Archiv für 16. Januar 2017

Hahn löst Affen ab: Têt-Fest im MOYA

16.1.2017 – Am Sonntag begrüßte die vietnamesische Community Rostocks auf traditionelle Weise das Jahr des Hahnes. Das diesjährige Têt-Fest, das  der Verein Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V. zusammen mit der  Stadtwerke Rostock AG präsentiert, fand in der MOYA-Kulturbühne statt. Auch in diesem Jahr hatten die Frauengruppe und die Seniorengruppe der  Vietnamesischen Community ein buntes Kulturprogramm mit Gesängen und  Tänzen vorbereitet, das den Gästen die vietnamesische Kultur näher  brachte. Auf dem Programm waren außerdem die Auszeichnung der besten  Schülerinnen und Schüler aus der Community. Das neue Jahr wurde mit dem Entzünden der Räucherstäbchen am Altar willkommen geheißen. Alle Gäste waren anschließend eingeladen, vietnamesische Spezialitäten zu genießen. Mehrere vietnamesische Gruppen und Initiativen aus der Hansestadt beteiligten sich neben dem Verein Diên Hông an der Gestaltung des Festes. Der Verein Diên Hông e.V. nutzt diesen Anlass, um auf das vergangene Jahr des Affen zurückzublicken und sich bei seinen Kooperationspartnern sowie Unterstützerinnen und Unterstützern für die Zusammenarbeit zu bedanken. Têt Nguyên Đán – das Fest des Ersten Morgens – ist der wichtigste vietnamesische Feiertag. Offiziell erfolgt die Zeitrechnung in Vietnam wie bei uns nach dem gregorianischen Kalender. Feste und Zeremonien dagegen richten sich nach wie vor nach dem Mondkalender. Das Têt-Fest markiert den ersten Tag des neuen Mondjahres und zugleich den Beginn des Frühlings.

Alljährlich begeht die vietnamesische Community Rostocks gemeinsam mit Diên Hông e.V. diesen wichtigsten vietnamesischen Feiertag. Damit ist das Têt-Fest zu einem festen Bestandteil im Jahreslauf der Hansestadt geworden und steht auch für die Integration vieler Menschen vietnamesischer Herkunft in unserer Stadt. Für viele der in Rostock und Umgebung lebenden Vietnamesinnen und Vietnamesen bietet das Fest die Möglichkeit, eine ihrer wichtigsten Traditionen zu pflegen.Am 28. Januar beginnt das Jahr des Hahnes, genauer gesagt, das Jahr des Feuer-Hahnes. Es löst das Jahr des Affen ab und endet am 15. Februar 2018. Im Jahr des Feuer-Hahnes haben wir alle die Chance, unser volles Potenzial auszuschöpfen. Dabei gilt es aber zuallererst, die eigenen Stärken auszuloten und sich voll und ganz auf diese zu konzentrieren. Der Hahn ist bekannt dafür, sehr offen und selbstbewusst zu sein, andererseits sehnt er sich nach Bestätigung und Bewunderung. Dies ist aber kein Aufruf dafür, egoistischer zu werden. Vielmehr geht es darum, im Jahr des Hahnes zu lernen, selbstsicher und souverän zu handeln und an seine eigenen Fähigkeiten zu glauben. Die zusätzliche Energie des Elementes Feuer, das im Jahr 2017 dominiert, kann für uns alle Vorteile haben. So können wir die für den Feuer-Hahn typische Energie und Tatkraft für uns selbst als Motivation nutzen, das Jahr 2017 ebenfalls mit viel Eifer anzugehen. Beispielsweise können sich Gelegenheiten nutzen, Probleme aus dem letzten Jahr noch einmal zu überdenken und eine Lösung zu finden. Kurz gesagt: Im Jahr 2017 lässt sich viel erreichen, wenn man an sich und seine Fähigkeiten glaubt und bereit ist, hart zu arbeiten.

