Bundesweite Gesundheitsstudie NAKO soll bald erste Ergebnisse liefern

Die Volksgesundheit auf dem Prüfstand – Halbzeit im Studienzentrum Neubrandenburg und Mecklenburgische Seenplatte

Senioren im IGA-Park, Foto: Joachim Kloock

Senioren, Foto: Joachim Kloock

6.3.2017 – Die Hälfte der Wegstrecke ist geschafft. Seit drei Jahren läuft die bislang größte bundesweite Gesundheitsstudie NAKO in Mecklenburg-Vorpommern. Die Untersuchungsteams haben im Hauptzentrum in Neubrandenburg sowie in den temporären Studienzentren in Waren (Müritz) und Neustrelitz inzwischen 10.000 Menschen auf Herz und Nieren geprüft, 3.000 davon haben eine Magnetresonanztomographie erhalten. Gesundheitsminister Harry Glawe informierte sich heute im Hauptuntersuchungszentrum in Mecklenburg-Vorpommern, im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg, über die Halbzeitbilanz des nordöstlichen Studienzentrums. „Die größte Gesundheitsstudie Deutschlands wird maßgeblich auch mit dem Know-how aus unserem Bundesland organisiert und durchgeführt. Wir stehen bundesweit an der Speerspitze der Bewegung. Verlässliche Daten sind für eine nachhaltige Gesundheitsförderung und Krankenversorgung unabdingbar. Diese erhalten wir durch die Untersuchungen. Die langjährige erfolgreiche Bevölkerungsforschung am Institut für Community Medicine an der Universitätsmedizin Greifswald war ein entscheidender Grundstein für das Mammut-Projekt. Die Politik braucht diese wissenschaftlich fundierten Studien, um die notwendigen Programme für eine bessere Förderung und Versorgung der Bevölkerung umzusetzen“, betonte Minister Harry Glawe. „Jeder Bürger, der an der Studie teilnimmt, leistet damit auch einen persönlichen Beitrag für den medizinischen Fortschritt.“ In der NAKO-Gesundheitsstudie werden seit 2014 Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren bundesweit in 18 Studienzentren medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt. Ziel ist es, chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Infektionen und Demenz genauer zu erforschen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung dieser in der Bevölkerung weit verbreiteten Krankheiten zu verbessern. Bisheute haben schon mehr als 100.000 Personen an der NAKO-Studie teilgenommen, 200.000 sollen es insgesamt werden.

35 Probanden werden täglich untersucht

„Die Erstuntersuchung der 20.000 Teilnehmer mit 6.000 MRT-Probanden in Mecklenburg-Vorpommern soll bis zum April 2018 abgeschlossen werden“, kündigte der NAKO-Studienleiter in Mecklenburg-Vorpommern, Prof. Henry Völzke von der Universitätsmedizin Greifswald, an. „Das klingt ambitioniert, ist aber zu schaffen. Im Mai 2014 sind wir mit der Testreihe, Probephase und den ersten Untersuchungen gestartet. Seit gut einem halben Jahr laufen wir auf Vollbetrieb mit optimaler Auslastung“, so Völzke.Heute werden täglich bis zu 35 Teilnehmer in beiden Studienzentren und bis zu elf Teilnehmer im MRT-Zentrum untersucht. Parallel dazu werden bereits die ersten Folgetests ab Mai 2018 geplant. „Das bedeutet, nach vier bis fünf Jahren werden die Teilnehmer der Erstuntersuchung erneut eingeladen, um den Verlauf ihrer gesundheitlichen Entwicklung verfolgen zu können.“ Der NAKO-Studienleiter bedankte sich für die professionelle Unterstützung im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg sowie bei den örtlichen Verantwortlichen im Landkreis und in den Städten und allen Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter für die Dauer der Untersuchung freistellen. „Nur mit dem öffentlichen Rückenwind konnten wir das anspruchsvolle Untersuchungsprogramm für die ersten 10.000 Teilnehmer in den drei Jahren schaffen.“ 

