Archiv für 18. September 2018

Waldes-Lust in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern punktet mit Welterbe-Buchen und Weltklasse-Eichen, hat aber auch bei neuen Trends rund um den Wald die Nase vorn: Mit Heil- und Klimawäldern zum Beispiel 

Buchenwald (Fagus sylvatica), Fotograf: Darkone, 26. September 2004, Wikipedia

Buchenwald, Foto: Darkone/Wikipedia

Als Ende Juni 2011 fünf deutsche Waldgebiete zum Welterbe der Menschheit erhoben wurden und damit plötzlich den gleichen herausragenden Status genossen wie die Victoria-Fälle oder Darwins Galápagos-Arche, war die Freude in Mecklenburg-Vorpommern doppelt groß. Denn was die UNESCO damals würdigte, gab es gleich zweimal im Lande: Buchenwälder von universellem Wert, „die als Ökosysteme das Erscheinungsbild eines ganzen Kontinents in einzigartiger Weise geprägt haben.

Welterbe: Buchenwälder auf Rügen und an der Müritz

Im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen etwa fasziniert die grandiose Kulisse des Buchenwalds, der sich von den weißen Kliffhängen der Kreideküste spektakulär ins blaugrüne Meer hinabzustürzen scheint. Dass die Buchen hier nicht nur überlebten, sondern auch prächtig gediehen und richtig alt wurden, ist dem Standort zu verdanken – der unzugänglichen Lage wegen wurde der Jasmunder Buchenwald nie forstwirtschaftlich genutzt. Und so wachsen hier unter hohen Buchenwipfeln vollkommen ungestört Riesenschachtelhalm und Zwiebelzahnwurz, blühen seltene Orchideen wie der Frauenschuh, brüten Wanderfalken und Seeadler, siedeln Mehlschwalben in großen Kolonien an den Hängen des Kreidekliffs. Auch der Buchenwald von Serrahn im Müritz-Nationalpark ist ein typischer Tiefland-Buchenwald, wie es ihn nur noch im Nordosten Deutschlands gibt. Eine von der Eiszeit hügelig geformte Waldlandschaft mit hunderten Seen, Mooren und Wiesen, in der sich ebenfalls viele seltene Tier- und Pflanzenspezies ausgesprochen wohl fühlen. Im wasserreichen Biotop leben Kraniche und Rohrdommeln, brüten See- und Fischadler. In alten Baumriesen und abgestorbenen Totholzstämmen wohnen Rote-Liste-Sorgenkinder wie die Mopsfledermaus, Käfer-Notfälle wie der Eremit, Schmarotzer-Pilze wie der Buchen-Schleimrübling und zahllose andere Insekten, Pilze, Flechten und Moose.

Weltklasse: Die Eichen von Ivenack

Sagenhafte 1000 Jahre! Die Eichen von Ivenack bei Stavenhagen keimen, als slawische Siedler ihr Weidevieh in die Wälder treiben. Sie strotzen bereits vor Kraft, als die Zisterzienser-Nonnen des Klosters ab 1252 dasselbe tun. Zur Reformation haben sie schon stattliche 500 Jahresringe auf dem knorrigen Zähler. Und heute, noch einmal 500 Jahre danach, ragt das mächtigste der sechs erhaltenen XXL-Exemplare wie eine gigantische Säule gen Himmel – mit einem Volumen von 180 Kubikmetern Holz das älteste und stärkste Lebewesen in Deutschland.

Zwischen den Wipfeln: Baumkronenpfade auf Rügen und in der Seenplatte

Seit August 2017 können Besucher den tausendjährigen Bäumen übrigens auf Augenhöhe begegnen – auf einem Baumkronenpfad in 20 Meter Höhe. Dessen Höhepunkt ist eine 40 Meter hohe Aussichtsplattform, die per Aufzug erreichbar ist. Der behindertengerecht angelegte Wanderweg durch alle Wachstumszonen der Bäume hat eine Gesamtlänge von 620 Metern und ermöglicht einen perfekten Rundumblick in die Landschaften der Mecklenburgischen Schweiz sowie der Seenplatte.

Die Heilkraft des Waldes: Heringsdorf und Bad Doberan

Wald hat aber noch aus anderen Gründen einen ausgezeichneten Ruf. Umso mehr, wenn er so gesund ist wie in Mecklenburg-Vorpommern, das diesbezüglich mit Brandenburg an der deutschen Spitze steht. Dass gesunder Wald darüber hinaus auch gesund macht, davon sind immer mehr Menschen fest überzeugt. Wald bietet nicht nur Arbeit und Erholung, er ist auch Apotheke und Fitnessstudio. Sein hohes natürliches Potenzial kann perfekt für die gesundheitliche Vorsorge genutzt werden. Seine Atmosphäre – die Stille, das gedämpfte Licht, die frische Luft, die Anwesenheit von Wasser – lassen uns zur Ruhe kommen. Wir erholen uns, wir schlafen besser, der Stresslevel sinkt. Kurzum: Wald entschleunigt und vitalisiert.

