Landkreis Vorpommern-Greifswald will im Projekt „Land|Rettung“ innovative Neuerungen im Rettungsdienst einführen

Konzept zur weiteren Verbesserung der Notfallmedizin mit 5,4 Millionen Euro gefördert – Gesundheitsminister Glawe begrüßt Projekt

Notarzt im Einsatz, Foto: Joachim Kloock

Notarzt im Einsatz, Foto: Joachim Kloock

Der Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises Vorpommern-Greifswald plant gemeinsam mit der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Greifswald seit längerer Zeit ein umfassendes neues Konzept für den Rettungsdienst, welches nun umgesetzt werden kann. Mit dem Vorhaben „Land|Rettung“ soll die Notfallmedizin, insbesondere unter den speziellen Anforderungen des dünn besiedelten ländlichen Raumes, spürbar verbessert werden.

Einsatz eines Telenotarztes

„Land|Rettung“ basiert vor allem auf dem Einsatz des Telenotarztes und auf der flächendeckenden Schulung von medizinischen Laien als Ersthelfer. Weitere Bausteine des Projektes sind die „Smartphone-basierte Alarmierung von Ersthelfern“ und die „Bessere Verzahnung zwischen kassenärztlichem Notdienst und Rettungsdienst“. Das von Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp, Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Greifswald, initiierte Projekt wird über drei Jahre mit insgesamt 5,4 Millionen Euro durch den Innovationsfonds der Krankenkassen gefördert. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe begrüßt das Modellprojekt. „Für den ländlichen Raum brauchen wir innovative Lösungen in der Gesundheitsversorgung. Die durchgängige Notfallversorgung ist dabei eine wesentliche Aufgabe der Daseinsvorsorge. Das Projekt ist ein Beitrag, die Notfallmedizin in unserem Flächenland weiter zu verbessern“, sagte Gesundheitsminister Glawe.

Notfallversorgung weiter verbessern

„Das Projekt Land|Rettung zielt darauf ab, die Notfallversorgung im Landkreis Vorpommern-Greifswald weiter zu verbessern. Dabei handelt es sich um ein Konzept, welches aus vier Säulen besteht und dessen zentrales Element der Telenotarzt darstellt“, erläutert Dezernent Dirk Scheer. Der Telenotarzt überbrücke in Gebieten mit längerer Anfahrt die Zeit, bis der tatsächliche Notarzt am Einsatzort eintreffe. „Dabei steht der Telenotarzt über Funk mit dem Rettungswagen in Verbindung und kann so die Rettungsassistenten mit ärztlicher Kompetenz unterstützen. Auf seine Weisung hin und unter seiner Aufsicht können Rettungsassistenten und Notfallsanitäter schon mit der medikamentösen Therapie beginnen, während der Notarzt noch auf der Anfahrt ist“, ergänzt Hahnenkamp. Dies bedeute gerade in ländlichen Regionen einen wesentlichen Zeitgewinn. Auch bei Verlegungen, so Hahnenkamp, könne das Telenotarzt-System eingesetzt werden, um Patienten während des Transportes noch besser zu überwachen und die Patientensicherheit weiter zu erhöhen.

Gesundheitsministerium unterstützt Projekt

Für Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand sollen im Rahmen des Projektes zudem geschulte Laien und ausgebildete Ersthelfer die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Das Gesundheitsministerium unterstützt das Vorhaben mit bis zu 35.000 Euro aus Landesmitteln im Jahr 2017. Die Mittel werden für die so genannte Laienreanimation eingesetzt. Sie ist eine Säule des Projekts. Ziel dabei ist, flächendeckend die Wiederbelebungskompetenz und die Motivation der Bevölkerung zur Hilfeleistung zu aktivieren und zu schulen. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit ist Kooperationspartner des Projekts und wird die Umsetzung des Projekts begleiten.  „Zusätzlich ist beabsichtigt, die Zusammenarbeit des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen neu zu ordnen sowie effizienter zu gestalten“, so Dr. Lutz Fischer. Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst des Landkreises freut sich auf die intensive Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen als weitere Unterstützer des Projektes. Während der gesamten Erprobungsphase, so Fischer, werde zudem sehr genau geschaut, ob sich die neue Versorgungsform in medizinischer und wirtschaftlicher Hinsicht im Vergleich zur bisherigen Struktur als besser erweise. „So erfolgt im Eigenbetrieb Rettungsdienst des Landkreises beispielsweise eine Auswertung hinsichtlich der Verfügbarkeit und medizinischen Qualität von Notarzteinsätzen sowie deren Kostenentwicklung“, sagte der Leiter des Eigenbetriebes Timm Laslo. Zudem werde in einer arbeits- und organisationswissenschaftlichen Evaluation untersucht, wie sich die Kooperationsbeziehungen entwickeln, welche Widerstände einer Vernetzung im Wege stehen und welche Impulse die Umsetzung erleichtern. Das Projekt, welches vom stellvertretenden Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Dr. Peter Brinkrolf geleitet wird, erhält für eine Laufzeit von drei Jahren eine Förderung von insgesamt knapp 5,4 Millionen Euro. „Im Erfolgsfalle, auf den wir mit allen Kräften hinarbeiten, kann das Projekt auf den gesamten Rettungsdienst im Landkreis ausgeweitet und auch in ähnlich dünn besiedelten Regionen in Mecklenburg-Vorpommern und in anderen Bundesländern in das bestehende Gesundheitssystem eingebaut werden“, blickt Dezernent Scheer optimistisch in die Zukunft.

 

Advertisements