„Die Wildnis vor der Haustür“ – Nationalparks starten in neue Saison

Messstation am künstlichesn Riff im Ostseebad Nienhagen, Foto: Joachim Kloock

Messstation in der Ostsee, Foto: Joachim Kloock

22.3.2017 – Die Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund sind heute mit einer Auftaktveranstaltung auf der Halbinsel Zingst in die Saison 2017 gestartet. Passend zum Wissenschaftsjahr 2016/17 „Meere und Ozeane“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung steht das Jahr 2017 bei beiden Nationalparken unter dem Motto „MeerWildnis“. „Das Motto passt hervorragend in unser Bundesland. Über 80% der Fläche des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zählen zur Ostsee und ihren Lagunen. Mit anderen Worten: Wir schützen einen Meeresnationalpark. Der Nationalpark Jasmund besticht durch seine faszinierende Kreideküste und den ökologisch so elementaren Hangwäldern. Unsere einzigartigen und intakten Landschaften sind ein wichtiger Grund dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern mit über 30 Millionen Übernachtungen in 2016 das beliebteste Urlaubsland in Deutschland ist“, betonte Umweltminister Dr. Till Backhaus vor Ort. Die Ostsee ist ein relativ junges Meer, das am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren entstand. Sie ist das größte Brackwassermeer der Erde mit einem abwechslungsreichen Küstenverlauf, vom Kliff über Bodden und Buchten bis zu Nehrungen. „Das macht sie zu einem einzigartigen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen“, sagte Backhaus. Grundschleppnetze, Baggerarbeiten und Abwässer machen ihnen das Leben allerdings zunehmend schwer. Dies ergab bereits 2014 eine Untersuchung von rund 1.700 Arten in den Mündungsgebieten der Flüsse bis zu den Außengrenzen der Wirtschaftszone der deutschen Nord- und Ostsee durch das Bundesamt für Naturschutz. Ergebnis war eine neue Rote Liste der Meere.  Trotz internationaler Schutzabkommen (HELCOM, NATURA 2000, Meeresschutzrichtlinie u.a.) ist der Erhalt der Wildnis im Meer kein leichtes Unterfangen: „Das Küstenmeer ist ein Wirtschaftsraum für viele unterschiedliche Akteure mit der Folge, dass es kaum noch nutzungsfreien Fläche gibt“, so der Minister. Mecklenburg-Vorpommern hat das Glück, Meer und Wildnis vor der Haustür zu haben.

Das Land blickt auf drei UNESCO-Biosphärenreservate und sieben Naturparke sowie die drei Nationalparke, die insgesamt etwa 17% der Landesfläche bedecken. „Diesen Schatz gilt es zu wahren“, so Backhaus. Auf Bundesebene wurde deshalb in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ das 2-Prozent-Ziel festgelegt. Das heißt, dass es in Deutschland wieder Gebiete geben soll, in denen natürliche Entwicklungsprozesse ungestört ablaufen können, und zwar bis zum Jahre 2020 auf mindestens 2 % der Landesfläche Deutschlands. Backhaus sieht darin auch eine wirtschaftliche Bedeutung: „Obwohl nur etwa 10 % der Bevölkerung in den Großschutzgebieten leben, wird hier mehr als ein Drittel der Tourismusumsätze erwirtschaftet. Gerade die Nationalparke beweisen, dass sie sich trotz gewisser Restriktionen in der Nutzung zu Motoren der Regionalentwicklung entwickeln konnten. Sie erzeugen enorme positive ökonomische Effekte, indem sie über den Naturtourismus eine beachtliche Zahl von Arbeitsplätzen in ihren Regionen schaffen und sichern“, lobte er. So konnten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft in 2016 auf Führungen, Veranstaltungen, Projekttagen fast 13.000 Besucher verzeichnet werden. Im Nationalpark Jasmund waren es rund 4.300, im Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL 269.200 Besucher.

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