ein neuer Chor (heute der “vordere” Teil der Kirche zwischen Vierung (Mitte) und dem Hauptaltar) und ein umgebender Kapellenkranz mit fünf Kapellen aus rötlichen Backsteinen errichtet. Hierin wurde wie in anderen Hansestädten wohl auch auch dem Vorbild der Lübecker Marienkirche nachgeeifert. Außerdem wurde die Hallenkirche in eine Basilika umgewandelt, d. h. das Mittelschiff wurde nun auf eine Gewölbehöhe von 31,5 Metern gezogen, während die Seitenschiffe 15 Meter Gewölbehöhe aufweisen. Aus der Zeit um 1290 stammen auch die bronzene Tauffünte sowie die Bürgerglocke.

Marienkirche, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim Kloock, Korr M. W.Marienkirche, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim KloockUm 1398 begann der Bau des wohl schon länger geplanten Querhauses. Diesen Bauabschnitt erkennt man an den Wechselschichten aus grünlich/bräunlich glasierten und unglasierten lehmgelben Backsteinen im Außenmauerwerk.
Im Jahr 1419 wurde die Rostocker Universität, die erste im nordeuropäischen Raum, in der Marienkirche gegründet. 1420 werden Altäre in Seitenschiffen erwähnt, was deren Vollendung voraussetzt. Eine Turmfront mit beabsichtigter Doppelturmanlage wurde begonnen, allerdings ließ der Baugrund eine Vollendung nicht zu, weshalb die heute sichtbare Lösung eines Zeltdaches über die gesamte Breite im Prinzip bereits damals angelegt wurde. 1454 wurden die neuen Gewölbe geschlossen.

Im Jahr 1531 schloss sich Rostock der hier durch den Petri-Pastor Joachim Slüter eingeleiteten Reformation an. Viele Gebrauchs- bzw. Kunstgegenstände (z. B. Seitenaltäre) wurden im Zuge dieser Entwicklung aufgegeben oder zerstört. Die Seitenkapellen, die einzelnen Zünften als Gottesdiensträume gewidmet waren, wurden zunehmend zu Grabkapellen umgebaut. Aus der Barockzeit stammt die heute sichtbare bzw. restaurierte Ausmalung der Kirche, darunter befindet sich eine an einigen Stellen freiliegende gotische Ausmalung. Der Hochaltar und die Gestaltung des Westwerks mit Fürstenempore und Orgelgehäuse entstand in den Jahren 1721 bis 1770. Im Jahr 1796 erhielten das Zeltdach des Turmes und der Dachreiter über der Vierung ihre heutige Form. Vorläufer von beiden sind aber schon auf älteren Abbildungen zu erkennen.

Marienkirche, Foto: Joachim KloockTeil des Ziffernblattes der Astronomischen Uhr, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim KloockMarienkirche, Foto: Joachim Kloock Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche renoviert und farblich umgestaltet. 1899 verlor sie die Funktion der Universitätskirche an die Kirche des Klosters zum Heiligen Kreuz. Von der Gründung bis 1945 war St. Marien zudem Ratskirche. Der zweite Weltkrieg brachte der Stadt starke Zerstörungen, aber durch den Einsatz des Turmdieners Friedrich Bombowski, seiner Tochter und weiterer Helfer konnte die Kirche vor größeren Brandschäden bewahrt werden. (mehr>>) Im Herbst 1989 versammelten sich Tausende Rostocker zu Friedensgebeten an Donnerstagen, um für die Erneuerung der Gesellschaft zu beten und in einem geschützten Raum damals Unsagbares ausdrücken zu können. Viele der Andachten wurden vom heutigen Bundespräsidenten Dr. h. c. Joachim Gauck gehalten, der zu jenem Zeitpunkt Pastor in Rostock-Evershagen war.

Waren nach 1945 zunächst nur Notreparaturen möglich, wird die Kirche seit 1992 nach aktuellen Maßstäben baulich gesichert. Ein Förderverein begleitet diese umfassenden und bis in das Jahr 2018 angelegten Maßnahmen, die durch Hilfen der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Hansestadt Rostock, der “Deutschen Stiftung Denkmalschutz”, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Mecklenburgs und weiterer Förderer möglich wurden. Näheres über die zahlreichen und vielfältigen Arbeiten erfahren Sie auf der Website des Fördervereins Stiftung St.-Marien-Kirche zu Rostock e. V.>> Auch in Zukunft ist die Kirche auf große und kleine Spenden zu ihrer Erhaltung angewiesen, weil die bis 2018 geplanten Arbeiten nur die Sicherung der Bausubstanz bedeuten, Restaurierungen von einzelnen Kunstwerken aber dadurch noch nicht abgedeckt sind.

