Backhaus übergibt Rekultivierungspreis 2016 an die Nord Stream AG

Heiligendamm Küstenschutzarbeiten (2), 14.2.2002, Foto Joachim Kloock

Küstenschutzarbeiten in Heiligendamm, Foto: Joachim Kloock

12.7.2016 – „Naturschutz und Energiewirtschaft in Einklang zu bringen, erfordert Kommunikation und Kompromisse. Die Nord Stream AG hat bei der Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen für den Bau einer durch die Ostsee führenden Gaspipeline nicht nur ihre Pflicht getan, sondern den Umwelt- und Naturschutz in besonderem Maße berücksichtigt.“ – Mit diesen Worten übergab Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz heute in Immenstädt bei Pinnow (LK Vorpommern-Greifwald) den Rekultivierungspreis 2016 an das internationale Energiekonsortium. Die Hürden für den Preis, betonte der Minister, seien hoch. Es gehe nicht nur darum, Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur planmäßig umzusetzen, sondern die Qualität der Maßnahmen dauerhaft zu sichern. Für den Bau und die Inbetriebnahme von zwei jeweils rund 1.200 Kilometer langen Pipeline-Strängen, die jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Portovaja (Russland) nach Lubmin (Deutschland) durch russische, finnische, schwedische, dänische und deutsche Gewässer transportieren, setzt die Nord Stream AG die Wiedervernässung der Polder Pinnow und Immenstädt um. Die insgesamt rund 600 ha Hektar großen Flächen liegen im Landkreis Vorpommern-Greifswald am Nordufer der Peene im Mündungsbereich in den Peenestrom und werden durch die B 110, die von Anklam nach Usedom verläuft, getrennt. Im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen konnten bislang Seedeiche soweit zurückgebaut werden, dass nun wieder große Flächen der Polder dem natürlichen Überflutungsregime von Peene und Peenestrom unterliegen. Auch wurden in dem Gebiet landwirtschaftliche Nutzflächen gesichert und Straßen und Wege gegen Hochwasser geschützt. „Durch die Wiedervernässung der Flächen entstehen moorspezifische Biotope, die klimarelevante Gase binden und somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, kommentierte Dr. Backhaus. Neben den baulichen Maßnahmen schließen sich in den kommenden 20 Jahren eine Reihe weiterer Aufgaben an: das Biotopmanagement, konkret das Grünlandmanagement für Wiesenbrüter, das Schaffen von Brutinseln für Möwen und Seeschwalben sowie ein umfangreiches Monitoring, sagte er weiter. Die besondere Leistung der Nord Stream AG fasste der Minister wie folgt zusammen: „Es galt eine angemessen große Projektfläche zu finden, einen hohen personellen, finanziellen und logistischen Aufwand zu bewältigen, die zugehörigen Einzelmaßnahmen umzusetzen und die Gesamtmaßnahme im Ergebnis zum Erfolg zu führen.“ Über 100 Mio. € habe die Nord Stream AG seit ihrer Gründung 2005 in Umweltuntersuchungen investiert.  Mecklenburg-Vorpommern kann rein rechnerisch mehr als 100% des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien decken, informierte der Minister. Erdgas bleibe dennoch eine wichtige Hauptquelle für die Stromerzeugung. Der gesamtdeutsche Gasverbrauch lag 2015 bei rund 88 Milliarden Kubikmetern. Davon wurden weniger als Ein Zehntel (8,6 Milliarden Kubikmeter) aus deutschen Böden gefördert. Mehr als 90 % des Gesamtbedarfs werden über Pipelines aus Ländern wie Russland, den Niederlanden und Norwegen bezogen.

Hintergrund: Bereits seit 1998 vergibt das Land Mecklenburg-Vorpommern den Preis für besondere Leistungen bei der Wiedernutzbarmachung bergbaulich genutzter Flächen oder besonderer Maßnahmen im Zuge der Umsetzung anderer genehmigter Vorhaben. Die bisher ausgezeichneten Objekte reichten etwa von der klassischen Rekultivierung zur Wiederherstellung land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche bis hin zur Renaturierung von Tagebauten durch die Schaffung von so genannten Sukzessionsflächen, die eine hohe Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz haben. Aber auch für touristische Nachnutzungen bieten ehemals genutzte Flächen ein großes Entwicklungspotenzial. Die Erfüllung der Anforderungen wird durch eine Kommission bewertet, die sich aus den Mitgliedern des Arbeitskreises „Rohstoffsicherung M-V“ zusammensetzt. Die ausgewählten Objekte werden vor Ort durch die Kommission befahren und geprüft. Jedes Unternehmen der Rohstoff- und Energiewirtschaft kann sich bewerben. Der Preis hat ideellen Wert. Preisträger in 2016 ist neben der Nord Stream GmbH die Heidelberger Sand und Kies GmbH in Perniek (LK Nordwestmecklenburg).

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