Betriebliches Gesundheitsmanagement ist Standortvorteil für Unternehmen

Durchstarten in der Gesundheitswirtschaft MV - Ideenwettbewerb -, Foto/Quelle: WM M-V

Gesundheitswirtschaft MV, Foto: WM M-V

20.6.2016 – In Zeiten des Fachkräftemangels ist es für die Firmen in Mecklenburg-Vorpommern wichtig, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Unternehmen zu binden und sie zu motivieren. Die Gesundheit der Beschäftigten und ihre Zufriedenheit im Betrieb spielen dabei eine besondere Rolle. Bislang war der AGNetz e.V. mit dem Projekt „Offensive für betriebliche Gesundheitsförderung“ der zentrale Ansprechpartner im Land für die Betriebe. Dieses erfolgreiche Projekt endet zum 30. Juni 2016. In Zukunft wird das Projektkonzept von NORDGesundheit fortgeführt. Die Sozialpartner, Krankenkassen und Rentenversicherung werden mit dem AGNetz e.V. weiterhin ihre Aktivitäten zur Förderung des betrieblichen Gesundheitsmanagements bündeln. Gesunde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für alle ein Gewinn“, sagte Sozialministerin Birgit Hesse am Montag in Schwerin. „Das Unternehmen profitiert durch leistungsfähige und motivierte Beschäftigte. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz wohl und bekommen Anerkennung für ihre tägliche Leistung.“ Mandy Wleczyk, eine der Koordinatorinnen des AGNetz e. V., zog eine positive Bilanz der bisherigen Arbeit. „Die Nachfrage nach unserer Beratung und Koordination hat uns selbst überrascht. Unser ursprüngliches Ziel, gemeinsam mit den AGNetz-Projektpartnern mindestens 200 Unternehmen zu erreichen, wurde weit übertroffen. Wir haben Kontakt zu 394 Firmen aufnehmen können. Fast 90 Prozent davon sind kleine und mittlere Unternehmen. Diese Gruppe stand von Beginn an im Fokus unserer Arbeit. Von den kontaktierten Firmen nahmen 232 an gemeinsamen Erfahrungsaustauschen teil. Darüber hinaus nutzen viele unsere Foren, das sogenannte Gesundheitsfrühstück oder abonnierten unsere ‚Gesundheitspost‘. In 222 Unternehmen fanden Analyse- oder Erstgespräche statt. Die damit in Gang gesetzten strukturierten Aktivitäten führten in 56 Unternehmen zur Einführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements.

In weiteren 116 Unternehmen wurde entsprechende Steuerungsgruppen oder ein Verantwortliche für Gesundheitsfragen benannt. Für viele Firmen wurden konkrete Kontakte zu regionalen Beratungsstellen, Betriebsmedizinern oder der DRV Nord hergestellt. Und in zirka einem Viertel der beratenen Unternehmen konnten bereits nachhaltige Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung umgesetzt werden. Heute zählen wir 239 Unternehmen, die in unserem Netzwerk betreut werden.“ Für die Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern (VUMV) liegt die besondere Bedeutung bei der Förderung der betrieblichen Gesundheit darin, auf die Herausforderungen des demografischen Wandels aktiv zu reagieren. „Es ist ein lohnendes Investment zum beiderseitigen Vorteil für Mitarbeiter und Unternehmen. Eine mitarbeiterorientierte Unternehmensführung unterstützt die Produktivität, ohne die  Beschäftigten aus deren Eigenverantwortung für die persönliche Gesunderhaltung zu entlassen. Das sichert nachhaltig sowohl den Unternehmenserfolg als auch die Zufriedenheit der Belegschaft. Deshalb ist es wichtig, dass wir bei dem Thema Betriebliche Gesundheitsförderung nicht nachlassen. Deshalb wird der AGNetz e. V. die Arbeit von NORDGesundheit unterstützen.“ Andrea Dietrich, Geschäftsführerin NORDGesundheit, erklärt: „Die NORDGesundheit ist das neue Kompetenzzentrum für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wir  verfolgen weiter das Ziel, Unternehmen für die Sicherung der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu sensibilisieren. Mit erweiterten Handlungsfeldern werden auf der Basis des bisherigen Projekts des AGNetz e. V. ‚Offensive für betriebliche Gesundheitsförderung‘ nun auch Unternehmen oberhalb der KMU-Grenze angesprochen.

NORDGesundheit bringt eine Reihe von Themen in die Unternehmen: Die Reduzierung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz, das Einzelfallmanagement beim betrieblichen Eingliederungsmanagement aber auch Entwicklungen von Strategien, die die Arbeitswelt gesundheitsbewusster für Beschäftigte und Arbeitgeber gestalten. Unsere Erfahrungen und Kompetenzen aus dem AGNetz-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern beim Arbeits- und Gesundheitsschutz werden künftig auch Unternehmen in Schleswig Holstein, Hamburg und Niedersachsen zur Verfügung gestellt.  NORDGesundheit wird Systeme zur Vernetzung mit Sozialpartnern ausbauen und das Fachwissen von Arbeitswissenschaftlern aus großen Arbeitgeberverbänden nutzen. Die NORDGesundheit wird zum 1. 7. 2016 ein Geschäftsteil der Unternehmensberatung der Wirtschaft GmbH (kurz UDW GmbH).“ Für die Arbeitnehmerseite machte Ingo Schlüter, stellvertretender Vorsitzender des DGB Nord, deutlich, dass die AG Netz ein positives Beispiel für eine vernetzte Zusammenarbeit aller Partner in der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention sei. „Klein- und Mittelbetriebe brauchen eine besonders intensive Begleitung, weil ihnen das Know-how fehlt. Zu viele Arbeitgeber sehen Gesundheitsförderung als Nebensache an – sie sollten wissen, dass gute Arbeitsbedingungen ihr Unternehmen attraktiv für Fachkräfte und langfristig stärker machen“, so Schlüter. „Weil der Arbeitsdruck wächst, werden immer mehr Beschäftigte mürbe und krank. Die Wochenend- und Nachtarbeit, die Erreichbarkeit nach Feierabend hat deutlich zugenommen. Bei unseren empirischen Befragungen zeigte sich, dass nur 42 Prozent der Beschäftigten davon ausgehen, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente durchhalten werden. Die Mehrheit der Beschäftigten beklagt, dass sie sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten und seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten muss. 49 Prozent der Beschäftigten geben an, sie seien innerhalb eines Jahres wiederholt auch dann zur Arbeit gegangen, wenn sie sich „richtig krank fühlten“. Die Zunahme der Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit 15 Jahren die auffälligste Entwicklung beim Krankenstand. Arbeits- und Gesundheitsschutz bleiben auch künftig große Aufgaben für die Sozialpartner, Regierungen in Bund und Ländern, Kassen und alle weiteren gesellschaftlichen Akteure“, so Schlüter weiter.

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