Archiv für 6. August 2018

Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV veröffentlicht erstmals Jahresbericht im Internet

Menschen im Alter von 18 bis 96 Jahren spendeten Gewebe 

Vertrauen und Transparenz sind die höchsten Güter in der Transplantations- und Gewebemedizin. Aus diesem Grund veröffentlicht die gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) drei Jahre nach ihrer Gründung erstmals einen Jahresbericht, der auch im Internet (gtm-v.de) eingesehen werden kann und künftig jedes Jahr publiziert wird. Der Beirat der Gesellschaft hat den Jahresbericht 2017 auf seiner Sitzung am 19. Juli 2018 in Rostock bestätigt.

„Wir sind stolz, mit unserem Netzwerk einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Gewebetransplanten leisten zu können. Wie die Empfänger von Transplantaten sind wir sehr dankbar für jeden Spender und die engagierten Mitarbeiter in den Krankenhäusern. Wir sehen uns deshalb in der Pflicht, unsere Arbeit für die Öffentlichkeit darzustellen“, betonten die Geschäftsführer Dr. Frank-Peter Nitschke und Dr. Axel Manecke. Der Jahresbericht 2017 enthält neben den Leistungsdaten der Transplantationsgesellschaft auch grundsätzliche Informationen zur derzeitigen Situation der Gewebemedizin in Deutschland, die Ablaufprozesse bei einer Gewebespende in der GTM-V sowie die Eckdaten der wirtschaftlichen Entwicklung. Ca. 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Ausgangsmaterial für die Herstellung dieser Transplantate sind dabei vorrangig humane Augenhornhäute, Spenderherzen und Blutgefäße, Plazenta, Knochen, Sehnen und Faszien sowie Haut.

Anteil von Mehrfachgewebespenden soll erhöht werden

Die GTM-V kooperiert aktuell mit 17 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen und organisiert die Entnahmen von Geweben nach standardisierten Techniken mit dem eigenen qualifizierten Fachpersonal. Auf der Basis der Kooperationen mit den Krankenhäusern wurden im vergangenen Jahr 2.234 Meldungen von potenziellen Spendern registriert. Dies entspricht einer Steigerung der Spendermeldungen zum Vorjahr von fast 50 Prozent. Nach Feststellung medizinischer Ausschlussgründe für eine Spende, fehlender Angehöriger und logistischer Gründe, die einer Gewebespende entgegenstanden, führten die Mitarbeiter der GTM-V insgesamt 1.367 Gespräche mit Angehörigen bezüglich des Willens des Verstorbenen zu einer Gewebespende. In 41 Prozent aller Gespräche wurde nach entsprechender Aufklärung der Angehörigen eine Zustimmung zur Gewebeentnahme erhalten. Diese Quote liegt weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Zahl der durch die GTM-V realisierten Gewebespenden ist gegenüber dem Vorjahr um 42,2 Prozent auf 556 gestiegen. In 25 Prozent aller 2.234 Verstorbenenmeldungen konnten eine oder mehrere Gewebeentnahmen vorgenommen werden. Der bundesweite Durchschnitt liegt unter zehn Prozent. Dieser Erfolg basiert auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und dem Engagement der Mitarbeiter. Im Rahmen der 556 Gewebeentnahmen wurden 2.435 Gewebepräparate entnommen und für die Herstellung von Gewebetransplantaten an Gewebebanken abgegeben. Dies entspricht einer Steigerung zum Ergebnis von 2016 um 48,2 Prozent. Durchschnittlich konnten aus jeder Spende 4,4 Gewebepräparate gewonnen werden. Dabei betrug 2017 das mittlere Alter der Gewebespender 75 Jahre; die Spender hatten ein Alter von 18 bis 96 Jahren. Gewebespenden sind im Gegensatz zur Organspende bis ins hohe Alter möglich.