NAKO-Daten sind einzigartiger Fundus für die internationale Wissenschaft

Gegenwertig ist die Qualitätssicherung und Freigabe der Daten der ersten 100.000 Teilnehmer für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Auswertungen in Vorbereitung. „Damit ist ein weiterer Meilenstein der NAKO auf dem Weg der innovativen Gesundheitsforschung erreicht. Die internationale Wissenschaft wartet nicht nur mit großem Interesse auf die ersten konkreten Ergebnisse“, sagte der Stellvertretende Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Karlhans Endlich. „Die hochqualitative Datenbasis wird in Form von verschlüsselten Werten auch für die Wissenschaft zur Verfügung stehen. Dafür wird gegenwärtig eine Transferstelle vorbereitet.“ Die Transferstelle der NAKO ist eine Einrichtung, bei der Forscher Daten und Bioproben für ihre Vorhaben beantragen können. Für nationale und internationale Forschungsvorhaben werden die Bioproben aus dem zentralen Bioprobenlager in München herausgegeben. Für die Lagerung der Bioproben unter standardisierten und qualitätsgesicherten Bedingungen investiert die NAKO in den Bau eines Biorepository, einer modernen Lagerungsstätte für ca. 21 Millionen Bioproben. Das NAKO-Vorstandsmitglied Prof. Wolfgang Hoffmann vom Greifswalder Institut für Community Medicine ist für das zentrale Datenmanagement der NAKO und auch für die Entwicklung der entsprechenden IT-Infrastruktur der Transferstelle verantwortlich. „Die NAKO-Daten sind ein einzigartiger Fundus für die internationale Wissenschaft, der eine Vielzahl von innovativen Möglichkeiten zur Erforschung von neuen Behandlungsmethoden in der Medizin eröffnen wird“, erklärte Hoffmann. Die Gesundheitsstudie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, den beteiligten Ländern und der Helmholtz-Gemeinschaft gefördert. 210 Mio. Euro stehen für die ersten zehn Jahre zur Verfügung. Gut investiertes Geld, wenn berücksichtigt wird, dass allein die Ausgaben für die Behandlung von Volkskrankheiten jährlich ca. 80 Mrd. Euro betragen. www.nako.de/studienteilnehmer/informationen-zur-studienteilnahme/

Was passiert mit den ganzen Daten?

Das Institut für Community Medicine mit der Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health unter Leitung von Prof. Wolfgang Hoffmann ist an zentralen Einrichtungen wie am Datenintegrationszentrum oder der Transferstelle der NAKO beteiligt. Darüber hinaus betreibt die Unabhängige Treuhandstelle der Universitätsmedizin die Treuhandstelle der NAKO. Durch die langjährige Erfahrung im Datenmanagement ist in der Abteilung von Prof. Wolfgang Hoffmann einer der beiden Standorte des Datenintegrationszentrums angesiedelt; der zweite befindet sich am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Das Datenintegrationszentrum stellt den bundesweiten Studienzentren die Programme zur Datenerhebung bereit und speichert alle Studiendaten zentral. Die Studiendaten umfassen nicht nur die Befragungen, sondern auch Daten aus Medizingeräten und z.B. dem MRT. Eine standardisierte und zentralisierte Datenerhebung ist wichtig, um über alle Studienzentren vergleichbare Daten zu erhalten und Forschern diese für wissenschaftliche Auswertungen zur Verfügung stellen zu können. Danach sollen im Datenintegrationszentrum unter anderem auch die Analyseergebnisse der Bioproben durch die Forscher in der Studiendatenbank gespeichert werden, um eine erneute Analyse derselben Parameter zu vermeiden. Ein ganz wichtiger Aspekt der Datenverarbeitung ist der Datenschutz, für den die NAKO ein umfangreiches Konzept erstellt hat. www.nako.de/allgemeines/was-ist-die-nako-gesundheitsstudie/datenschutz-in-der-nako/

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