„Ein verborgener Schatz“ – Backhaus verstetigt Grundwasserschutz

Conventersee, Foto Joachim Kloock

Conventersee, Foto Joachim Kloock

7.11.2016 – „Die Landesregierung setzt alles daran, den sehr guten Grundwasserschutz im Land weiter auszubauen und die Sicherheit der Trinkwasserversorgung flächendeckend und langfristig zu gewährleisten. In Mecklenburg-Vorpommern werden wir auch künftig vordringliche Vorhaben des Gewässerschutzes im Rahmen unserer Förderrichtlinien umfassend finanziell unterstützen.“ – Das betonte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt M-V, heute auf dem 21. Gewässersymposium an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. Dass die EU ihre Ankündigung wahr gemacht hat und eine Nitrat-Klage gegen Deutschland eingereicht hat, sollte auch dem letzten Zweifler die Augen öffnen: „Wir haben ein ernsthaftes Problem mit dem Zustand unserer Gewässer und das deutschlandweit. Wir stehen unter massivem Handlungsdruck. Die seit 2013 mehrfach angekündigte Novelle der Düngeverordnung ist bis heute nicht vorgelegt worden. Ich sage es daher immer wieder: Der Bund muss nun endlich die Beine in die Hand nehmen und wirksame Maßnahmen und Regelungen umsetzen, die EU-konform und bundesweit verbindlich sind – ohne Ausnahmen. Es darf nicht dazu kommen, dass am Ende EU-Gerichte vorgeben, wie Landwirtschaft hierzulande zu funktionieren hat“, so der Minister. Grundwasser ist ein „verborgener Schatz“, sagte der Minister: „Sauberes Grundwasser ist nicht nur für die Trinkwasserversorgung von entscheidender Bedeutung. Es speist unsere Flüsse und gelangt so letztlich ins Meer. Ist es verschmutzt, werden die Schadstoffe über den Wasserkreislauf weit verbreitet. Als größtes Süßwasserreservoir der Erde verdient es größte Beachtung.“

In Mecklenburg-Vorpommern stehen täglich 7,71 Mio. Kubikmeter (7,71 Mio. t) Grundwasser zur Verfügung. Aktuell gibt es 610 Messstellen, an denen die Menge des Grundwassers, und 292 Messstellen, an denen die Güte des Grundwassers überprüft und beobachtet werden. Bis 2027 sollen 200 neue Messstellen entstehen, davon 100 in den nächsten fünf Jahren. „Unser Ziel ist, das Messstellennetz noch engmaschiger zu gestalten, um eine noch präzisere Ursachenanalyse bei potentiellen Grundwasserbelastungen durchführen zu können“, so der Minister. Hauptproblem sind Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft. Hierbei handelt es sich allerdings um ein deutschlandweites Problem. Hierzulande sind von 53 Grundwasserkörpern 11 aufgrund erhöhter Nitratwerte in einem chemisch schlechten Zustand. Dies entspricht 18 % der Landesfläche. In anderen Regionen Deutschlands sind es bis zu 60%. Mit Nachdruck betonte der Minister jedoch, dass das für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzte Grundwasser in M-V über eine sehr gute Qualität verfügt, da es aus weitaus tieferen Erdschichten gewonnen wird. „Trotz der wichtigen öffentlichen Debatte um den Zustand unserer Gewässer besteht keine Gefahr für die menschliche Gesundheit.“

Zweifelsohne muss Grundwasser als Rohstoff aufbereitet werden, um in Reinwasserqualität als Trinkwasser verwendet werden zu können, erklärte Backhaus. Das liegt in der Natur der Sache. In Mecklenburg-Vorpommern wird dies mittels modernster Technik auf höchstem Niveau betrieben, versicherte er. Die nachhaltige Nutzung des Grundwassers erfordert aber flächendeckende Maßnahmen zum Grundwasserschutz, die das Land frühzeitig ergriffen hat. Bereits 2009 hat sich auf Initiative von Minister Backhaus die Arbeitsgemeinschaft zur Reduzierung diffuser Nährstoffeinträge in Gewässern gegründet. Sie hat einen Maßnahmenkatalog formuliert, um die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hinsichtlich der diffusen Nährstoffeinträge systematisch und effektiv umsetzen. Dieser wurde 2011 verabschiedet und 2016 an aktuelle fachliche und rechtliche Rahmenbedingungen angepasst. Seit 2010 wurden darüber hinaus rund 3.000 Beratungen, Fachvorträge und Regionalveranstaltungen durchgeführt. „Die enge Zusammenarbeit zwischen der hiesigen Wasser- und Landwirtschaft in diesem Prozess ist beispielgebend“, freute sich der Minister. Auch Wissenschaft und Forschung sind dem Minister zufolge gefragt, weshalb das Agrarministerium den WissenschaftsCampus Phosphorforschung in Rostock jährlich mit 85.000 Euro unterstützt. Seit 1990 sind zudem ca. 2,5 Mrd. Euro in den Ausbau von 571 zentralen Kläranlagen und in 49.000 biologische Kleinkläranlagen investiert worden. In der naturnahen Gewässerentwicklung wurden 250 Vorhaben mit 82 Mio. € bezuschusst. Für die Sanierung von Seen hat das Land für 50 Vorhaben etwa 22 Mio. € bereitgestellt. Bis 2021 wird das Land insgesamt rund 150 Mio. € für den naturnahen Gewässerbau, die Seesanierung und für Agrarumweltmaßnahmen zur Verfügung stellen.

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