Auszug aus der Geschichte, siehe Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock, http://www.marienkirche-rostock.de

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Die Astronomische Uhr

In der Rostocker Marienkirche, dem Kleinod norddeutscher Backsteinarchitektur im Herzen der Hansestadt, befindet sich ein technisches Kunstwerk von Weltgeltung: die Astronomische Uhr. Sie gehört zu einer Familie vergleichbarer europäischer Großuhren wie in Danzig, Strasbourg oder Lund. Weltweit einzigartig ist die Rostocker Uhr jedoch, da sie als einzige mit ihrem ursprünglichen mittelalterlichen Uhrwerk von 1472 noch bis heute präzise funktioniert. Tag für Tag werden ihre fünf Werke von Hand aufgezogen. Die exakten Anzeigen der Uhrzeit, der Mondphasen und des Sonnenjahres sowie die zahlreichen Daten der Kalenderscheibe zeugen von der hohen Kompetenz der Wissenschaft des 15. Jahrhunderts. Die hochwertige künstlerische Neugestaltung der Uhr im Jahr 1643 verbindet die Zeitansage mit dem umgebenden Kirchenraum. Die Apostel mit dem segnenden Christus im oberen Bereich der Uhr und die Evangelisten als Wächter in den vier Ecken machen sie zur ständigen Mahnung, wie unsere Zeit verrinnt und welch Wimpernschlag unser Leben ist angesichts der Ewigkeit Gottes.

Der Apostelumgang um 12.00 Uhr ist der Auftakt des täglichen Mittagsgebets in der Marienkirche in den Sommermonaten. Und der Stundenschlag ist verbunden mit einem Choral des Glockenspiels der Uhr, den der Kantor je nach Kirchenjahreszeit auf der zugehörigen Walze „programmiert“. Die Daten der jetzigen Kalenderscheibe umfassen die Jahre von 1885 bis 2017. Wenn am 1. Januar 2018 die neue, bereits angefertigte Kalenderscheibe an der Uhr angebracht wird, ist das der Startschuss zum 800jährigen Jubiläum der Hansestadt Rostock. Und viele Rostockerinnen und Rostocker träumen davon, dass an diesem Tag auch verkündet werden kann, dass die Rostocker Astronomische Uhr auf die UNESCO- Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wird. Verdient hätte sie es alle Mal. Überzeugen Sie sich selbst!

Tilman Jeremias, Pastor der Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock, http://www.marienkirche-rostock.de

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Die St. Petri – Kirche zu Rostock

Die Petrikirche ist die älteste und mit 117 Metern auch die höchste der ehemals vier Stadtkirchen der Hansestadt Rostock. Ihr gotischer Turm diente schon in der Hansezeit als Seezeichen und ist bis heute als Landmarke auf den Seekarten eingezeichnet. Aktuell wird er als Aussichtsturm genutzt, von dem aus man bei schönem Wetter einen herrlichen Blick weit über die Stadt hinaus genießen kann. Die Kirche fand 1252 erstmals urkundliche Erwähnung und schaut auf eine lange und interessante Geschichte zurück.

Petrikirche+Petritor, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim Kloock

Das Gebiet um Rostock wurde etwa im Jahre 600 u.Z. von den Wenden besiedelt. Diese westslawischen Stämme zogen von Osten her an die Warnow. In dem heutigen Stadtgebiet von Rostock entstanden mehrere slawische Siedlungen. Eine befand sich z.B. auch in Höhe des Petridamms und der Grubenstraße. Um 1160 kamen die ersten deutschen, christlichen Einwanderer. Da diese sich nicht gerade gut mit den Einheimischen Wenden verstanden und deren Siedlungen keine Vergrößerungen zuließen, suchten sie sich einen anderen verkehrsgünstigen und sicheren Platz zum Bau einer Siedlung. Sie wählten eine Anhöhe am linken Warnowufer. Hier befinden sich heute die Petrikirche und der Alte Markt.

Die erste Kirche war klein und wahrscheinlich aus Holz, so wie auch die zur dieser Zeit entstandenen Häuser. Die Kaufleute lebten vom Handel über den an der Warnow gelegenen Hafen. Deshalb weihten sie ihre Kirche dem Patron der Schiffer, St. Petrus. Einen Priester gab es bereits nachweislich 1218. Direkt neben der Kirche und dem Markt lag der Friedhof. Später wurde zwischen Friedhof und Markt eine Mauer errichtet. Von der Stadtgründung um 1200 und der Verleihung des Stadtrechts (lübisches Recht) am 24. Juni 1218 durch Fürst Heinrich Burwy (später genannt: Heinrich Borwin) bis zum Zusammenschluss der bis dahin schnell entstandenen Stadtteile im Jahre 1265, hatte Rostock bereits 3 Kirchen. Das waren die Petrikirche, die Marienkirche und die Nikolaikirche. Um 1300 kam dann noch die Jakobikirche und die Kirchen des Katharinenklosters und des Johannisklosters hinzu.

