Renaturierung der „Fischlandwiesen“ auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst beginnt

Landschaft bei Dierhagen, Foto: gemeinfrei

Landschaft bei Dierhagen, Foto: gemeinfrei

29.9.2016 – Mit dem feierlichen Spatenstich gab Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus heute den Startschuss für die Renaturierung des nördlichen Teils der „Fischlandwiesen“ auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Mehr als 218 ha Polderflächen entlang der L 21 zwischen den Gemeinden Wustrow und Dierhagen sind Teil der Naturschutzmaßnahme. In diesem Boddenbereich soll das natürliche Wasserregime wieder hergestellt werden und wichtige Lebensräume für viele selten gewordene Pflanzen und Tiere entstehen. Gleichzeitig soll eine angepasste landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht werden. „M-V wird bundesweit aufgrund seiner naturräumlichen Schönheit geschätzt und ist eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Gleichwohl bildet die nachhaltige Nutzung der Kulturlandschaft die Lebensgrundlage vieler Menschen im Land. Bei der Wiedervernässung der Fischlandwiesen werden Schutz und Nutzung vorbildhaft miteinander verbunden. Die Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Ziele der EU-Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Richtlinie“, betonte der Minister. Die naturnahen Überflutungsverhältnisse sollen hauptsächlich dazu führen, das ehemals dort vorhandene Salzgrasland wiederherzustellen. Es ist wertvoller Lebensraum für viele spezialisierte Pflanzen wie Strandaster und Salzbinse. Ursprünglich war M-V einmal auf einer Fläche von rund 21.000 ha von Salzgrünland bedeckt, das sich erst durch landwirtschaftliche Nutzung entwickelt und erhält. Heute sind durch Eindeichung und intensive Grünlandnutzung nur noch weniger als 10 % davon übrig. Durch die Wiedervernässung sollen ebenso neue Nahrungs-, Rast- und Brutflächen für teilweise bedrohte Zugvögel und heimische Vögel, wie Limikolen, nordische Gänse, Kraniche und verschiedene Greifvögel entstehen. Sie trägt zudem dazu bei, dass sich das Selbstreinigungsvermögen des Saaler Boddens und dadurch dessen Wasserqualität verbessern.

Auch das Landschaftsbild soll durch die Naturschutzmaßnahme abwechslungsreicher und damit reizvoller werden: Nach der Umsetzung werden neben Grünlandflächen auch Schlammflächen, Schilf bewachsene Areale, Tümpel und Priele zu sehen sein. Die geplanten Maßnahmen sollen außerdem bewirken, dass sich in dem ursprünglichen Moorgebiet mittelfristig wieder neue Torfschichten bilden können und schädigende torfzehrende Prozesse gestoppt werden. „Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, sagte der Minister. Zurzeit werden die Fischlandwiesen von angrenzenden Boddenbereichen durch Deiche getrennt, damit Hochwasser nicht in die bewirtschafteten Wiesen eindringen kann. Auf der Fläche des neuen Ökokontos soll entlang des Saaler Boddens ein Teil der Deichanlage rückgebaut werden. Dafür wird ein neuer Deich entlang der L 21 und in die Trasse des Plattenweges gebaut. Die vorhandenen Gräben werden abgeflacht, damit sie gefahrlos von Rindern durchquert werden können oder als Priele umgestaltet und zum Bodden hin geöffnet, damit Hochwasser schnell einströmen und abfließen kann. Das Projekt wurde in enger Kooperation mit den Flächeneigentümern, den Gemeinden Wustrow, Dierhagen und der Stadt Ribnitz-Damgarten entwickelt. Die notwenige Finanzierung erfolgt durch den Verkauf von Ökopunkten, die für küstennahe, ausgleichspflichtige Eingriffe in die Natur als Kompensationsmaßnahme angerechnet werden. Vorhabensträger ist die Landgesellschaft M-V, die seit Mai 2015 anerkannte Öko-Flächenagentur ist. Bisher wurden durch die Landgesellschaft auf 662 ha Kompensationsfläche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen umgesetzt sowie rund 5.600 ha Moorflächen renaturiert.

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