Leuchtturm im Meer: Mecklenburg-Vorpommern richtet Ostseetourismuszentrum ein

Dreijähriges Projekt soll Zusammenarbeit im Ostseeraum stabilisieren und Produktentwicklung und Vermarktung stärken / Breite Basis aus 15 Partnern / Projektbüro mit Sitz in Rostock 

Academy House of Turku, Foto: Markus Koljonen

Academy House of Turku, Foto: Markus Koljonen

20.2.2017 – Mecklenburg-Vorpommern setzt im Bereich der touristischen Zusammenarbeit im Ostseeraum weiter Akzente. Zu Jahresbeginn konnte beim Landestourismusverband (TMV) ein zentrales Projekt innerhalb des EU-Programms „Südliche Ostsee 2014-2020“ gestartet werden: Innerhalb der kommenden drei Jahre soll mit dem Ostseetourismuszentrum (Baltic Sea Tourism Center) eine Schaltzentrale für den Tourismus im Ostseeraum entstehen, mit der die länderübergreifende Vernetzung von Tourismusakteuren weiter gefördert werden kann. In dem zunächst auf drei Jahre angelegten Projekt mit einem Gesamtbudget von rund 1,5 Millionen Euro arbeiten fünf Kernpartner aus Dänemark, Litauen, Polen sowie Mecklenburg-Vorpommern mit – neben dem TMV auch die Fachhochschule Stralsund als wissenschaftlicher Berater. Weitere zehn assoziierte Partner aus sieben Ostseeländern begleiten das Projekt, darunter die Deutsche Zentrale für Tourismus und das Wirtschaftsministerium MV. Zum Start des Projektes mit dem offiziellen Titel „Baltic Sea Tourism Center – Sustainable development structures for active tourism“ treffen sich am 21. Februar 2017 im Internationalen Haus des Tourismus in Rostock mehr als 30 Projektteilnehmer und strategische Partner. Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Landtages und des Tourismusverbandes MV sowie Vorsitzende der Projektgruppe „Nachhaltiger Tourismus“ der Ostsee-Parlamentarier, erklärte aus diesem Anlass: „Wir erhoffen uns vom Ostseetourismuszentrum Impulse zur nachhaltigen Entwicklung des Tourismus im Ostseeraum. Organisationen werden enger und stabiler vernetzt, Wissen wird transferiert, Impulse für zukünftige Kooperationen und Projekte sollen gesetzt werden. Dies alles wird dazu beitragen, die Sichtbarkeit der Region zu erhöhen und die Zahl internationaler Besucher mittel- bis langfristig steigern zu können. Das Projektbüro in Rostock mit seinen drei Mitarbeitern kann dabei buchstäblich wie ein Leuchtturm im Meer wirken.“ Wirtschafts- und Tourismusminister Harry Glawe ergänzte: „Das Internationale Haus des Tourismus wird mit internationalem Leben gefüllt. Wir können mit dem neuen Zentrum den Ostseeraum im Wettbewerb zu anderen Destinationen, wie beispielsweise dem Mittelmeer, noch besser vermarkten. Ziel ist es dabei auch, neue Gästegruppen durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu erschließen.“

Das Ostseetourismuszentrum gilt als strategisches Schlüsselprojekt und soll für mehr Kontinuität in der touristischen Entwicklung im Ostseeraum sorgen. Zentrale Aspekte dabei sind die Themen Nachhaltigkeit, Saisonalität und Internationalisierung des touristischen Angebotes. Als Schnittstelle zwischen Politik und Tourismuswirtschaft soll es zur Umsetzung der genannten Handlungsfelder beitragen, nationale Aktivitäten sinnvoll ergänzen und der Ostsee zu mehr Aufmerksamkeit im internationalen Wettbewerb verhelfen. Unter anderem soll eine Service-Einheit zur Netzwerkarbeit aufgebaut werden, die bei der Orientierung innerhalb der EU-Programme und bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen hilft. Daneben werden von den Projektpartnern mindestens zwölf konkrete Produkte für Aktivtourismus entwickelt und vermarktet. Überdies sind Werbekampagnen zunächst in den Ländern Großbritannien und Österreich geplant. Unterstützung erfährt das Projekt auch von der Welttourismusorganisation UNWTO, dem Ostseerat, der Union der Ostseestädte sowie nationalen und regionalen Tourismusministerien der Ostseeanrainerländer.

