„Arm an Wohnraum“ und reich an Träumen

Wanderausstellung über Wohnungslose im Stadthaus Schwerin zu sehen

Wanderausstellung

Christian Schindel, Foto: © LHS/Michaela Christen

Wovon träumen Menschen, die keine Wohnungen mehr haben und in einer Obdachlosenunterkunft leben? Wie sind sie überhaupt dort hingekommen? Welche Hobbys haben sie und welchen Sinn geben sie ihrem Leben? Und schließlich: Interessiert es sie, was andere über sie denken? Christian Schindel ist diesen Fragen in  der Ausstellung „Arm an Wohnraum“ nachgegangen, die gerade im Erdgeschoss des Schweriner Stadthauses begonnen hat und noch bis Ende Juni zu sehen ist. Der Sozialarbeiter ist in einer Beratungsstelle in Hagenow mit wohnungslosen Männern und Frauen in Kontakt gekommen und at danach in ganz Mecklenburg-Vorpommern nach Gesprächspartnern für seine Fragen gesucht: „Mich hat einfach aufgeregt, dass immer so abfällig von diesen Menschen gesprochen wird. Sogar in Behörden.“ 12 Interviewpartner hat Christian Schindel gefunden. Nicht jeder ließ sich fotografieren, aber alle hatten etwas zu sagen. „Es gehört viel Mut dazu, sein Gesicht zu zeigen, wenn man in einer solchen Situation ist.“ Dabei hat Schindel in den Gesprächen die Erfahrung gemacht, dass seine Gesprächspartner zwar „Arm an Wohnraum“, aber reich an Träumen sind: wieder eine eigene Wohnung zu haben, zur Ruhe zu kommen, Frau und Familie zurückzugewinnen, „alles auf die Reihe zu kriegen“, „ein Leben ohne Exzesse“ zu führen, ins Ausland zu gehen, „trocken“ oder „clean“ zu bleiben, einen 1-Euro-Job zu bekommen, „ein schönes Leben mit meiner Frau zu führen“. Es fällt auf, dass Menschen, die kaum noch eigenen Besitz haben, nicht von Konsum und materiellen Gütern träumen. „Wir müssen den Dingen einen Sinn geben“, antwortet Matthias (47) aus Neubrandenburg auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und unterstreicht damit, dass er Hoffnung und Zuversicht noch nicht aufgegeben hat. Christian Schindel, der diese Wanderausstellung im Ehrenamt erarbeitet hat, ist auch Mitglied der Landesarmutskonferenz Mecklenburg-Vorpommern. Ihm geht es nicht nur um eine Zustandsbeschreibung, sondern auch um Einfühlungsvermögen: „Ich wünsche mir, dass es dem Betrachter gelingt, sich ein wenig in die Situation der abgebildeten Personen hineinzuversetzen.“ Die Ausstellung „Arm an Wohnraum“ ist bis 30. Juni 2016 im Erdgeschoss des Stadthauses, Am Packhof 2-6  zu sehen.

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