Die Kirchen wurden mit der Einwohnerzahl und dem Wohlstand der Stadt immer weiter vergrößert. Nur die Petrikirche blieb eine eher kleine Kirche. Der Grund dafür war vielleicht der Umzug des Rathauses und des Marktes (jetzt Neuer Markt) in die Mittelstadt. Der Alte Markt verlor an Bedeutung und damit auch die Petrikirche als geistliches Zentrum Rostocks. Diese Funktion übernahm nun die Marienkirche. In der Mitte des 14. Jahrhunderts entstand dann aber ein kompletter Neubau der Petrikirche. Diese Kirche wurde als dreischiffige gotische Basilika gebaut. Der Turm kam um 1500 hinzu. Mit einer Gesamthöhe von 126 Metern über Null war er so auch für die Orientierung der Schiffe auf See von Bedeutung.

Petrikirche, Die Hochzeit des Reformators Joachim Slüter (nachgestellt), Foto: Joachim KloockPetrikirche, Die Hochzeit des Reformators Joachim Slüter (nachgestellt), Foto: Joachim KloockPetrikirche, Die Hochzeit des Reformators Joachim Slüter (nachgestellt), Foto: Joachim KloockPetrikirche, Die Hochzeit des Reformators Joachim Slüter (nachgestellt), Foto: Joachim KloockNoch in der Bauphase wurden im Jahre 1311 Steine von der Kirche abgetragen um einen Wehrturm am Strom von Warnemünde zu bauen. Die Mündung der Warnow war stets in Gefahr in dänische Hand zu fallen. Denn der dänischen König sah seinen Einfluss im Ostseeraum durch das schnell wachsende Rostock und der Seestädte (Lübeck, Hamburg, Wismar) in Gefahr. 1532 starb der Rostocker Reformator Joachim Slüter. Er wurde auf dem Kirchhof der Petrikirche beigesetzt. An gleicher Stelle wurde dann 1862 ihm zu Ehren ein Denkmal gesetzt. Am 16. Oktober 1543 vernichten „Gotts Straff und Himels Feur” den Turm. 1573 wurde der gotische Spitzturm ohne Wetterhahn und Turmknopf wieder aufgesetzt. Am 1. Oktober 1575 hält der Turm einem starken Südweststurm nicht stand und wird zur Hälfte heruntergeweht.

1577 steht der Petriturm wieder. Als Landmarke ist er nun mit 117,22 Meter erstmalig in Seekarten verzeichnet. Am 30. Juli 1578 ist der Turm wieder mit Wetterhahn und Kugel wieder komplett. Am 2. Mai 1581 entstehen durch einen Blitzeinschlag „ein grot dunnerslach” große Schäden an Dach und Gewölbe. Ein weiterer Blitzeinschlag erfolgte am 23. April 1610 in den Turmhelm. Löscharbeiten mit Milch und starker Regen verhindern Schlimmeres. In den Jahren 1652, 1709 und 1718 hinterlassen Stürme und Gewitter ihre Spuren. Sieben Jahre lang wurde die Kirche ab 1902 umfassend restauriert.

Der Alptraum ! In der Nacht vom 26. zum 27.April 1942 zerstürten britische Bomben die Petrikirche. Der 48m hohe Turmschaft blieb wie durch ein Wunder unbehelligt. Die Wertgegenstände wurden in dieser Nacht aber fast alle vernichtet. Bei der Wiedernutzbarmachung wurde durch das Schließen der Arkaden das Mittelschiff von den beiden Seitenschiffen getrennt. So sind eine Reihe von kleineren praktischen Räumen entstanden.

Im Mittelschiff wurde auf den Neubau eines Gewölbes verzichtet. Die Höhe bis in das Gewölbe betrug 27 Meter, die jetzige Raumhöhe beträgt 24 Meter, die Höhe der Fenster 17 Meter. Das Holz für den Dachstuhl und die Decke des Mittelschiffes sind ein Geschenk der Lutherischen Staatskirche Schwedens. 1962/63 wurden farbige Fenster eingefügt. Die Entwürfe stammen von dem Rostocker Künstler Lothar Mannewitz, die Arbeiten wurden von der Firma Lehmann (Berlin-Weißensee) ausgeführt. Die drei farbigen Fenster stellen alle Motive aus dem Leben des Petrus dar (Christus mit gekreuztem gelben Heiligenschein, Petrus mit violettem Heiligenschein, Johannes mit gelbem Heiligenschein).

Petrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockPetrikirche, Foto: Joachim KloockReformator Joachim Slüter, Denkmal an der Petrikirche, Foto: Joachim KloockReformator Joachim Slüter, Denkmal an der Petrikirche, Foto: Joachim Kloock

Die Altarplatte wurde im Raum gegossen; Kruzifix und Leuchter sind aus Kupfer und wurden von Herrn Griese (Erfurt) gestaltet. Das Orgelpositiv stammt von der Firma Schuke (Potsdam). Die erhalten gebliebene Tauffünte aus Bronze wurde 1512 von Andreas Ribe gegossen. Das Nordschiff (Winterkirche) wurde 1954 in den Dienst der Gemeinde gestellt. (In diesem Raum befand sich eine Schuke-Orgel. Zur Zeit ist sie an die Marienkirche ausgeliehen.) Das Mittelschiff wurde 1967 fertiggestellt (Baumeister Wendland). Im Vorraum der Winterkirche steht ein Stations-Relief „Christus vor Pilatus” aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Relief wurde im Laufe der Zeit rissig, so dass es beim Umsetzen gerissen ist. Nach der Restaurierung wird das Relief im Hauptschiff stehen. Das Denkmal für den Rostocker Reformator Joachim Slüter wurde 1967 modernisiert und 1991 im Detail rekonstruiert. Von 1992 bis 1995 erfolgte der Wiederaufbau des Turmhelmes. Am 13. November 1994 wurden der historische, neu aufgearbeitete goldene Wetterhahn, und das dritte Segment, die Turmspitze mit 78 Tonnen, wieder aufgesetzt.

Auszug aus der Geschichte, siehe Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock, http://www.petrikirche-rostock.de

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Die Heiligen-Geist-Kirche Rostock

Die Heiligen-Geist-Kirche ist ein neogotisches Kirchgebäude in Rostock. Sie wurde in den Jahren 1905 bis 1908 an der Ecke Margaretenstraße und Borwinstraße in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt erbaut und wird von der evangelischen Heiligen-Geist-Gemeinde genutzt.

Postkarte aus der Sammlung Kloock, Blick aus der Borwinstraße zur Heiligen-Geist-Kirche, Poststempel 3. 8. 1920, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockMit der baulichen Expansion der Stadt in Richtung Westen zum Ausgang des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung gerade in diesen Vorstädten zu und so bestand die Notwendigkeit eines Kirchbaus. Die zuständige Jakobikirche war regelmäßig hoffnungslos überfüllt. Nach langen, zermürbenden Verhandlungen der Mecklenburgischen Landeskirche mit den Rostocker Ratsherren, die hier Patronatpflichten besaßen, wurden erst im Jahre 1905 die Grenzen der Kirchgemeinden in Rostock der Bevölkerungsentwicklung angepasst und damit die Gründung einer neuen Gemeinde ermöglicht. Der Kirchbau war der erste Kirchneubau seit dem Mittelalter auf Kosten der Stadt und wurde von Prof. Dr. Johannes Vollmer (1845–1920) aus Lübeck im neogotischen Stil mit 1000 Sitzplätzen entworfen. Den Namen erhielt die Kirche nach ihrer Lage auf dem Heiligengeistfeld, welches früher dem Heiligengeisthospital gehörte. Der Beginn des 439.000 Mark teuren Baus fand im August 1905 statt und die Weihe erfolgte am 26. April 1908. Die Kirche ist in ihrem Grundriss als Kreuz angelegt und ihr Turm hat eine Höhe von 70 Metern. Auf einem aus schwedischem Granit errichteten Fundament ruhen die Wände aus Backstein mit glasierten Steinen als Zierelementen.

Die Orgel wurde 1908 von der Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) erbaut. Sie ist die größte Walcker-Orgel Mecklenburgs und ausgesprochen klangschön. Das Instrument hat pneumatische Trakturen und insgesamt 41 Register auf drei Manualen und Pedal. Es wurde zuletzt 1999-2001 durch Christian Scheffler restauriert. Daher wird die Kirche als Konzertkirche sehr geschätzt. Musikaufführungen gibt es in regelmäßiger Folge. Man ist Gastgeber oder organisiert selbst die unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Die farbigen Kirchenfenster wurden von den Glasermeistern Martin Schoof, Wilhelm Jahncke und Hermann Knubbert eingesetzt. Leider zerstörte der Krieg die Scheiben, daher gestaltete Lothar Mannewitz diese 1958, gemeinsam mit der Fa. Lehmann, Berlin, neu.  Das Altarfenster allerdings wurde im Zuge der Veränderung des Altarraumes in den fünfziger Jahren zugemauert. 1980 konnte es freigelegt und neu verglast werden, leider war es zu hell. – 1987 korrigierte Lothar Mannewitz mit einem neuen Entwurf diesen Fehler, das Glas fertigte erneut die Fa. Lehmann aus Berlin.

Heiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim KloockHeiligen-Geist-Kirche, Foto: Joachim Kloock

Die Turmuhr hat ein in Kupfer getriebenes vergoldetes Zifferblatt. Früher ließ die Uhr auf mechanischem Wege dreimal täglich – um 7.00 Uhr, um 11.00 Uhr und um 17.00 Uhr – die Betglocke ertönen. Dieser Teil der Uhr ist seit einigen Jahren außer Betrieb.

Heute zählt die Gemeinde der Heiligen-Geist-Kirche mit über 2.000 Gemeindemitgliedern zu den bedeutenden Gemeinden Mecklenburgs, zumal sich unter ihnen viele Jugendliche und Studenten befinden. Sie ist wegen ihrer Jugendarbeit bekannt. Neben den Veranstaltungen spielen auch Gottesdienste (Familien- und Kindergottesdienste), Spielenachmittage, ausgesuchte Themen-Nachmittage und die Förderung der Kirchenmusik eine große Rolle.

Auszug aus der Geschichte, siehe Kirchengemeinderat der Heiligen-Geist-Kirche, http://www.heiligen-geist.de

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Die Kirche in Warnemünde

Kirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockBereits im 13. Jahrhundert ist eine Kirche im Fischerdorf Warnemünde belegt. Während kriegerischer Auseinandersetzungen, die zwischen der Stadt Rostock und Heinrich II. in Gemeinschaft mit dem dänischen König Erik VI. in Warnemünde ausgetragen wurden, zerstörte man im März 1312 die Kirche in Warnemünde und den Turm der Petrikirche in Rostock zur Gewinnung von Baumaterialien für ein Bollwerk mit steinernem Turm. Die Rostocker verloren diesen Krieg im Dezember 1312 und mussten die Oberhoheit der Herzöge und des dänischen Königs anerkennen und sich verpflichten, eine neue hölzerne Kirche in Warnemünde zu bauen. Es ist nicht belegt, ob dieser Nachfolgerbau bei der neuerlichen Auseinandersetzung des Rostocker Rates mit den Truppen der Herzogin Katharina von Mecklenburg im Jahre 1430 zerstört wurde, erscheint aber möglich. Während dieser Kriegshandlungen beschränkten sich die herzoglichen Truppen auf die Zerstörung Warnemündes, da die gut befestigte Stadt Rostock keinen Kriegserfolg versprach.

Die heutige Kirche wurde nach Plänen der Architekten Theodor Krüger (Schwerin) und Friedrich Wilhelm Wachenhusen(Rostock) 1866 bis 1871 im neogotischen Stil erbaut.Grund für den Neubau war der schlechte Bauzustand, das immense Wachstum des Ortes und die für die Ortsentwicklung des aufstrebenden Seebades ungünstige Lage der gotischen Kirche. Der Grundriss der neuen Kirche ist kreuzförmig angelegt. Der Bauplatz wurde am damaligen westlichen Ortsrand gewählt. Ursprünglich waren für die Giebel des Querschiffs je drei schmale Spitzbogenfenster geplant, auf Wunsch des Bauherrn und Patrons Großherzog Friedrich Franz II. sollten aber nur jeweils ein größeres Fenster eingebaut werden. Man entschied sich dann für den Einbau von Rosetten. Im Sommer 1872 wurde der alte Kirchbau abgerissen.

Kirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockKirche Warnemünde, Foto: Joachim KloockDie Steine wurden gebrochen und bei der Befestigung des südlichen Abschnitts der Alexandrinenstraße verwendet. Vor dem Abriss wurde der gotische Flügelaltar in die neue Kirche verbracht und hinter dem neuen Altar, später in der Sakristei aufgestellt. In die neue Kirche wurden weiterhin einige alte Kirchenbänke und Schnitzwerk übernommen. Die Kanzel und der Taufengel wurden dem Rostocker Museum übergeben. Der erste Gottesdienst fand am 1. Oktober 1871 statt.

Auszug aus der Geschichte, siehe „Wikipedia“ und http://www.ev-luth-kirchgemeinde-warnemuende.de

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Veröffentlicht 16. August 2012 von Martina Wichor