Entwicklungskonzept für den Zoo Schwerin bis 2025 liegt vor

Zoodirektor Dr. Tim Schikora: „Thematische Neuausrichtung, notwendige Sanierungen und attraktive Investitionen“

Kattas, Zoo Rostock, Foto: Joachim Kloock

Kattas, Foto: Joachim Kloock

22.6.2016 – Das Zooentwicklungskonzept überspannt einen Zeitraum bis 2025 und zeigt Entwicklungsoptionen sowohl inhaltlicher als auch baulicher Art auf. Der Fokus des Konzeptes liegt in der thematischen Neuausrichtung zu einem Artenschutz- Zoo unter dem Thema „Verantwortung zeigen… Vielfalt erleben…“

Tierbestand soll auf stark bedrohte Tierarten umgestellt werden

Mit einer umfassenden Umstellung des Tierbestandes zu stark bedrohten Arten, für die es internationale Erhaltungsprogramme und Schutzbemühungen gibt, wird der vor sechzig Jahren gegründete Heimattierpark zum Zoo mit dem Schwerpunkt Artenschutz weiterentwickelt. So ziehen neben den gefährdeten Südlichen Breitmaulnashörnern pünktlich zum Jubiläumsfest im Juli bedrohte Grevy-Zebras in die erweitere Nashornanlage ein. Diese ersetzen die nicht gefährdeten Chapman-Zebras. Auch werden in das für 2017/18 geplante neue Löwenhaus Terrarien integriert, die bedrohten Reptilien und Amphibien ein zu Hause bieten. Auf diese Weise findet auch das mittlerweile geschlossene Terrariengebäude  adäquaten Ersatz.

Zoo mit neuem Logo und Internetauftritt ab Juli 2016

Über die Baumaßnahmen hinaus sind Weiterentwicklungen im Marketing und im Erscheinungsbild des Zoos notwendig. Derzeit wird ein neues Logo im Verbund mit einer völlig neuen Homepage entwickelt. Diese sollen bereits Ende Juli präsentiert werden und sind die Basis für eine wirkungsvolle und weitreichende Vermarktung der anstehenden Neuerungen im Zoo. Zoodirektor Dr. Tim Schikora: „Gerade die Homepage ist der wichtigste Startpunkt für potentielle Neubesucher unter den Touristen, die es künftig vermehrt für einen Zoobesuch zu gewinnen gilt.“ Für Gäste aus der Region interessant – die Öffnungszeiten in der Hauptsaison sollen verlängerten werden, so dass sich der Besuch auch zur Feierabendzeit noch lohnt. Bei Dämmerung oder abendlichen Veranstaltungen soll eine dezente Wegbeleuchtung den Zoobesuch begleiten. Diese inhaltliche Neuausrichtung soll durch notwendige Sanierungen, attraktive Investitionen und der damit verbundenen Modernisierung interner Betriebsabläufe gestaltet werden. „Es gilt, Arbeitsprozesse effizient und zeitgemäß zu gestalten und die dadurch freiwerdenden Kapazitäten zur Pflege und Weiterentwicklung der Tieranlagen und Besucherbereiche zu nutzen“, erläutert Dr. Tim Schikora. Damit dieses gelingt, sollen der Betriebshof mit seinen Werkstätten, das Verwaltungsgebäude und die Sozialräume zurückgebaut und durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt werden. Teile des im Zentrum des Zoos gelegenen Komplexes sind mehr als 40 Jahre alt und dringend sanierungsbedürftig. „Die Investition in einen Neubau wird unmittelbar zu deutlich reduzierten Energie- und Betriebskosten führen“, erklärt der Zoodirektor. Durch die Verlagerung des Betriebshofs an den Randbereich des Zoos wird der Betriebsverkehr auf Besucherwegen erheblich verringert. Das freiwerdende Areal steht anschließend für neue attraktive Tieranlagen und Besucherbereiche zur Verfügung. Denkbar sind hier Anlagen für Beuteltiere.

