Erster Deutscher Ingenieursbaupreis für Greifswalder Sperrwerk ausgelobt

Sturmflutsperrwerk der Hansestadt Greifswald, Fotoquelle: http://agoberlin.de/

Sturmflutsperrwerk der Hansestadt Greifswald, Fotoquelle: http://agoberlin.de/

26.10.2016Das Sturmflutsperrwerk der Hansestadt Greifswald bekommt den ersten Deutschen Ingenieurbaupreis. Dieser wird heute Abend in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin vergeben. Die Jury unter Vorsitz des Darmstädter Universitätsprofessors Carl-Alexander Graubner wählte das im Februar 2016 fertiggestellte Siegerprojekt aus 53 Einreichungen aus. DiePlanung stammt von der Planungsgemeinschaft Hydroprojekt Ingenieurgesellschaft mbH und Lahmeyer International. Bauherr ist das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg – Vorpommern. Die Juroren lobten die „gelungene Integration verschiedener Planungsbeteiligter“ bei der Entwicklung einer „außergewöhnlich innovativen Lösung“ zum Hochwasserschutz. Über diese besondere Anerkennung freute sich auch Umweltminister Dr. Till Backhaus: „Das Sperrwerk in Greifswald ist ein komplexes Bauwerk der Superlative. Etwa 12.000 Tonnen Beton und fast 4.000 t Stahl wurden hier verbaut. Damit ist es das umfangreichste und technisch anspruchsvollste Küstenschutzvorhaben das im Land Mecklenburg-Vorpommern bisher realisiert wurde.“ Mit dem Deutschen Ingenieurbaupreises 2016, so der Minister, wird diese technische Meisterleistung honoriert und dokumentiert. „Die Auszeichnung würdigt die hohe Ingenieurskunst und das sehr gute Ingenieurswissens hierzulande“, sagte er weiter. Auch sei der Preis eine Bestätigung für die Arbeit des Ministeriums und aller Projektbeteiligten. Im engen Dialog seien Sicherheit, Funktionalität, städtebaulicher Einpassung und Kosten optimal in Einklang gebracht worden.

Die extremen Sturmfluten von 1872, 1904 und 1913 mit Wasserständen bis zu ca. 2,7 m über Normalhöhennull (NHN) haben die Notwendigkeit von Schutzanlagen in Greifswald mehrfach deutlich gemacht. Auch haben nach der Wende landesweite Untersuchungen zum Sturmflutschadenpotenzial Greifswald als einen der besonders gefährdeten Küstenorte ausgewiesen. Im Falle einer extremen Sturmflut sind ca. 30 % des Stadtgebietes überflutungsgefährdet. „Abgesehen vom Schadenspotenzial, das damals auf 500 Mio. DM beziffert wurde, standen hier auch Menschenleben auf dem Spiel“, betonte der Minister. 1998 fiel die Entscheidung zum Bau eines Sturmflutschutzsystems mit Sperrwerk im Ryck. Die Planungsgemeinschaft „Hydroprojekt Ingenieurgesellschaft mbH und Lahmeyer International erarbeitete in der Folgezeit die Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) genehmigte 2006 den Bau des Sperrwerks. Ein besonderer Meilenstein im Bauablauf war der Einbau des mehr als 100 t schweren Drehsegmentverschlusses im Juli 2014. Das Sperrwerk hält Wasserständen von bis zu 3,1 m über NHN stand.

Der Deutsche Ingenieurbaupreis wurde in diesem Jahr erstmals in gemeinsamer Trägerschaft durch das Bundesbauministerium und die Bundesingenieurkammer ausgelobt. Ausgezeichnet werden die Bauingenieure mit einem Geldpreis und einer Urkunde sowie die Bauherren mit einer Urkunde. Der Preis soll künftig im Zweijahresrhythmus verliehen werden. Das Wettbewerbsverfahren wurde vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung durchgeführt.

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