Die Spende von Augenhornhäuten stellte die häufigste Gewebeentnahme dar. Bei 548 Spenden entnahm die GTM-V 1.091 Augenhornhäute. Aus 77 Knochenentnahmen wurden 1.176 Einzelpräparate für die Transplantation bereitgestellt sowie aus 44 kardiovaskulären Entnahmen 80 Herzklappen und 88 Blutgefäße. „Bei allen Aktivitäten der GTM-V steht die Möglichkeit der Umsetzung einer Mehrfachspende im Vordergrund“, erklärte Dr. Axel Manecke. „Die GTM-V ist derzeit die einzige Gewebeeinrichtung in MV, die ausschließlich mit eigenem Personal alle Gewebearten entnimmt. Von den 556 Gewebeentnahmen realisierte die GTM-V 80 Mehrfachspenden (14 Prozent).“

Transplantationsgesellschaft arbeitet gemeinnützig

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Herzentnahme, Foto: GTM-V gGmbH

Die GTM-V gGmbH erhält keine Zuwendungen von Krankenkassen oder aus Mitteln der öffentlichen Hand. Sämtliche Aufwendungen müssen über Aufwendungserstattungssätze für bereitgestellte Gewebepräparate und Transplantate erlöst werden. Die Gesellschaft ist gemeinnützig und verfolgt keine eigenwirtschaftlichen Zwecke. Überschüsse werden satzungsgemäß zur Förderung der Gewebespende verwandt. 2017 erzielte die GTM-V über die Gewebespende und die Vermittlung von Gewebetransplantaten einen Umsatz von 824.139 Euro. Dem stehen Ausgaben in Höhe von 834.178 Euro gegenüber. Damit ergibt sich für das Jahr 2017 ein Defizit von 10.038 Euro. Die Personalkosten bilden den größten Ausgabenbereich der GTM-V für das Gesamtjahr 2017, gefolgt von den Material- und den Transportkosten für die Spende. Gemäß Satzung wird die Arbeit der GTM-V von einem Fachbeirat kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet wird dieses Gremium von Frank Ahrend, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost. Weitere Mitglieder sind der DRK-Landesverband MV, vertreten durch den Präsidenten Werner Kuhn (MdEP), die Ärztekammer MV, vertreten durch den Präsidenten Prof. Dr. Andreas Crusius, sowie der Theologe und Mediator Stefan Peter.

Lange Wartezeiten sind immer noch die Normalität

Trotz Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gewebemedizin im Jahre 2007 durch das Transplantationsgesetz ist es bislang nicht gelungen, eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Versorgung mit in Deutschland gespendeten Geweben sicherzustellen. „Die derzeitige Versorgung mit Augenhornhauttransplantaten bei jährlichen ca. 8.000 durchgeführten Transplantationen kann zwar als befriedigend angesehen werden, regional ist trotzdem mit Wartezeiten von bis zu neun Monaten zu rechnen“, sagte Dr. Frank-Peter Nitschke. Der jährliche Bedarf an Blutgefäßen und Herzklappen in Deutschland liegt bei über 800 Transplantaten und kann mit Transplantaten humanen Ursprungs ebenfalls nicht gedeckt werden. Defizite in der Versorgung der Patienten mit muskuloskelettalen Gewebetransplantaten können nur über den Import von Spendergewebe aus dem Ausland ausgeglichen werden.

Über 10.000 Patienten warten in Deutschland auf ein Gewebetransplantat, Tendenz steigend. Damit entwickelt sich die Gewebespende zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und Herausforderung, den bestehenden Mangel an qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten in Deutschland zu verringern und Neuentwicklungen in der Transplantatherstellung zu etablieren. „Vorrangiges Ziel der GTM-V ist deshalb die weitere Verbesserung der zeitnahen und bedarfsgerechten Versorgung der Patienten mit qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten. In 2017 konnten alle Patienten, die durch die GTM-V ein Transplantat erhielten, zum avisierten Operationstermin versorgt werden. Damit sind wir dem Ziel, Patienten zeitnah ein Transplantat zur Verfügung zu stellen, bei den kooperierenden transplantierenden Einrichtungen gerecht geworden“, so Nitschke und Manecke.

Foto Beirat Joachim Kloock: Der Beirat der GTM-V tagte am 19. Juli in Rostock und verabschiedete dabei auch den ersten Jahresbericht: Dr. Frank-Peter Nitschke (v. li.), Werner Kuhn, Frank Ahrend, Anita Tölk, Assistentin der GTM-V-Geschäftsführung, Prof. Dr. Andreas Crusius, Stefan Peter und Dr. Axel Manecke.

Fotos Porträts Joachim Kloock: Dr. med. Frank-Peter Nitschke (li.), Dr. med. Axel Manecke (re.)