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500 Jahre Reform

Wie der Neue Glauben in den Nordosten Deutschlands kam

Die Eva ist zart und hellhäutig. Der Adam über ihr hat deutlich dunklere Haut, Frisur und Schnurrbart sind eine Verbeugung vor der Mode des 17. Jahrhunderts. Geschnitzt aus Lindenholz schmücken Mann, Frau und Schlange als Protagonisten den Altar der Kirche von Dorf Mecklenburg. Ein Prachtstück aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und typisch für die Kirchenausstattung aus der Zeit nach der Reformation. Mit Darstellungen des Abendmahls, der Kreuzigung und der Auferstehung – so wie es Dr. Martin Luther höchstpersönlich für Altäre in protestantischen Kirchen angeregt hatte. Als Luther gut 100 Jahre zuvor seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlägt, ist davon noch keine Rede. Eigentlich sollen sie nur Vorlage für ein akademisches Streitgespräch sein, doch hinter seinem Rücken werden sie ins Deutsche übersetzt und ohne seine Einwilligung gedruckt. Wie ein Buschbrand breiten sie sich fortan aus, bald ist halb Europa mit dem unerhörten Gedankengut infiziert. Als mit dem auf der Wartburg übersetzten Neuen Testament 1522 zudem der erste Bestseller Europas im Druck erscheint, gibt es kein Halten mehr. Jedermann will Bilder von diesem Luther, und auch die Bibelbögen gehen wie geschnitten Brot. Denn damit lernen die einfachen Leute jetzt sogar Lesen und Schreiben. Auch im Norden finden Luthers Ideen zunehmend Verbreitung und Sympathisanten. Auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern zunächst heimlich, still und leise – etwa im Lesekreis um Johannes Bugenhagen im Kloster Belbuck oder im Briefwechsel zwischen Herzog Heinrich V. und Martin Luther – aber in einer Zeit, in der alles nach einer Reformation der Kirche schreit, kann eine Bewegung mit solch gesellschaftlicher Sprengkraft nicht lange unter dem Deckel schmoren. Bereits 1523 schließen sich die Hansestädte Wismar und Stralsund der reformatorischen Bewegung an. In Wismar zum Beispiel pflanzt der Franziskanermönch Heinrich Never die neuen Ideen in die Köpfe der Menschen. In Stralsund übernehmen diese Rolle die Bugenhagen-Schüler Christian Ketelhof und Johann Kureke. Im Klützer Winkel zieht sich Thomas Aderpul aus Pritzwalk den Zorn des Bischofs zu, „da er mit seinen revolutionierenden Reden vielen einfältigen Leuten den Kopf verdreht.“ In der Rostocker Petrikirche predigt zur gleichen Zeit Kaplan Joachim Slüter – auf Plattdeutsch, der Sprache des Volkes. In der östlichen Rostocker Altstadt wohnen viele einfache und arme Leute, für die Slüters wortgewandte Predigten so wichtig und beliebt sind, dass die Kirche oft aus allen Nähten platzt und Slüter draußen predigen muss. Von der katholischen Kirche heftig angefeindet, verlässt er nach mehreren Morddrohungen zeitweilig die Stadt. Seinen Glauben erschüttert das nicht. Im Gegenteil: 1525 gibt Slüter einen Katechismus, ein Gebet- und ein Gesangbuch heraus, bis heute das älteste bekannte in niederdeutscher Sprache. Nach seinem Vorbild verlangen bald auch die meisten Kleinstädte im Land evangelische Predigten und Gottesdienste in der Muttersprache.

1531 wird Rostock offiziell evangelisch, die Pommern bekennen sich 1534 zur Reformation. Als 1536  Herzog Philipp I. von Pommern-Wolgast Maria von Sachsen heiratet, traut Martin Luther persönlich das Paar in Torgau. Und der pommersche Pfarrer Johannes Bugenhagen wird als „Doctor Pomeranus“ neben Luther und Melanchthon der bekannteste deutsche Reformator. 1549 setzt der Mecklenburger Landesherr Johann Albrecht I. durch, dass die lutherische Lehre von allen Ständen als Landesreligion anerkannt wird – damit ist sie nun gewissermaßen Gesetz und für alle verbindlich. 1552 löst er zudem fast alle mecklenburgischen Klöster auf und verleibt sie den herzoglichen Domänen ein. Er errichtet evangelische Gelehrten- und Volksschulen und beruft protestantische Theologen an die Universität Rostock. 1563 entsteht mit der Schlosskirche in Schwerin einer der frühesten Bauten, die sich am Luther’schen Ideal eines Gottesdienstraumes orientieren. Mit der Kanzel als zweitem zentralen Ort in der Kirche neben dem Altar – ganz im Sinne der neuen Bedeutung der Predigt. Mit ihrer reichhaltigen Ausstattung ist diese Kirche zugleich ein Paradebeispiel für die „Wege protestantischer Kirchraumgestaltung“, mit der die Evangelische Kirche zum diesjährigen Reformationsjubiläum 18 besondere Kirchenperlen – 12 in Mecklenburg und 6 in Vorpommern – zu einer attraktiven Route durchs Land aufgefädelt hat und zu einer einzigartigen kultur- und geistesgeschichtlichen Entdeckungsreise einlädt. Was unsere Vorfahren vor einem halben Jahrtausend bewegte und wie sich dies in sakraler Architektur und Kunst niederschlug – davon erzählen auf dieser Tour ehemalige Klöster und Klosterkirchen wie in Franzburg, die nach der Reformation aufgehoben und umgestaltet wurden. Gotische Backsteingebirge wie die Marienkirche zu Greifswald. Der Dom zu Güstrow, in dessen Raumausstattung sich lutherisches Bekenntnis, humanistischer Bildungsanspruch und künstlerische Kompetenz in besonderer Weise verbinden. Dorf- und Gutskirchen wie in Basedow mit der ältesten Barockorgel Mecklenburgs. Aber auch schlichte Gebetsräume mit Kanzel wie in Bützow – dort, wo zwischen 1699 und 1703 auch hugenottische Familien Aufnahme gefunden hatten. Sie waren im Zuge der Gegenreformation als Flüchtende gekommen und wurden mit ihrer kleinen Gemeinde fortan zu einem wichtigen Element der reformatorischen Bewegung im Land. Nicht zu vergessen schließlich die Kirche von Dorf Mecklenburg. Wo die Eva mit der hellen Haut, der Adam mit dem Schnauzer und all die anderen Figuren des künstlerisch hochwertigen Altars pünktlich zum Jubiläum wieder genauso strahlen wie zu seiner Einweihung im Jahr 1622. Die Broschüre zu den Schätzen der „Wege-Kirchen“ sowie alle besonderen Veranstaltungen und aktuelle Termine sind zu finden unter www.kirche-mv.de/reformation. Weitere Informationen zur Reformation in Rostock: Flyer Reformation in Rostock