Tropenhalle mit Freigehege geplant

Weitere wesentliche Baumaßnahmen betreffen das Areal rund um die Tapiranlage und die benachbarten Vogelvolieren. Beide Gebäude sind nach heutigen Maßstäben weder für die Tierhaltung noch als Arbeitsbereiche geeignet. Entstehen soll eine für Besucherinnen und Besucher begehbare Tropenhalle mit Freigehegen für die Bewohner. Thematisch angebunden an das benachbarte Humboldt-Haus können sich hier Zoobesucherinnen und Zoobesucher bei tropischer Temperatur und Luftfeuchtigkeit durch den südamerikanischen Regenwald bewegen –  zwischen frei fliegenden Vögeln und Schmetterlingen, umherspringenden Affen und umringt von üppigem Grün. Hauptattraktion wird hier eine Gruppe Riesenotter sein. Diese bis zu zwei Meter langen Raubtiere sind in ihrem eigentlichen Lebensraum stark vom Aussterben gefährdet und eine Rarität in der europäischen Zoolandschaft. Darüber hinaus wird im Zoo Schwerin das europäische Zuchtprogramm und das internationale Zuchtbuch für diese Art geführt, trägt also entscheidend zum Fortbestand dieser spektakulären und sozialen Tierart bei.

Wildschweine und Damwild bekommen Nachbarn

Weiterhin ist geplant, den Bereich rund um Wildschweine und Damwild aufzuwerten und für Besucherinnen und Besucher erlebnisreicher zu gestalten. Angedacht sind weiterhin Anlagen für Tiere der nördlichen Breiten, wie Luchse und Wisente, da diese keine kostenintensiven Warmhäuser benötigen. Auch die Giraffen sollen einen neuen Stall erhalten, der den aktuellen Auflagen zu Haltung genügt und gleichermaßen für den Besucher als geschützter Rückzugsbereich speziell in der Nebensaison nutzbar sein soll.

Lemuren bekommen kleine Tropenhalle

Anstelle des alten Ponyreitplatzes soll eine kleine Tropenhalle für Lemuren Madagaskars entstehen, die ihr Freigehege auf den gegenüberliegenden Inseln der Wasservogelanlage erhalten. Lemuren sind den Zoobesuchern bereits in Form der Kattas mit ihrem schwarz-weiß geringelt Schwanz bekannt und äußerst beliebt. Diese sympathischen Tiere sollen zusätzliche Gesellschaft von weiteren Arten bekommen. Die Freianlagen sind für Besucherinnen und Besucher begehbar konzipiert. „Grundsätzlich sollen bei allen anstehenden Baumaßnahmen spezielle Bereiche für Besucherinnen und Besucher entstehen, die im Winter und bei schlechten Witterungsbedingungen einen geschützten Aufenthaltsraum mit der Möglichkeit zu Tierbeobachtungen bieten. So sollen dezentrale Aufenthaltsbereiche Stück für Stück den Zoo in der Nebensaison zu einem spannenden und erlebnisreichen Ort in Schwerin werden lassen“, so Dr. Schikora. Hierzu wird ein zweiter Eingang mit einer angeschlossenen, kleinen Gastronomie mit Blick über den Schweriner See und Indoor-Spielplatz beitragen, der für Kinder wie auch für Erwachsene gleichermaßen ansprechend ist. Vergleichsweise kleine Maßnahmen, wie die Neugestaltung der Anlage für Stachelschweine, Baumstachler oder Flamingos, sollen vorwiegend in Eigenleistung bzw. Kooperationsprojekten mit dem Zooförderverein entstehen. Gleiches gilt für den Bau wegebegleitender Abenteuer- und Erlebnispfade speziell für Kinder und Jugendliche.

Die Gesamtsumme für die Baumaßnahmen beläuft sich auf etwa 11,3 Millionen Euro. Für die  meisten Maßnahmen wird eine Förderung und Finanzierung über Drittmittel angestrebt, um den Eigenanteil deutlich zu reduzieren. Bei einer geplanten Förderquote zwischen 70 und 90 Prozent ist von einem Investitionsvolumen von ca. 4,2 Millionen Euro über die kommenden 10 Jahre auszugehen. Zusammen mit den laufenden Großprojekten im Afrikaareal, den gegenwärtigen Sanierungen und den geplanten Maßnahmen der kommenden zehn Jahre ist der größte Teil des Zoos bis zum Jahr 2025 saniert, für Besucherinnen und Besucher modern und attraktiv und durch Alleinstellungsmerkmale wettbewerbsfähig gestaltet. Zudem sind Betriebsabläufe optimiert und Kapazitäten zur Weiterentwicklung im Kleinen und für die Parkpflege durch Eigenleistungen vorhanden. Die geplanten Maßnahmen sind unabhängig von den aktuellen Studien einer Bundesgartenschau zu betrachten. Dennoch ergänzen sich beide Konzepte.

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