Asklepios Klinik Pasewalk kooperiert mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV

Zusammenarbeit soll Versorgung aller Patienten mit Gewebetransplantaten verbessern

Gewebebank-Foto-03_Joachim_Kloock

Gewebebank, Foto: Joachim Kloock

20.6.2016 – Erstmals in der Geschichte des Pasewalker Krankenhauses kooperiert die Gesundheitseinrichtung mit einer Gewebespende-Gesellschaft. Partner ist die 2015 in Rostock neu gegründete gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH) mit zwei erfahrenen Medizinern aus dem Bereich der Organ- und Gewebespende an der Spitze. „Das hauptsächliche Bestreben liegt in der Verbesserung der Versorgung der Patienten aller Altersgruppen mit innovativen Gewebetransplantaten ohne längere Wartezeiten“, sagte der Geschäftsführer der Asklepios Klinik Pasewalk GmbH, Ludwig Merker. „Uns hat das Konzept überzeugt. Das sieht vor, vor allem auch kleinere Krankenhäuser in die moderne Gewebemedizin einzubeziehen, so dass durch die Gewebespenden auch unsere Patienten vom weltweiten medizinischen Fortschritt in diesem Bereich stärker profitieren werden“, betonte die Ärztliche Direktorin, Dr. Katrin Gromoll-Bergmann. Informieren, Spenden, Helfen „Die Versorgung von Patienten mit hochwertigen Gewebetransplantaten ist auch acht Jahre nach Inkrafttreten der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Transplantationsgesetz äußerst unbefriedigend. Die Wartezeiten beim Ersatz einer Augenhornhaut liegen bei ca. drei Monaten, bei kardiovaskulären Geweben, also Herzklappen und Gefäßen, ist es ähnlich“, sagte der Geschäftsführende Arzt der GTM-V, der Rostocker Dr. Frank-Peter Nitschke. „Noch immer müssen Gewebetransplantate aus dem Ausland importiert werden. Von den jährlich etwa 8.000 Hornhauttransplantationen werden rund 1.000 durch Spenden aus dem Ausland abgedeckt. Im Notfall kann das Fehlen von geeignetem Spendergewebe auch tödlich enden oder zu einer dauerhaften Verschlechterung der Lebensqualität führen. Das muss nicht sein, das wollen wir zeitnah ändern“, so Nitschke. Der Grundstein dafür wurde im vergangenen Jahr mit den Gründungen der GTM-V und der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern (GBM-V), der ersten Multi-Tissue-Bank dieser Art in Deutschland, in Rostock gelegt. Beide Gesellschaften verfolgen ausschließlich gemeinnützige Zwecke im Bereich der Gewebemedizin. Initiatoren des neuen Weges in der Gewebemedizin in Mecklenburg-Vorpommern sind die Rostocker Ärzte Dr. Frank-Peter Nitschke (55) und Dr. Axel Manecke (46) mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin. Die GTM-V bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende (Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen, Blutgefäße nach dem Tod) und einen Teil der Lebendspende wie beispielsweise Herzklappen.

In enger Kooperation mit der Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern werden künftig neuartige, für die Patienten besser verträgliche, Gewebetransplantate in Rostock für die Transplantation bereitgestellt, von denen auch alle Krankenhäuser in MV profitieren können. „Das betrifft unter anderem dezellularisierte Hauttransplantate, also zellfreie Gewebegerüste, die Abstoßungsreaktionen weitestgehend verhindern und so erfolgreich zur Behandlung von chronischen Wunden eingesetzt werden“, erläuterte Dr. Frank-Peter Nitschke. Vertrauen ist die Voraussetzung Im vergangenen Jahr haben bereits elf Krankenhäuser in MV eine Kooperation mit der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg- Vorpommern (GTM-V) geschlossen. Drei Kliniken davon sind wie die Asklepios Klinik Pasewalk neu in das Spende-Netzwerk eingebunden worden. Als Ansprechpartner für Transplantationsfragen fungiert die Pasewalker Transplantationsbeauftragte aus der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Oberärztin Karin Busse. „Für uns ist die Spende von Geweben bei Herz-Kreislaufverstorbenen Neuland“, sagte die Anästhesiologin. „Transplantationsmedizin in Deutschland basiert auf Freiwilligkeit im Interesse der Menschen, denen damit wirklich geholfen werden kann. Wir wollen einerseits als modernes Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung unseren Beitrag leisten, wichtige Gewebespenden zu gewinnen. Andererseits möchten wir gern hochwertige Transplantate zur Therapie für unsere Patienten in Anspruch nehmen. Seit Start der Kooperation am 1. November 2015 konnten bereits 16 Augenhornhäute entnommen und Patienten mit Sehproblemen transplantiert werden“, so die Pasewalker Ärztin. Die Asklepios Klinik Pasewalk meldet mögliche Spender an die GTM-V. „Das Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der postmortalen Spenden erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften und in enger Zusammenarbeit mit der Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke. „Dabei legen wir viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten“, so Manecke. „Unser Ziel ist es, den Bedarf an Gewebespenden zu decken, so dass jeder Patient auch sofort die Hilfe bekommt, die er benötigt.“ Aufgrund der neuen Herstellungstechnologien steigt die Zahl der Transplantate, insbesondere bei Augenhornhäuten, Herzklappen, Gefäßen und Haut. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der gegenwärtig ca. 8.000 Hornhauttransplantationen zukünftig auf ca. 12.000 steigen wird, bei Herz- bzw. Gefäßtransplantationen werden es ca. 1.000 jährlich bundesweit sein. Der Bedarf an Hauttransplantaten ist enorm groß, insbesondere bei chronischen Wunden, nach Verbrennungen, Unfällen und Krebsoperationen. „Die Aufklärungsarbeit und Transparenz im Umgang mit Humanspenden ist uns dabei ein bedeutendes Anliegen. Vertrauen ist die Grundlage unserer Arbeit“, verdeutlichten Manecke und Nitschke.

Advertisements