Thema im Landtag – Bundesprogramm Blaues Band Deutschland

Wassertourismus nicht gefährden – wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land

Gewässer Prerow-Zingst, Foto Joachim Kloock

Gewässer um Zingst, Foto: Joachim Kloock

6.7.2016 – Den Wassertourismus und die Binnenschifffahrt in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu stärken war am Dienstag Thema im Landtag in Schwerin. Anlass der Diskussion war unter anderem, dass im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ beispielsweise geprüft wird, Fließgewässer zu renaturieren. „Der Wassertourismus in Mecklenburg-Vorpommern spielt eine herausragende Rolle als Wirtschaftsfaktor sowie bei der Entwicklung der ländlichen Räume. Renaturierungen könnten zu eine Einschränkung der wassertouristischen Nutzung in diesen Gebieten bis hin zum Entzug von Wassertourismusrevieren bedeuten. Das können wir nicht hinnehmen. Hier müssen wir als Tourismusland ganz genau hinschauen. Ich plädiere dafür, dass wir uns gemeinsam ressortübergreifend für die Interessen des Wassertourismus und der Binnenschifffahrt beim Bund einsetzen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus Harry Glawe im Landtag.

Touristiker und Verbände der Bundesländer einbeziehen

„Wir müssen uns als Land für die Erhaltung der wichtigen vernetzten Wasser-Verkehrsadern gegenüber dem Bund einsetzen“, mahnte Glawe weiter. Darüber hinaus müssen auch die anderen Bundesländer an dem Entscheidungsprozess beteiligt werden. „Aber nicht nur die Verkehrs- und Umweltbereiche, sondern auch der Tourismus- und Wassersportbereich muss auf ministerieller und Verbandsebene einbezogen werden, damit diese Belange aufgenommen werden können. Um die Erfolgsgeschichte der Branche fortzusetzen, sind abgestimmte Prozesse mit der Regionalentwicklung, der Branche und Tourismusverbänden sowie mit unseren Nachbarländern Brandenburg und Berlin notwendig“, forderte Glawe. Das Bundesprogramm wird derzeit gemeinsam vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) entwickelt und soll vom Bundeskabinett Ende 2016 als Handlungsrahmen für die nächsten Jahre beschlossen werden. Derzeit werden die fachlichen und konzeptionellen Grundlagen erarbeitet.

Wirtschaftsminister sieht Entwicklung mit Sorge

Der Wirtschaftsminister sieht die Entwicklungen und Bestrebungen auf Bundesebene im Bereich der Bundeswasserstraßen infolge der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie durch neue Bundesprogramm „Blaues Band“ mit Sorge. „Wohl keine andere Branche ist so breit aufgestellt wie der Wassertourismus. Auch die Binnenschifffahrt ist eng mit anderen Urlaubsformen im Land verbunden. Wasser spielt bei uns im Tourismus eine große Rolle und die Naturressource und natürlichen Voraussetzungen bieten dem Land Alleinstellungsmerkmale innerhalb Deutschlands und Europa. Das Land nimmt aufgrund seiner zentralen Lage im europäischen Wasserstraßennetz eine besondere Stellung und Funktion ein“, betonte Glawe.

350 Wasserwanderrastplätze, über 20.000 Liegeplätze

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit 350 Wasserwanderrastplätze, Marinas und Sportboothäfen mit 14.000 Liegeplätzen an der Küste und 7.725 Liegeplätzen im Binnenland. „Der Wassertourismus ist einer der Hauptmärkte der touristischen Entwicklung im Land. Er ist eine Wachstumsbranche mit überdurchschnittlich gestiegenen Bruttoumsätzen“, sagte Glawe. In den vergangenen untersuchten 10 Jahren haben sich die Bruttoumsätze auf 494 Millionen Euro verdreifacht. 1.400 Anbieter sind mit rund 7.000 Beschäftigten in diesem Bereich tätig. Der Anteil des Wassertourismus in der Tourismuswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern beträgt ca. 10 Prozent. „Dauerhafter Erfolg beruht auf Investitionen an den richtigen Standorten beispielsweise zur Herstellung eines Sportboothafennetzes“, sagte Glawe. Das beträfe sowohl gewerbliche Investitionen in touristische Einrichtungen im Wassertourismus (Marinas, Sportboothäfen), aber auch Investitionen in die touristische Infrastruktur. „Wer durch das Land reist, sieht am Wasser neben einer einzigartigen Naturausstattung Seebrücken, Schiffsanleger, Wasserwanderrastplätze, Anlegestellen, Strandpromenaden, Badestellen, Rettungstürme und barrierefreie Strandabgänge, die genutzt und besucht werden.“

Über eine halbe Milliarde Euro für den Wassertourismus

Insgesamt hat das Wirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern von 1990 bis heute (Stand Ende Juni 2016) 343 wassertouristische Infrastrukturmaßnahmen gefördert. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf 527,6 Millionen Euro, die Förderung betrug rund 370 Millionen Euro. Im Bereich des Gewerbes wurde in 150 Sportboothäfen und Marinas rund 252 Millionen Euro investiert. Sie wurden mit 90,6 Millionen Euro an Investitionsförderung unterstützt. Die Mittel der Zuschüsse vom Wirtschaftsministerium stammen aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) und unter anderem aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Laut der vom Wirtschaftsministerium beauftragten Landeswassertourismuskonzeption Seen- und Flusslandschaft Mecklenburg-Vorpommern aus dem Jahr 2014 belaufen sich die wirtschaftlichen Effekte auf einen Umsatz von 199 Millionen Euro pro Jahr, 98 Millionen Euro Einkommenseffekte pro Jahr und rund 3.000 Vollzeitarbeitskräfte sind beschäftigt. In gewässerreichen Regionen können Umsätze aus den Bereichen Bootstourismus mit Motorbootfahren, Segeln, Kanufahren, Hausbootfahren mit Charterbooten, Surfen, Wasserski, Tauchen, Angeln genauso erzielt werden wie aus verschiedenen Bereichen der Schifffahrt. Hierzu zählen die Bereiche der Fahrgast- und Traditionsschifffahrt sowie Flusskreuzfahrt. Download der Studie „Landeswassertourismuskonzept Seen- und Flusslandschaft MV 2014“ unter Service->Publikationen->Tourismus:www.wm.mv-regierung.de.

 

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