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Digitalisierung, Sicherheit, Attraktivität – Schweriner Zoo investiert weiter in die Zukunft

Anlage ist beliebte Freizeiteinrichtung – grundlegende Modernisierung für ganzjährige Nutzung wird derzeit umgesetzt

ZOO Sschwerin - Kasuar FritzÜber eine Bogenbrücke spazieren und einen Helmkasuar beobachten? Das geht nur im Schweriner Zoo. Es gibt derzeit nur sechs Tiergärten in Deutschland, in denen Zoobesucher den zweitgrößten lebenden Vogel Australiens beobachten können. Der Straußenvogel mit dem leuchtend blauen Hals und Kopf wird bis zu 1,70 Meter groß. In Schwerin ist jetzt eine neue Bogenbrücke über eine renaturierte Moorfläche errichtet worden, die eine ausgezeichnete Sicht auf das Tiergehege mit dem seltenen Helmkasuar bietet. „Der Schweriner Zoo gehört bei den Gästen der Landeshauptstadt zu den beliebtesten und am meisten frequentierten Freizeit- und Bildungseinrichtungen in der Region. Jetzt wird mit insgesamt zwölf Einzelmaßnahmen die Anlage modernisiert, um die ganzjährige Nutzung des zweitgrößten Zoos in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu verbessern“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. Nach eigenen Angaben waren im vergangenen Jahr mehr als 200.000 Besucher im Zoo Schwerin.

Modernisierungsmaßnahmen umfassen barrierefreie Besucherwege, rutschfeste Belage auf Holzbrücken und neue Beleuchtung

Als weitere Modernisierungsmaßnahmen sollen unter anderem zukünftig die Besucherwege im Schweriner Zoo barrierefrei sein. Dazu werden Stolperfallen durch wuchernde Wurzeln und Verschleiß beseitigt sowie haltbares Betonsteinpflaster verlegt. Gleichzeitig werden die Gehege-Angrenzungen erneuert und besucherfreundlicher gestaltet. Darüber hinaus erhält der Zoo eine neue Beleuchtung und Beschallung sowie Glasfaser für ein künftig freies WLAN auf dem Zoo-Gelände. Zusätzlich steht die Modernisierung von fast 1.000 Meter Zaunanlagen an. So wird beispielsweise das 30 Jahre alte Fischernetz an der Wasservogelanlage durch einen 60 cm hohen Kastanienholz-Staketenzaun aufgewertet und mit einem neuen Stromsystem versehen. Dieser soll vor allem die Wasservögel vor einem unerwünschten Besuch der Füchse aus der Nachbarschaft schützen. Mit im Maßnahmenpaket enthalten ist ebenfalls die Ausstattung zweier Besucherräume mit Heizkörpern, so dass diese auch außerhalb der Hauptsaison als Veranstaltungs- und Bildungsstätte gebucht werden können. Die zahlreichen Holzbrücken und Stege werden mit einem rutschfesten Belag versehen und können somit auch das ganze Jahr genutzt werden. Die neue Bogenbrücke entstand direkt beim Helmkasuar-Revier. Dort ist eine ehemalige Moorfläche wieder bewässert und mit der neuen Brücke überbaut worden. Der ursprüngliche Zugang war des Öfteren in der Teichanlage versunken. „Mit den umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen wird die touristische Infrastruktur weiter ausgebaut. Auf die Besucher wartet nach Abschluss ein noch umfangreicheres Angebot, um die Tierwelt hautnah zu erleben“, sagte Glawe.

Mittendrin – im Fischerboot unter einheimischen Wildvögeln

Zoodirektor Dr. Tim Schikora freut sich auch über die Modernisierung des alten Fischerbootes. Von dort haben die Zoobesucher einen guten Einblick auf die zentrale Wasservogellandschaft und können in aller Ruhe die zahlreichen einheimischen Wildvögel beobachten. „Bis zum Jahresende wollen wir alle Baumaßnahmen abgeschlossen haben“, kündigte Zoodirektor Dr. Tim Schikora an. „Wir sind sehr dankbar über die gezielte Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium. Sie hilft uns, unseren Zoo Schritt für Schritt fit für die Zukunft zu machen und neue Besucher zu gewinnen.“

Wirtschaftsministerium unterstützt vor Ort

Die Baumaßnahmen werden mit Mitteln aus dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) in Höhe von knapp 891.000 Euro unterstützt. Insgesamt belaufen sich die Investitionen mit dem kommunalen Eigenanteil auf rund eine Million Euro.

Bildunterschrift: Der Schweriner Helmkasuar Fritz ist erst ein gutes Jahr alt und daher noch nicht ganz so imposant wie ein ausgewachsener Kasuar. Dafür braucht er noch ein bis zwei Jahre. Foto: Zoo Schwerin