Die Waldaktie – Klimawald gegen Klimawandel

Seit 2007 verkauft das Land Mecklenburg-Vorpommern sogenannte Waldaktien, die sich auch elf Jahre nach dem Start großer Beliebtheit erfreuen. Waldaktien sind symbolische Anteilscheine, mit denen Urlauber die Ökobilanz ihrer Ferienreise aufbessern können, indem sie damit Aufforstungen im Bundesland finanzieren. Wie jeder Baum binden auch diese neuen Gewächse Kohlendioxid und entziehen es somit der Atmosphäre. Und zwar auf zehn Quadratmeter Fläche etwa so viel, wie eine vierköpfige Familie in zwei Wochen Urlaub freisetzt.

Weitere Informationen:
www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de
www.nationalpark-jasmund.de
www.mueritz-nationalpark.de
www.mv-baederverband.de
www.waldaktie.de
www.wald-mv.de
www.auf-nach-mv.de

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Biomedizinische Forschung entwickelt sich rasant weiter – Ressourcen sollen in MV gebündelt werden

Dummerstorfer Wissenschaftler veranstalten internationalen Workshop zur molekularbiologischen Zukunftstechnologie NGS 

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Prof. Christa Kühn, Foto: Joachim Kloock

Am Montag, dem 8. Oktober 2018, laden Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf zu einem international besetzten Workshop zum Schwerpunkt Next-Generation-Sequencing (NGS) ein. Veranstalter ist das Institut für Genombiologie unter Leitung von Professorin Dr. Christa Kühn. Dazu werden rund 75 Teilnehmer aus MV sowie Wissenschaftler, die weltweit mit der innovativen Technologie arbeiten und forschen, erwartet. „Ziel unserer 2013 ins Leben gerufenen Initiative Next Generation Sequencing in Mecklenburg-Vorpommern (NGS-MV) ist es, vorhandene Ressourcen für diese die biomedizinische Forschung in Zukunft wesentlich beeinflussende Technologie aufzuzeigen, von gegenseitigen Erfahrungen zu profitieren sowie Kooperationen im Land anzustoßen“, betonte Prof. Dr. Christa Kühn (Foto). Dabei baut die Initiative auf Projekte auf, die bereits an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern bearbeitet werden. In den letzten Jahren wurden neue Verfahren der Hochdurchsatz-Sequenzierung entwickelt, die unter dem Begriff „Next-Generation Sequencing“ (NGS) zusammengefasst werden. Die Einführung der NGS-Technologie erlaubt eine kosteneffiziente Untersuchung von DNA-Material in vergleichsweise kurzer Zeit hinsichtlich molekularbiologischer Veränderungen, genetischer Mutationen oder Aktivitäten. Darüber hinaus eröffnet NGS neue Ansätze zur virologischen, mikrobiologischen oder pathologischen Diagnostik in der Human- und Veterinärmedizin. Während jedoch im Verlauf der letzten Jahre die Kosten für die NGS-sequenzierte Analysen kontinuierlich gefallen sind, sind die Anforderungen an eine effektive und interdisziplinäre Datenauswertung stark gestiegen.

„Die enorme Komplexität der NGS-Technologie wird zunehmend das Zusammenspiel einer Reihe von Fachdisziplinen wie Genetik, Bioinformatik, Mikrobiologie oder Systembiologie erfordern, die auch einzeln bereits im Land etabliert sind. Der Workshop soll einen weiteren Austausch von Erfahrungen aus den unterschiedlichen Disziplinen ermöglichen und Horizonte für neue Forschungsansätze aufzeigen“, so die Molekularbiologin. Am Institut für Genombiologie untersuchen Forschende aus verschiedenen Bereichen der Lebenswissenschaften die molekular- und genetischen Grundlagen der Ausprägung und Vererbung von Merkmalen der Tiergesundheit und der Ressourceneffizienz. Mit Hilfe der NGS-Technologie konnten Wissenschaftler des Dummerstorfer Institutes bereits bisher unbekannte Gene beim Rind entdecken und Beiträge zur Entschlüsselung der Erbsubstanz von Aquakulturfischen leisten. Darüber hinaus beteiligen sich die Wissenschaftler mittels dieser Technologie an einer großen weltweiten Initiative zur Funktionsaufklärung von Nutztier-Genomen, für die sich über 400 Forscher aus mehr als 45 Ländern zusammengeschlossen haben. Die Attraktivität des im FBN vorhandenen NGS-Knowhows unterstreicht auch das große Interesse von Wissenschaftlern aus dem Ausland an Forschungsaufenthalten und Kooperationen zu dieser Technologie. 

Die Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 19.100 Personen, darunter 9.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de