Ostseetourismus mit hohem Wachstumspotenzial

Verbandspräsidentin Sylvia Bretschneider verwies im Hinblick auf das Projekt auf die hohen Wachstumspotenziale für den Tourismus im Ostseeraum. Die Ostseeanrainerländer zählten 2014 mehr als 111 Millionen internationale Gästeankünfte, schon dies ein Anstieg um 39,5 Prozent seit 2005 (Quelle: United Nations Data Retrieval System).  Nach Prognosen der Welttourismusorganisation UNWTO werden sich die internationalen Ankünfte weltweit in den nächsten Jahren weiter dynamisch entwickeln. 2030 sollen sie auf 1,8 Milliarden Ankünfte anwachsen, in Europa von 607,6 Millionen (2015) um 22,4 Prozent auf 744 Millionen. „Davon können die Ostseeregionen stark profitieren und den Tourismus als Wirtschaftsfaktor weiter ausbauen“, erklärte Sylvia Bretschneider. Der Tourismussektor ist schon jetzt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Europa. So trug er 2015 mit 3,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union bei und hatte mit 14,2 Millionen Jobs einen direkten Beschäftigungsanteil von 3,6 Prozent. Werden indirekte Effekte wie zum Beispiel Investitionen in die Tourismusinfrastruktur hinzugerechnet, erhöhen sich das BIP sowie der Beschäftigungsanteil auf fast zehn Prozent. Der World Travel & Tourism Council (WTTC) erwartet einen jährlichen Beschäftigungsanstieg um zwei Prozent auf 17,6 Millionen Jobs im Tourismus im Jahr 2026 (Quelle: WTTC – Travel and Tourism, Economic Impact 2016 – European Union). Mecklenburg-Vorpommern vergrößert mit dem Projekt Ostseetourismuszentrum seine touristische Kompetenz im Ostseeraum und kann auf Rückenwind für die eigenen Ziele im Bereich Internationalisierung hoffen. Bereits im Jahr 2008 wurde auf Initiative des Bundeslandes das 1. Ostsee-Tourismusforum in Rostock ausgerichtet; seither begleitet Mecklenburg-Vorpommern das Forum als Kernpartner. Im Wirtschaftsministerium des Landes ist zudem die Koordinierungsstelle der EU-Ostseestrategie für den Politikbereich Tourismus angesiedelt. Darüber hinaus leitet die Präsidentin des Landtages und des Tourismusverbandes, Sylvia Bretschneider, die Projektgruppe „Nachhaltiger Tourismus“ der Ostsee-Parlamentarierkonferenz.

10. Ostseetourismusforum in Turku wird vom Ostseetourismuszentrum unterstützt

Die Idee zur Entwicklung eines Ostseetourismuszentrums ist auch Ergebnis der jährlich stattfindenden Ostsee-Tourismusforen (Baltic Sea Tourism Forum). Erstmalig erwähnt wurde das Zentrum in der Deklaration im Jahr 2012. Mit wechselnden Gastgeberländern trägt das Forum bereits wesentlich zu einem länderübergreifenden Austausch auf transnationaler Ebene bei. Das Forum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Treffpunkt von Touristikern im Ostseeraum entwickelt und soll auch zukünftig als wichtige Branchenplattform Impulse in die Region liefern und über aktuelle Entwicklungen informieren. Das 10. Ostseetourismusforum ist in diesem Jahr vom 2. bis 3. November 2017 in der Partnerregion Turku in Finnland geplant. Es werden bis zu 150 Tourismusvertreter aus allen Anrainerländern erwartet. Themenschwerpunkte der Jubiläumskonferenz sind die Bereiche Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Tourismusfinanzierung. Für eine kontinuierliche Fortführung in den kommenden Jahren wird eine engere Verknüpfung der Veranstaltung mit dem Ostseerat angestrebt. Denkbar ist eine Koppelung der Konferenz an die jährlich wechselnde Ostseeratspräsidentschaft. Erste positive Signale seitens des Ostseerates hat es bereits gegeben. Weiterführende Gespräche mit dem Sekretariat sind seitens des Tourismusverbandes MV und des Politikbereichs Tourismus der EU-Ostseestrategie Ende Februar in Jurmala/Lettland geplant. Die Bindung an den Ostseerat würde dem Forum neben einer gesicherten Durchführung auch Kontinuität in der thematischen Ausgestaltung für die kommenden Jahre verleihen.

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