Bilanz Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2016

Export von Produkten intensivieren – wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen – Gesundheitswirtschaft ist Motor regionaler Wirtschaftsentwicklung

, Assistenzschwester Dr. Anette Neumayr zeigt die 6 cm lange Narbe bei einem Patienten nach einer Mitralklappen Operation am Herzen. Foto: Joachim Kloock

Herzzentrum des Universitätsklinikums Rostock, Foto: Joachim Kloock

14.7.2016 – Am Donnerstag ist in Rostock-Warnemünde die Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft zu Ende gegangen. Italien war in diesem Jahr Partnerland der Konferenz. „Italien hat aufgrund der ähnlichen demografischen Entwicklung wie in Deutschland einen Bedarf an leistungsfähigen Medizintechnikprodukten. Deutsche Firmen haben mit ihrem Know-how eine gute Position im Markt. Die Chancen vor allem im Bereich der Medizintechnik können wir wirtschaftlich für Mecklenburg-Vorpommern intensiver nutzen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus Harry Glawe am Donnerstag. Rund 600 Branchenexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik nahmen an der zweitägigen Konferenz in Rostock-Warnemünde teil. Die Gesamtorganisation für die Veranstaltung hatte die BioConValley® GmbH.

Mehr Export von marktfähigen Produkten nach Italien

Insgesamt wurden in 2015 Waren im Wert von 415,7 Millionen Euro ausgetauscht (Im- und Export). Die wichtigsten Exportgüter nach Italien waren Käse, Zuckerrüben sowie Fleisch. Importiert wurden vor allen Dingen Maschinen, Frischobst, Bekleidung aus Seide sowie Waren aus Kunststoffen. „Die Zahlen verdeutlichen, dass wir vor allem im Export marktfähiger Produkte nach Italien zulegen können. Wir haben hoch innovative Produkte, die in unserem Land hergestellt werden. ´Made in Germany´ ist ein Gütesiegel und wir wollen, dass ´Made in Mecklenburg-Vorpommern´ noch stärker wahrgenommen wird. Wir können international beispielsweise mit modernen Implantaten, Stents (Gefäßstützen) und Atemtherapiegeräten der heimischen Wirtschaft punkten“, betonte Glawe weiter.

Wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen

Schwerpunktthema der zweitägigen Konferenz war „#Gesundheit 2016 – die Gesundheitswirtschaft in der Digitalen Welt“. „Wir wissen, wir stehen in den kommenden Jahren weiter vor großen Herausforderungen. So wird der demografische Wandel im Zusammenhang mit einem gewachsenen Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung zwar zu einer steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen führen, auf der anderen Seite aber auch die Fachkräfteproblematik weiter in den Fokus rücken. Hier müssen wir unsere Anstrengungen intensivieren“, mahnte Glawe. Die Digitalisierung bietet große Möglichkeiten für die Gesundheitswirtschaft: digitalgestützte Therapien und Unterstützungssysteme bieten ganz neue Behandlungsansätze in der Gesundheitsversorgung, die Entwicklung, Produktion und Fertigung von Medizinprodukten wird durch digitale Systeme reformiert. „Die Auswertung von großen Datenmengen kann die Diagnostik entscheidend verbessern“, so Glawe. „Vor allem im Bereich von gesundheitswirtschaftlichen Dienstleistungen haben schon jetzt digitale Technologien und die durch sie anwendbaren Methoden zu einer enormen Veränderung geführt.“

Beispiele für Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern

Ein erfolgreich umgesetztes Projekt ist beispielsweise die „Gemeindeschwester“ AGnES (AGnES steht für Arzt-entlastende, Gemeindenahe, E-Health gestützte, Systemische Intervention). Das Projekt wurde vom Institut für Community Medicine der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald koordiniert und wissenschaftlich unterstützt. Digitale Verbindungen werden genutzt, um dem Hausarzt über den Hausbesuch zu berichten. So wurden im Ergebnis Dienste entwickelt und etabliert, die dabei helfen, den Gesundheitszustand von Patienten mit chronischen Erkrankungen, wie z.B. Diabetes oder Bluthochdruck, vom Zuhause des Patienten aus zu überwachen. Die Ergebnisse des AGnES-Modellprojektes waren Grundlage einer Gesetzesänderung im SGB V, die eine Überführung der Leistungen in die Regelversorgung erlaubt.Die Universitätsmedizin Greifswald führt ein Projekt gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse durch. Über ein Smartphone bzw. Tablet, auf dem eine eigens für das Projekt entwickelte Applikation (mSkin App) installiert werden soll, wird eine interaktive Kommunikation zwischen Arzt und Patient erfolgen. „Hiermit soll eine moderne und innovative Lösung zur telemedizinischen Unterstützung der Betreuung von Patienten mit Dermatosen, also schweren Hauterkrankungen, geschaffen werden“, sagte Glawe. Darüber hinaus soll zum Beispiel künftig die Neurologische Universitätsklinik Greifswald beim Aufbau eines Neurologischen Telekonsils unterstützt werden. Hierbei handelt es sich um einen innovativen patientenorientierten Ansatz für die Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen in strukturschwachen Regionen.

Wachstumsbranche mit enormem Potential

Die Ergebnisse der von der BioCon Valley® GmbH in Kooperation mit dem unabhängigen Wirtschaftsforschungs-Institut WifOR erstellten Studie zeigen volkswirtschaftliche Effekte der Gesundheitswirtschaft für Mecklenburg-Vorpommern auf. „Die Gesundheitswirtschaft ist ein verlässlicher Wachstumstreiber im Land. Sie ist der Motor der regionalen Wirtschaftsentwicklung. Die hervorragenden gesundheitswirtschaftlichen Kompetenzen, wie beispielsweise in der Biotechnologie und der Medizintechnik, tragen heute wesentlich zur Wertschöpfung im Land bei“, betonte Wirtschaftsminister Harry Glawe abschließend. In der Gesundheitswirtschaft arbeiten derzeit 136.600 Erwerbstätige. Der Anteil an der gesamten regionalen Bruttowertschöpfung im Land beträgt 14,6 Prozent und ist seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen. Dabei werden 46,1 Prozent der Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft durch den Mittelstand erwirtschaftet.

Bilanz zum Abschluss der Konferenz

Wirtschaftsminister Glawe hat zum Ende der zweitägigen 12. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft eine positive Bilanz. „Wir haben uns als gute Gastgeber präsentiert. Die Konferenz strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus“, sagte Glawe abschließend.

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